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Paris - Mit dem Sieg in Frankreich leckt Brasilien die Wunden des blamablen WM-Aus. Carlos Dunga sieht Fortschritte, zwei Bundesligaprofis haben das nächste Turnier schon im Blick.

Gnadenlose Effizienz statt brotlose Kunst, taktische Disziplin statt offensives Spektakel: Die brasilianische Nationalmannschaft hat mit dem siebten Sieg im siebten Spiel nach dem WM-Debakel wieder den Glauben an sich selbst gefunden.

Die Selecao ließ auch beim 3:1 (1:1) in Paris gegen den kommenden EM-Gastgeber Frankreich das im Land des Rekordweltmeisters so gern gesehene schöne Spiel (O Jogo Bonito) weitgehend vermissen, für Trainer Carlos Dunga zählte aber einzig das weitere Erfolgserlebnis.

Dunga: "Das hatte Geschmack"

"Das hatte Geschmack. Es war der siebte Sieg im siebten Spiel nach der WM - das zählt", sagte Dunga.

Taktisch stark, solide in der Defensive, zielstrebig im Vorwärtsgang: Die Handschrift Dungas war auch im Stade de France deutlich sichtbar.

"Das Team hat sich gut verhalten, ist kompakt aufgetreten, hat den Ball laufen lassen", stellte der Coach nach den Toren von Oscar (40.), Superstar Neymar (57.) und des Wolfsburgers Luiz Gustavo (69.) zufrieden fest.

Angesichts des Kopfball-Gegentreffers durch Raphael Varane (21.) übte aber auch Dunga Kritik. "Nichts ist perfekt. Wir haben uns unnötige Fouls geleistet, obwohl wir wussten, dass Frankreich bei hohen Bälle stark ist", sagte der Nachfolger des WM-Sündenbocks Luiz Felipe Scolari.

Brasilien knickt nicht ein

Neues Selbstvertrauen war die meist gehörte Vokabel nach der erfolgreichen Revanche für das an gleicher Stätte gegen die Equipe Tricolore verlorene WM-Endspiel 1998 (0:3).

Auch weil die Selecao, die in der neuen Dunga-Ära erstmals in Rückstand geriet, nicht wie bei der WM im Halbfinale gegen Deutschland (1:7) und anschließend im Spiel um Platz drei gegen die Niederlande (0:3) mutlos einknickte.

Gustavo und Firmino können hoffen

"Wir sind auf einem ausgezeichneten Weg. Zwar mit Schwierigkeiten, aber auch mit einer Mannschaft mit viel Qualität", sagte Luiz Gustavo, der fest an "eine zweite Chance" glaubt.

Der Wolfsburger, einer der WM-Versager, aber unter Dunga weiter eine feste Größe, kann wie Hoffenheims Roberto Firmino, der den zwischenzeitlichen Ausgleich stark vorbereitete, auf eine Berufung in den Kader für die Copa America im Juni in Chile hoffen.

Chile als nächste harte Nuss

Die nächste Bewährungsprobe folgt für Brasilien am Sonntag in London eben gegen den Gastgeber der Südamerika-Meisterschaft.

Für die Neuauflage des emotionalen WM-Achtelfinales mit dem Triumph der Brasilianer im Elfmeterschießen verspricht Dunga zahlreiche Änderungen.

"Das Resultat ist wichtig, aber noch wichtiger ist es zu testen", erläuterte der 51-Jährige.

"Gute Ohrfeige" für Frankreich

Frankreich nahm die Niederlage unterdessen gelassen. "Unsere Ziele liegen eben weiter entfernt als die Copa America im Juni 2015", sagte Trainer Didier Deschamps mit Blick auf die Heim-EM 2016.

Die französische Presse sah die Niederlage aber als Warnschuss auf dem Weg zum angestrebten Titel in zwei Jahren. "Eine gute Ohrfeige für Les Bleus", schrieb Le Parisien, während L'Equipe schrieb: "Gelbe Karte. Die erste Niederlage seit der WM 2014 ist wie eine Verwarnung ohne Folgen."

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