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München - Carlos Zambrano fliegt bei der Copa America vom Platz und liefert Argumente für seine Kritiker. Die Statistiken und Frankfurt-Boss Bruchhagen sprechen aber für ihn.

Fassungslos starrte Carlos Zambrano auf die ausgestreckte Hand des Schiedsrichters.

Rote Karte. Platzverweis. Nach 20 Minuten. Früh brachte der Peruaner in Diensten der Frankfurter Eintracht seine Farben auf die Verliererstraße. Am Ende zog Gastgeber Chile durch einen 2:1-Erfolg ins Finale der Copa America ein. Der Buhmann: Carlos Zambrano. Mal wieder.

Zambrano: "Es reicht"

"Ja, natürlich bin ich jetzt wieder der Bösewicht. Ich bin der Erste, der akzeptiert, dass ich meinem Land geschadet habe. Aber es reicht! So ist Fußball", äußerte sich Zambrano via Instagram.

Der Innenverteidiger schwang bei einem Befreiungsschlag sein Schussbein durch und traf Gegenspieler Charles Aranguiz im Rücken.

Zugeben: Man hätte diese Aktion auch geschickter lösen können, aber Absicht kann man Zambrano kaum unterstellen.

Schlechter Ruf eilt voraus

Seine Kritiker werden sich dennoch bestätigt fühlen. Immer wieder sieht sich der 25-Jährige heftigen Vorwürfen hinsichtlich seiner Spielweise ausgesetzt.

"Ich sehe viel Absicht, dem Gegenspieler weh zu tun", wütete der selber nicht für seine Zimperlichkeit bekannte ehemalige Nationalspieler Stefan Effenberg im September letzten Jahres als TV-Experte.

Zuvor hatte Zambrano Gegenspieler Shinji Okazaki über 90 Minuten mit allen Mitteln bearbeitet. Erst zog sich der Japaner nach einem Ellenbogentreffer eine Platzwunde am Auge zu, wenig später trat Zambrano ihm aufs rechte Bein. Bei einer weiteren Aktion trat der Peruaner den Mainzer, der gerade zu Leicester City gewechselt ist, von hinten zwischen die Beine.

Nur ein Platzverweis

"Ich wollte ihm nicht weh tun", verteidigte sich Zambrano. Und auch sein damaliger Trainer Armin Veh, der in dieser Saison zur Eintracht zurückkehrt, nahm in Schutz. "Wie mit Carlos umgegangen wird, ist nicht mehr witzig. Er muss seine Mätzchen rausbekommen, aber das Verhältnis stimmt nicht mehr", ärgerte sich der Eintracht-Coach.

Eintracht Frankfurt v VfB Stuttgart - Bundesliga
Das Duell zwischen Shinji Okazaki (vorne) und Carlos Zambrano sorgte für viele Diskussionen © Getty Images

In der Tat spielt der Peruaner hart und immer an der Grenze des Erlaubten - und teilweise auch darüber hinaus. Zahlreiche gelbe Karten pflastern seinen Weg in der Liga. Die Gegenspieler haben es mittlerweile aber auch zum Hobby gemacht, den Heißsporn zu provozieren. Auch in der vergangenen Saison zählte Zambrano wieder zu den meistgefoulten Spielern der Liga.

Dennoch: Seine Nerven hat er meist im Griff. Nur ein Platzverweis in fünf Jahren Bundesliga (u.a. auch für Schalke und St. Pauli) sprechen eine deutliche Sprache. Einfach nur Glück, oder auch ein Stück weit Cleverness?

Bruchhagen: "Wir schätzen ihn"

Bei seinem derzeitigen Arbeitgeber stellt sich diese Frage nicht. "Wir befinden uns derzeit in einem Schwebezustand was seine Zukunft betrifft. Aber die Tatsache, dass wir uns sehr um ihn bemühen zeigt natürlich, dass wir ihn in der Gesamtbetrachtung sehr schätzen. Sonst würden wir nicht versuchen mit ihm zu verlängern", erklärt Vorstandsboss Heribert Bruchhagen im Gespräch mit SPORT1.

Zambranos Vertrag bei den Hessen läuft aus, eine Verlängerung über vier Jahre soll aber kurz bevor stehen. Die Bundesliga darf sich auf weitere interessante Duelle freuen.

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