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Jack Warner wurde von den US-Behörden angeklagt
Jack Warner holt seine Vergangenheit bei der FIFA ein © Getty Images

München - Die FIFA implodiert. Eine Nadel im Ballon könnte Jack Warner sein. Dass er sich selbst stellt, ist ein ganz schlechtes Zeichen für Präsident Sepp Blatter.

Jack Warners Geld ist selbst Banken auf den Cayman-Inseln zu illegal. Jack Warner hat sein Leben in Trinidad und Tobago "der Aufgabe gewidmet, das Schicksal jedes Bürgers, jedes religiösen Glaubens und jeder Hautfarbe zu verbessern". Jack Warners Söhne Daryan und Daryll haben bereits weitreichende Korruption gestanden.

Bei keinem anderen FIFA-Menschen laufen Verbrechen und Selbstverleugnung derart offensichtlich zusammen wie beim ehemaligen Präsidenten des nord- und mittelamerikanischen Verbands CONCACAF.

USA wollen Warner

Die Ereignisse am Mittwoch überraschten auch den 72-Jährigen. Wenige Stunden nach obigem sehr blumigem Statement stellte er sich den Behörden in seiner Heimat. Die USA wollen ihn ausliefern lassen. (FIFA-Beben: Der LIVE-TICKER zum Nachlesen)

Aus "Ich habe furchtlos gegen alle Formen von Ungerechtigkeit und Korruption gekämpft" und "Ich bin unschuldig" wurde binnen Stunden Angst vor einem Ruhestand im Gefängnis. (NEWS: Warner stellt sich der Polizei)

Wer den Weltverband verstehen will und das System Sepp Blatter, muss Warner verstehen. Er bildete hatte seit Blatters Wahl zum Präsidenten 1998 eine Allianz gebildet mit dem Schweizer, nach typischer FIFA-Manier: Gehorche und mach dir dafür die Taschen voll bis zum Anschlag. Deswegen muss Blatter ihn wohl am meisten fürchten als Plaudertasche vor Gericht.

10 Millionen für drei Stimmen

Vor der Abstimmung über den WM-Ausrichter 2010 soll er, damals auch im Exekutivkomitee, 10 Millionen Dollar für seine Stimme für Südafrika kassiert haben, eine Million davon ging an den heutigen Kronzeugen Chuck Blazer, auch ein drittes, ungenanntes Exko-Mitglied war beteiligt. Alles nachzulesen in der 164-seitigen Anklageschrift der US-Behörden. (BERICHT: Die Reaktionen im Überblick)

Eigentlich sollte das Geld von der südafrikanischen Regierung kommen, doch die konnte oder wollte kurzfristig nicht zahlen. Da sprang eben die FIFA selbst ein und schmierte sich gewissermaßen selbst. Zu wichtig war das erste WM-Turnier in Afrika.

An Tickets verdient

Bei der WM 2006 verkaufte er Tickets zu überzogenen Preisen weiter, soll dabei rund eine Million Dollar verdient haben. Hier hingen auch seine Söhne tief mit drin.

2010 dann tauchten nach der Wahl Katars zum WM-Gastgeber 2022 zwei Millionen Dollar auf seinem Konto auf - vom katarischen Präsidenten des asiatischen Verbands Mohamed bin Hammam. Und eben dieses Geld konnte er nicht über die Cayman-Inseln schleusen, weil sich keine moralisch genügend biegsame Bank fand.

Der entscheidende Fehler aus Warners Sicht: Stattdessen ließ er es über eine Bank in New York laufen, die Staatsanwaltschaft dort bedankte sich.

Auf den falschen Kandidaten gesetzt

Sein letztes großes Ding: Bei der letzten Präsidentenwahl 2011 hatte er sich schon mit Blatter überworfen, unterstützte dessen Konkurrenten - Mohamed bin Hammam. So sieht man sich wieder. Unter anderem mit Bündeln von je 40.000 Dollar Bargeld an Delegierte aus der Karibik. Bin Hammam scheiterte krachend, Warner war bei Blatter unten durch und flog aus der FIFA. Nach Scheinermittlungen des Ethikkomitees war die Sache für den Weltverband erledigt.

Und auch für Warner. Der fasste sein Glück in den letzten Jahren wohl selbst kaum, durfte er es sich mit all dem Geld doch gemütlich machen. Vor seiner Karriere als Fußballfunktionär war er nämlich ein schlecht bezahlter Geschichtslehrer auf Trinidad gewesen.

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