vergrößernverkleinern
Luis Figo und Sepp Blatter
Rivalen um die FIFA-Präsidentschaft: Luis Figo (l.) und Sepp Blatter © SPORT1

München - Mit viel Pomp und großen Ideen präsentiert Luis Figo seinen Schlachtplan um die Herrschaft in der FIFA. Sein Problem: Präsident Blatter hat Afrika und Asien fest im Griff.

Ein Held wie geschrieben und frisiert für eine große TV-Serie. Thema des Dramas: Herrschaft.

Luis Figo tritt an um das Präsidentenamt der FIFA, hat mit Sepp Blatter den perfekten Antagonisten. Und das in einer Zeit, da sich Studenten und Hausfrauen gleichermaßen unterhalten lassen vom dolchstoßenden Streben nach Macht.

Anders als bei "House of Cards", "Game of Thrones" und "Breaking Bad" ist die Sache hier aber deutlich banaler.

Figo plant Mega-WM

Neben dem richtigen Auftritt bringt Figo auf Anhieb große Ideen mit. Sein Vorschlag, die Weltmeisterschaft auf 40 oder 48 Teams auszuweiten und auf zwei Turniere auf zwei Kontinenten aufzuteilen, eroberte sofort die Schlagzeilen.

Dabei ist es gerade einmal etwas länger als einen Monat her, dass Figo seine Kandidatur verkündete. Auf Anhieb ist er zu Blatters größtem Konkurrenten geworden. Er muss sich auch beeilen, bis zur Wahl am 29. Mai bleibt kaum Zeit.

Attacke mit Schweinskopf überstanden

Schon während seiner aktiven Karriere galt er immer als Gentleman, überstand letztlich sogar einen Wechsel vom FC Barcelona zu Real Madrid unbeschadet - trotz einer Attacke mit einem Schweinekopf bei seiner Rückkehr ins Camp Nou im weißen Trikot. Figo hat viele Freunde unter den größten Namen des Fußballs: Allen voran unterstützen ihn Jose Mourinho und David Beckham.

Für Europas Elite ist das FIFA-Hauptquartier in Zürich aber meist unendlich weit entfernt. In Sachen Sportpolitik ist Figo noch sehr unerfahren. Immerhin nährt Figo den Glauben, dass es noch Gegenkandidaten gibt mit reichlich Aufmerksamkeit und einem glaubwürdigen Programm.

"Ich bin niemand, der an der Seite steht und sich weigert zu handeln", sagte Figo, als er seine Pläne am Donnerstag auf großer Bühne im Londoner Wembley-Stadion offiziell vorstellte. "Fußball fließt durch meine Adern, ich bin ein Mann des Fußballs."

Glaubhafter als die Konkurrenten

Ihm glaubt man das, eher jedenfalls als dem jordanischen FIFA-Vizepräsidenten Ali bin al-Hussein, einem originären Mann des Weltverbands. Figo finanziert seine Kampagne selbst. "Ich habe in meiner Karriere genug verdient", sagte er. Stößt bei ihm die Wirkung von Geld und Macht tatsächlich an eine Grenze?

Luis Figo stellt seine Kandidatur zur Wahl des FIFA-Präsidenten vor
Ein Mann, ein Programm: Luis Figo meint es ernst © Getty Images

Nach seiner Zeit als Profi arbeitete er als Scout für Inter Mailand und betrieb ein Motorsport-Team zusammen mit seinem Freund Carlos Queiroz. Außerdem hatte er jetzt endlich Zeit für seine Bar an der Südküste Portugals.

Die Krise der FIFA wehte ihm die Schirmchen vom Cocktail. Als er während der Weltmeisterschaft in Brasilien die Proteste gegen Blatter von Nahem sah, beschloss er, sich zur Wahl zu stellen. Die Korruptionsaffäre und die Farce um den Bericht des FIFA-Chefermittlers Michael Garcia hatten bereits Zweifel in ihm aufkommen lassen.

Figo will das Image der FIFA retten, weiß aber: Blatter greift er besser nicht frontal an. Das wäre taktisch äußerst unklug und auch gar nicht sein Stil.

Blatter hat zu viele Verbündete, vor allem in Afrika und Asien. Zehn Tage lang tourte Figo deshalb zuletzt durch Afrika. Irgendetwas muss er denen anbieten, die seit mittlerweile 17 Jahren von Blatter profitieren.

Beim Blick auf seine wichtigsten Vorschläge wird dieser Spagat deutlich: Neben der Expansion der WM hat Figo vor allem die Finanzen der FIFA im Blick. Sofortige Millionengeschenke soll es geben. Einerseits ginge nach seinem Willen die Hälfte des FIFA-Umsatzes über einen Zyklus von vier Jahren (etwa 2,19 Milliarden Euro) direkt an Projekte an der Fußball-Basis - vor allem in Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika.

Verbände bekämen Millionen von Figo

Andererseits würde Figo das Konto des Weltverbands zu zwei Dritteln leeren und rund 880 Millionen Euro an die Mitgliedsverbände verteilen.

Als dritten wichtigen Punkt plant er Regeländerungen wie Zeitstrafen für unsportliches Verhalten oder die Rückkehr zur alten Abseitsregel, nach der ein Spieler nur aktiv oder gar nicht im Abseits stehen kann, nicht passiv.

Blatters System funktioniert prächtig

So nett das für manchen klingt, so unwahrscheinlich ist es, dass sich viele Blatter-Getreue davon beeindrucken lassen. Für die stimmberechtigten Funktionäre hat das System des Schweizers bislang prächtig funktioniert.

Figo bräuchte neben guten Ideen noch ein wirksames Lockmittel - oder eine große Keule. Am besten eine Kombination aus beidem, denn nur so kommt man an die Macht. Ob im Züricher Osten oder einem Hofstaat. So genau ist das nicht zu unterscheiden.

Video
teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel