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Sepp Blatter ist seit 1998 FIFA-Präsident
Sepp Blatter ist seit 1998 FIFA-Präsident © Getty Images

Der Fußball-Weltverband FIFA bleibt auch in der Menschenrechts-Frage unter Druck.

Einen Tag vor der geplanten Wahl des FIFA-Präsidenten in Zürich hat die Menschenrechtsschutz-Organisation Human Rights Watch (HRW) mit Blick besonders auf die Situation in Katar sieben Jahre vor der WM-Endrunde in dem Emirat vom nächsten FIFA-Boss die Anerkennung der Menschenrechte durch künftige WM-Gastgeber als Voraussetzung für die Ausrichtung des Turniers gefordert.

"Wenn Länder sich als Gastgeber für eine WM-Endrunde bewerben", sagte HRW-Direktorin Minky Warden einen Tag nach den Verhaftungen mehrerer FIFA-Spitzenfunktionäre in Zürich, "dann sollte man von ihnen erwarten, dass sie sich an Regeln halten. Statt eine Doppelmoral zu pflegen und in WM-Gastgeberländer Misshandlungen und Diskriminierungen zu erlauben, muss die FIFA ihre ungeheuere Macht nutzen, um die Verletzung von Menschenrechten im Namen des Sports zu beenden.

Die Festnahmen von Zürich sollten nach Ansicht der US-Amerikanerin außer in der Integritätsfrage auch für den Schutz der Menschenrechte in den Ländern der beiden nächsten WM-Gastgeber Russland (2018) und Katar (2022) durch die FIFA einen Wendepunkt darstellen.

"Die Verhaftungen haben das unverantwortliche FIFA-System bloßgestellt, aber es sollte auch eine neuerliche Überprüfung der Lebensumstände und Arbeitsbedingungen für ein Heer von eingewanderten Arbeitern beim Bau riesiger Projekte für die WM stattfinden", sagte Warden.

HRW und mehrere andere Menschenrechts- und Arbeiterschutzorganisationen verlangen seit Jahren von der FIFA vor allem wegen der Lage in Katar eine Intervention.

Auf mehreren WM-Baustellen in dem Emirat, in dem das Kafala-System aus dem Ausland stammende Arbeiter weitgehend entrechtet, sind bereits mehrere Hundert ausländische Arbeiter aufgrund unwürdiger Lebens- und Arbeitsbedingungen ums Leben gekommen.

"Wenn der nächste FIFA-Präsident es nicht schafft, die Achtung der Menschenrechte im Anforderungskatalog für WM-Bewerbungen festzuschreiben, wird es mit Sicherheit weitere Misshandlungen geben", sagte Warden weiter: "Wir alle lieben die WM-Turniere, aber niemand möchte in einem Stadion sitzen, das von ausgebeuteten, betrogenen und misshandelten Arbeitern gebaut wurde oder schlimmer noch Menschenleben gekostet hat."

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