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Blatter
Joseph Blatter ist "stärker als jeder Skandal" © Getty

Joseph Blatter geht in seine fünfte Amtszeit als Präsident des Fußball-Weltverbands FIFA. Die letztlich ungefährdete Wiederwahl des Schweizers sorgt in den internationalen Medien für ein großes Echo. Die Pressestimmen im Überblick:

Italien

Gazzetta dello Sport: "Niemand kann an Blatters Gesetz rütteln. Auch inmitten einer Schlammschlacht ohne gleichen erhält der FIFA-Boss sein fünftes Mandat. Doch zwischen Skandalen und finanziellen Schwierigkeiten steht Blatter vor schwierigen Zeiten. Sepp tanzt zwar auf seiner persönlichen Titanic, kann aber trotzdem feiern. Selbst Platini wusste, dass man ihn nicht besiegen konnte. Dieser fast 80-jährige Mann ist ein Fels. Er hat zum fünften Mal ein Mandat erobert, ist aber jetzt deutlich weniger fest im Sattel als vorher."

Corriere dello Sport: "FIFA - die letzte Schande! Blatter ist wiedergewählt worden. Er hat auch dem gewaltsamsten Tsunami Stand gehalten, der zur Festnahme von sieben seiner Mitarbeiter geführt hat. Doch im Gegensatz zu den Wiederwahlen 2007 und 2011 ist Blatter nicht per Akklamation gewählt worden. Am Schluss hat er aber doch noch gewonnen, vor allem weil sein Gegner das Handtuch geworfen hatte. Prinz Ali bin Al Hussein hat den Ausgang der Abstimmung begriffen und den Delegierten weitere zwei Stunden Abstimmungen erspart."

Repubblica: "Blatter bleibt der Herr des Fußballs. Blatter ist stärker als die Untersuchungen der US-Justiz. Sepp hat es wieder geschafft, doch diesmal hält sich der Applaus in Grenzen. Man muss immer nach Geld schauen, weil dort steckt das Geheimnis von Blatters Erfolg. Mit ihm verdient jeder, früher oder später. Wenn man ihm folgt, wenn man ihn unterstützt, wenn man für ihn stimmt, wird früher oder später der richtige Moment kommen, um Events zu organisieren, die einem Land Ruhm und Glanz bescheren. Wenn man ihm nicht folgt, wenn man ihm widersteht, kommt es zu Vergeltungstaten. Jeder hat einen Schwachpunkt, man muss ihn nur suchen. Das ist Fußball, oder besser gesagt Politik. Und Politiker wie Blatter kennen die menschlichen Schwächen und wissen, diese zu ihren Gunsten zu nutzen."

Corriere della Sera: "König Sonne hat gewonnen, doch Joseph V. bleibt unter Beschuss. Um die Kräfteverhältnisse zwischen Blatter mit seinem afroasiatischen Heer unter russischer Regie und der euro-amerikanischen Opposition zu erfahren, wird man auf die Entwicklungen der FBI-Untersuchung warten müssen. Blatter hat zwar die Wiederwahl geschafft, ist aber nicht mehr so fest im Sattel wie bisher."

La Stampa: "Blatter ist stärker als jeder Skandal. Die FIFA hat vor dem Wechsel Angst und setzt trotz allem auf Altvertrautes. Prinz Ali bin Al Hussein verzichtet auf den zweiten Wahlgang. Er setzt somit einem Abenteuer ein Ende, das auch nach dem Tornado der Festnahmen keinerlei Erfolgschancen hatte."

Frankreich

L'Equipe: "Blatter verlängert sein Glück. Frankreichs Verbandspräsident Le Graet hat für ihn gestimmt. Trotz der Affären, trotz seines Alters und trotz der nicht gehaltenen Versprechen wurde der Präsident wieder gewählt. Damit ist die FIFA bereit, ihr Image nicht zu verbessern."

Le Monde: "Der Fußball hat verloren. Blatter beklagt eine Hasskampagne der UEFA."

Le Figaro: "Blatter klagt über den Hass der UEFA."

Le Parisien: "Trotz des Skandals - Blatter wiedergewählt. Weder der Tsunami der Medien noch die persönlichen Attacken durch Platini haben Blatter erreicht."

Ouest France: "Blatter im Chaos wiedergewählt, als ein weltweiter Skandal den Planeten erschütterte. Trotz allen Drucks, der auf ihm lastete. 'Das Boot schwankt nicht.'"

Courrier de l'Ouest: "Trotz Korruptions-Skandals wiedergewählt. Blatter triumphiert mitten im Chaos. Der Fußball hat verloren."

Spanien

Marca: "Es ändert sich nichts bei der FIFA. Es bleibt alles beim Alten. Jetzt reicht's, Mensch! Blatter muss endlich ausquartiert werden! Es hat sich wieder mal gezeigt, dass die FIFA in einer Seifenblase lebt! In anderen Sportarten wird bei Korruptionsvorwürfen recht schnell gehandelt, hier zieht sich alles hin. Blatter wird wiedergewählt als sei praktisch Nichts geschehen. Sollten die WM- Ausrichterländer neu gewählt werden, dann tut es auch wirklich!"

AS: "Blatter muss seinen Titel vor dem FBI verteidigen. Blatter will das Image der FIFA wiederherstellen, aber das Schlimmste steht noch bevor. Es ist ein Ambiente von Korrupten. Der Korruptionsschatten hängt jetzt auch über der WM 2002, als Spanien auf skandalöse Weise mit unerklärlichen Entscheidungen des ag ptischen Schiedsrichters Al-Ghandour gegen Südkorea im Viertelfinale rausflog."

Sport: "Blatters Zynismus bricht alle Rekorde. Nein, wir sind nicht blöd. Diese Typen, dieser Präsident und ein grosser Teil seiner Kollegen wollen uns darüber Lektionen erteilen, wie man die Dinge im Leben machen muss. Einfach beschämend was da abgeht! Wir haben schon mehr als einen Staatspräsidenten in so einer ähnlichen Situation gesehen, der am Ende gehen musste. Blatter sitzt weiterhin auf seinem hohen Ross!"

El Pais: "Die Frage ist, ob Blatter seit 1998 der Chef einer mafiösen Maschinerie mit weißem Kragen ist, die Milliarden von Euros bewegt, oder ein verwirrter Opa mit 79 Jahren, der nicht mitbekommt, was die Korrupten um ihn herum machen. Kann man wirklich glauben, Blatter sei unschuldig nach den Delikten seiner nahestehenden Vertrauensleute? Nach seiner Wiederwahl hat Blatter keine leichten Aufgaben. Es sind die kritischsten Momente in der Geschichte der FIFA."

El Mundo: "Joseph Blatter bleibt bis 2019 FIFA-Präsident, und es kitzelt ihn nicht. Die FIFA ist eine Organisation der Versprechungen und nicht der Programme. Denjenigen, der auf Blatters Sonnenseite war, interessiert es nicht, etwas zu verändern. Beschämend, was da passiert. Eine Wahl, die sich über Stunden hinzog. Bei der FIFA gibt es nunmal nichts umsonst, und keiner weiss es besser als Blatter."

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