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München - Nach den Ausschreitungen im Halbfinale des Afrika-Cup erhebt Ghana schwere Vorwürfe. Otto Addo fordert bei SPORT1 Konsequenzen. Der Verband reagiert mit einer hohen Strafe.

Fans und Spieler in Todesangst, die Werbebanden blutverschmiert, das Feld ein "Kriegsgebiet": Nach dem Skandal-Halbfinale um den Afrika-Cup zwischen Ghana und dem überforderten Gastgeber Äquatorialguinea steht der afrikanische Fußball im Kreuzfeuer der Kritik.

"Unsere Fans wurden Opfer barbarischer Gewalt", twitterte der ghanaische Verband (GFA), dessen Präsident Kwesi Nyantakyi klagte: "Wir sollten über unseren Sieg sprechen, stattdessen reden wir über Gewalt. Das ist ein schwerer Schlag für das Ansehen des Turniers."

Durch den 3:0 (2:0)-Erfolg erreichte Ghana mit dem Bundesligaspieler Abdul Rahman Baba das Endspiel gegen die Elfenbeinküste. Der sportliche Aspekt jedoch war Nebensache, zu widerwärtig waren die Vorkommnisse im Stadion von Malabo.

Addo fordert Konsequenzen

"Das ist eine Schande. Ich bin total schockiert und auch überrascht, weil ich das so überhaupt nicht kenne, sagte Ghanas Ex-Nationalspieler Otto Addo im Gespräch mit SPORT1: "Ich kann Äquatorialguinea nicht einschätzen, aber das alles ist absolut schade für den afrikanischen Fußball."

Addo forderte Konsequenzen: "Ich weiß nicht, wie die Umstände sind, aber das muss Folgen haben. Die Kontrollen müssen verschärft werden." Es könne nicht sein, "dass die Fans volle Flaschen werfen. Da muss sich etwas Entscheidendes ändern."

100.000 Dollar Strafe

Mittlerweile hat der afrikanische Kontinentalverband CAF reagiert und den Fußballverband Äquatorialguineas mit einer Strafe von 100.000 Dollar (etwa 87.000 Euro) belegt.

Zudem müssen die Gastgeber ein Spiel ohne Zuschauer austragen. Diese Strafe wurde allerdings auf Bewährung ausgesetzt, so dass das Spiel um Platz drei zwischen Äquatorialguinea und der DR Kongo vor Publikum ausgetragen werden kann.

In einer Mitteilung des Verbandes hieß es weiter, dass 14 Personen zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht wurden. In einem Fall müsse der Zustand genauer überwacht werden.

Trainer mit ernsthaften Sorgen 

"Im Finale werden die Fans hoffentlich ganz stark kontrolliert werden", meinte der ehemalige Bundesliga-Profi Addo. "Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert, es hätte ja auch einen Aufstand der ghanaischen Fans geben können."

Äquatorialguineas Kapitän Emilio Nsue Lopez sagte: "Ich habe wirklich noch nie während einer solchen Atmosphäre gespielt." Von "ernsthaften Sorgen" über die Fans sprach dessen Trainer Esteban Becker.

Doppelschlag als Auslöser

Auslöser der Ausschreitungen erst im und später auch außerhalb des Stadions war der Doppelschlag durch Jordan Ayew (42.) und Wakaso Mubarak (45.), der Ghana den Weg ins Finale ebnete und die Gemüter der gastgebenden Fans erhitzte. Zu diesem Zeitpunkt flogen Flaschen, Steine und andere Geschosse in Richtung der Spieler, nach Andre Ayews Treffer zum 3:0 (75.) dann auch in den Block der ghanaischen Fans. Das Chaos nahm seinen Lauf.

Das Spiel wurde in der 83. Minute unterbrochen, weil Ghanas Fans Schutz im Innenraum der Spielstätte suchten. Die überforderten Sicherheitskräfte bekamen die Lage jedoch nicht in den Griff, selbst die Polizisten gewährten den angegriffenen Zuschauern kaum Deckung. Ganz im Gegenteil.

Mit Tränengas und Schlagstöcken

Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, und als dann auch noch ein Hubschrauber die Massen aus dem Stadion treiben sollte, "wurden die Menschen verletzt", sagte Andre Ayew. Laut afrikanischem Kontinentalverband wurde das Spielfeld damit endgültig zum "Kriegsgebiet".

Der sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Warum beispielsweise stattete der CAF nach dem Ausschluss des eigentlichen Gastgebers Marokko gerade Äquatorialguinea mit einer Wildcard aus, obwohl das Team doch wegen eines Regelverstoßes bereits von der Qualifikation ausgeschlossen worden war? Und warum sollte ein Land das wichtigste Turnier des Kontinents ausrichten, ohne die dafür nötigen Stadien zu haben? In Malabo beispielsweise finden gerade einmal 15.000 Zuschauer Platz.

Im Endspiel dürfte es wieder ruhiger zugehen. 1992 standen der viermalige Turniersieger Ghana und die Elfenbeinküste schon einmal im Finale, damals gewannen die Ivorer im Elfmeterschießen. Auch in diesem Jahr gibt es keinen klaren Favoriten, wenngleich Ghanas Trainer Avram Grant meint: "Jeder hat vor dem Turnier über andere Teams gesprochen, nun wollen wir den Titel holen."

Das Finale wird im Stadion von Bata ausgetragen, 30.000 Zuschauer gehen dort hinein. Das Spiel um Platz drei zwischen dem Gastgeber und der Demokratischen Republik Kongo findet wieder in Malabo statt.

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