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(FromL) FC Porto's Colombian forward  Ra
Falcao (l.) und James Rodriguez (r.) spielten gemeinsam bei Porto © Getty Images

Kein Team hat ein derartiges Händchen bei Transfers wie Bayern-Gegner Porto. Der Klub scheffelt mit Weiterverkäufen von James, Hulk und Co. Unsummen. Bemerkenswert ist der konstante sportliche Erfolg.

Tief kaufen, hoch verkaufen. Wenn es nur immer so einfach wäre.

Ob Aktien oder Goldreserven im Keller: Wer an seinen Investitionen verdienen will, sollte sich dieses Motto über den Kamin hängen. Oder einfach eine Fahne des FC Porto.

In dieser Saison machten die "Drachen" ein Transferplus von 45 Millionen Euro, davor waren es 43 und in der Saison 2012/2013 sogar 62 Millionen. In drei Jahren demnach 150 Millionen Euro Transfereinnahmen.

Scouts suchen Ersatz für Falcao & Co.

James Rodriguez, Falcao, Hulk, Pepe. Jedes Jahr verliert Porto seine besten Leute an die Top-Klubs Europas. Auch im vergangenen Sommer überwies Manchester City für Eliaquim Mangala und Fernando insgesamt 55 Millionen Euro nach Portugal.

Als Ersatz holte der Viertelfinal-Gegner des FC Bayern (Mi., ab 20.15 Uhr LIVETICKER u. Sportradio SPORT1.fm) nicht einfach andere Top-Stars, um sein Level zu halten. Sondern schickte seine weltberühmten Scouts los.

Und diese werden immer fündig. Diesmal stießen sie auf Yacine Brahimi beim FC Granada, Vincent Aboubakar beim FC Lorient und Ivan Marcano bei Rubin Kasan. Rund 13 Millionen Euro kosteten die drei Spieler.

Baia: "Die Qualitäten potenzieren"

Sie kennen diese Spieler nicht? In ein paar Jahren werden Sie sie kennen.

Spätestens dann, wenn Porto wieder einen Transferhammer bekanntgibt. Die Strategie des Klubs ist simpel: Nur ein paar Jahre nach dem Einkauf sind die Neuzugänge ein Vielfaches wert und verlassen Porto wieder.

Hugo Almeida schätzt diese Strategie. "Das zeigt, dass Porto weiß, wie man junge Spieler fördert, viele erfolgreiche Spieler kamen ja nicht nur aus dem Ausland, sondern auch von der eigenen Akademie. Sie versuchen den besten Mix zu finden, damit war Porto schon immer erfolgreich", sagt der frühere Porto-Profi im Gespräch mit SPORT1.

Auch Vitor Baia befürwortet dieses Konzept. "Man sucht Spieler aus, die am Anfang stehen und weniger bekannt sind", sagte das Torwart-Idol bereits 2013 der "FAZ". "Ihre Qualitäten zu potenzieren, sie unter die Besten der Welt zu bringen und für unkalkulierbare Werte zu verkaufen - das ist das große Geheimnis des Klubs."

38 Millionen Wertsteigerung von James

Folgen Brahimi und Co. der Regel, wird es für die zahlungskräftigsten Klubs Europas nicht billig. Der bislang größte Gewinn für Porto sprang vom dreijährigen Engagement des heutigen Real-Stars James Rodriguez in der Hafenstadt am Atlantik ab.

2011 kam er für gut sieben Millionen aus Argentinien, 2014 wurde er für 45 Millionen nach Monaco verkauft. Eine Wertsteigerung von knapp 38 Millionen in drei Jahren.

Keine No-Names

Porto kauft keine absoluten No-Names. Der Klub hat Scouts auf der ganzen Welt und lässt sich seine Investionen durchaus etwas kosten.

Das sieht man beispielsweise an Hulk, der für 19 Millionen aus Japan kam und Zenit St. Petersburg vier Jahre später schon 46 Millionen wert war.

Sprachbonus entscheidend

Oft setzt Porto auch auf den Sprachbonus. Hochtalentierte Spieler aus dem portugiesisch-sprachigen Brasilien wagen in Porto erstmals den Sprung nach Europa.

Real Madrids Abwehrrecke Pepe kam für zwei Millionen aus Sao Paolo und ging für 30 Millionen zu Real. Für seine Scoutingabteilung in Südamerika wird Porto weltweit beneidet. Danilo, der künftige Rechtsverteidiger der Königlichen, geht im Sommer 2015 einen ähnlichen Weg. Er kostet 31,5 Millionen.

Auch Afrika hat Porto stets auf dem Schirm. Angola, Mosambik, Guinea-Bissau oder Kap Verde - wegen der gemeinsamen Geschichte und Sprache mit der ehemaligen Kolonialmacht Portugal fallen die Profis aus diesen Ländern nicht unter die Beschränkungen für Nicht-EU-Ausländer.

Nach wenigen Jahren in Portos Taktik-Schule sind die Neuzugänge bereit für die Top-Klubs.

Viele Transfers - viele Erfolge

FC Porto v Braga - UEFA Europa League Final
Radamel Falcao (M.) schoss Porto 2011 zum Europa-League-Titel © Getty Images

Die Spieler kommen und gehen - nur die Erfolge bleiben. In der Liga ist man praktisch konkurrenzlos, seit 2003 gab es nur zwei andere Meister als Porto.

Im selben Jahr holte der Verein den UEFA-Cup, 2004 die Champions League (mit einem gewissen Jose Mourinho als Trainer). Seitdem schafft es Porto regelmäßig in die letzten Acht der Königsklasse. 2011 war der nächste internationale Titel fällig, auch wenn es "nur" die Europa Leauge war.

Ist Martinez der nächste?

Andere Klubs lamentieren, dass ihnen die besten Spieler von größeren Klubs weggekauft werden. "Wie auf dem Viehmarkt", nannte es Freiburgs Trainer Christian Streich. Porto richtete sein Geschäftsmodell danach aus.

Seit dem Champions-League-Sieg 2004 hat Porto neun Spieler für 30 Millionen oder mehr verkauft (siehe Diashow). Seit 2004 hat Porto über 700 Millionen (!) Euro mit Spielerverkäufen eingenommen. Ob die Milliarde bald fällt?

Der aktuelle Top-Stürmer Jackson Martinez (kam für 8,8 Millionen aus Mexiko) wird wohl im Sommer der nächste sein, der die Kasse klingeln lässt.

Billig kaufen, teuer verkaufen: Das bringt nicht immer Titel, aber viel, viel Geld.

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