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Wolfgang Niersbach beerbte Theo Zwanziger 2012 als DFB-Präsident
Wolfgang Niersbach beerbte Theo Zwanziger 2012 als DFB-Präsident © Getty Images

Vom Journalisten zum wichtigsten deutschen Fußball-Funktionär: Wolfgang Niersbach hat seinen Weg nach oben nie geplant und hätte sich auch gerne den Job in der FIFA-Exekutive gespart.

Bei unserem ersten persönlichen Treffen lud Wolfgang Niersbach als Mediendirektor noch in ein kleines Büro im Erdgeschoss der DFB-Zentrale zum Hintergrundgespräch.

Heute, gut 16 Jahre später, sitzt er in einem deutlich größeren Zimmer im ersten Stock des umgebauten, gläsernen Verbandssitzes in Frankfurt - als DFB-Präsident, UEFA-Vizepräsident und künftiges Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee.

Damals arbeitete ich als Reporter für den Sport-Informations-Dienst, der Nachrichtenagentur, bei der Niersbach selber seine steile Karriere vor 40 Jahren als Journalist begonnen hatte.

Nach mehreren Welt- und Europameisterschaften wechselte der Düsseldorfer als Pressechef der Heim-EM 1988 zum DFB, danach übernahm er den Posten des heutigen kicker-Herausgebers Rainer Holzschuh als Verbandssprecher.

Kurz nach unserer ersten persönlichen Begegnung nahm Niersbachs Laufbahn richtig Fahrt auf. Als enger Freund von Franz Beckenbauer, mit dem er 1990 hautnah beim WM-Triumph in Italien dabei war, hatte er großen Anteil an der erfolgreichen WM-Bewerbung für 2006.

Daher wurde er ab 2001 Vizepräsident im Organisationskomitee und hatte als Mastermind im Hintergrund gemeinsam mit Horst R. Schmidt maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Endrunde, von deren Imageschub Deutschland bis heute profitiert.

Nach einjährigem Intermezzo als DFB-Direktor beerbte Niersbach Schmidt 2007 als Generalsekretär und hielt in der Folgezeit Präsident Theo Zwanziger den Rücken frei. Seine große Stunde schlug dann, als Zwanziger kurz nach der Wahl ins FIFA-Exekutivkomitee Ende 2011 überraschend seinen Rücktritt an der DFB-Spitze ankündigte.

Schon bei der Nachfolgesuche wurden erste Risse im bis dahin recht engen Verhältnis der beiden sichtbar, als Zwanziger versuchte, den ehemaligen Präsidenten des VfB Stuttgart, Erwin Staudt, als Nachfolger zu installieren.

Doch der hervorragende Netzwerker Niersbach, der bis heute fast jeden Journalisten auf Pressekonferenzen namentlich ansprechen kann, besaß die massive Unterstützung sowohl aus dem Amateurlager als auch bei den Profis. Zahlreiche Ex-Stars von Beckenbauer über Günter Netzer bis zu Rudi Völler sprachen sich vehement für ihren langjährigen Vertrauensmann aus.

Am 2. März 2012 wurde Niersbach dann einstimmig von einem außerordentlichen DFB-Bundestag in Frankfurt gewählt, damals war die Amtsübergabe von Zwanziger noch sehr herzlich. Doch das sollte sich bald ändern.

Nach den zahlreichen gegenseitigen Attacken herrscht schon seit Monaten Eiszeit zwischen dem Verbandsboss und seinem Nachfolger. Schon vor der WM in Brasilien forderte das DFB-Präsidium Zwanziger zum sofortigen Rücktritt aus der FIFA-Exekutive auf, was dieser strikt ablehnte.

Nun hat der UEFA-Kongress in Wien wie erwartet den Weg frei gemacht für den Wechsel von Zwanziger zu Niersbach in der FIFA-Spitze. Dabei hätte sich der 64-Jährige diesen Job gerne gespart.

"Vom Grundsatz her ist das für eine Person kaum zu machen. 30 Tage im Jahr muss ich zusätzlich für die FIFA einplanen", sagt Niersbach, der sich aber dem klaren Wunsch des DFB nicht verschließen wollte und konnte.

Diese Karriere habe er nie so geplant, betont der Rheinländer immer wieder: "Es ging immer Schritt für Schritt nach oben."

Die nächste Stufe, der Job als UEFA- oder gar FIFA-Präsidenten, ist für ihn angeblich überhaupt kein Thema. Aber Niersbachs Karriere zeigt: Unverhofft kommt oft.

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