vergrößernverkleinern
Ahmad Al-Fahad Al-Sabah (l.) gilt als möglicher Nachfolger von FIFA-Präsident Sepp Blatter

Sepp Blatter und Thomas Bach haben ihm ihre Ämter bei der FIFA und dem IOC zu verdanken - bald könnte Ahmad Al-Fahad Al-Sabah selbst an der Spitze stehen.

Der Mann heißt Ahmad Al-Fahad Al-Sabah und ist nach Sepp Blatters Rücktritt einer der aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des FIFA-Präsidenten.

In den oberen Etagen der Sportpolitik dieser Welt ist er aber vielerorts nur als "der Scheich" bekannt.

Denn auf und rund um die Führungsebene der FIFA oder auch des IOC gibt es zwar einige Scheichs, aber nur einen, der derart geschickt Macht aufgebaut hat - und nutzt.

Brasiliens Legende Zico und auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach mögen sich schon zur Zukunft der FIFA positioniert haben - größte Chancen auf das bedeutsamste Amt im internationalen Fußball hat allerdings Al-Fahad Al-Sabah.

Macht geben, Macht erlangen

Der 51-Jährige aus Kuwait ist Präsident des Olympic Council of Asia (OCA), gleiches Amt trägt er bei der Association of National Olympic Committees. Zum Exekutiv-Komitee der FIFA gehört er seit den Wahlen im April 2015.

67th Meeting of ANOC Executive Committee - Day 4
Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah begrüßt bei der Einweihung des neuen ANOC-Hauptquartiers am 8. Juni einen Gast. © Getty Images

Normalerweise lassen sich bei Personen von Al-Fahad Al-Sabahs Größenordnung immer Menschen finden, die über ihn sprechen können. Aber bei ihm ist das anders.

Nahost- und Sportpolitik-Experten der deutschen Universitäten, Transparency International - überall weiß man, dass es ihn gibt. Wirklich greifbar ist Al-Fahad Al-Sabah im Westen allerdings nicht.

Seine Gabe ist es, das wird auf Spurensuche schnell klar, sein Netzwerk derart zu nutzen, um anderen mehr Macht zu geben - und seine eigene Macht dabei ebenfalls wachsen zu lassen.

Der Vater starb im Golfkrieg

Als Major der kuwaitischen Spezialeinheiten sammelte er zwischen 1985 und 1990 Orden, unter anderem zeichnete ihn die USA für seine Tapferkeit aus.

15th Asian Games Doha 2006 - Opening Ceremony
Asien-Spiele 2006 in Doha: Ahmad Al-Fahad Al-Sabah (links) hält die Eröffnungsrede © Getty Images

Al-Fahad Al-Sabah, dessen Vater im ersten Golfkrieg 1990 starb, lernte Tod und Trauer kennen, und ebenso: Entscheidungen zu treffen, auch und gerade unter Druck und in Krisen.

Unmittelbar danach betrat er die politische Bühne: Als Präsident der Kuwait Football Association (ab 1990), als Präsident des Kuwait National Olympic Committee (1991 bis 2001) und als Präsident des OCA.

Mit dem Öl wächst der Einfluss

Im Jahr 2000 wurde Al-Fahad Al-Sabah Kuwaits Propagandaminister. Ein Jahr später wurde er Öl-Minister und verzweigte seine Verbindungen noch tiefer in die Wirtschaft und über die Landesgrenzen hinaus. Von 2003 bis 2005 war er Vorstandsvorsitzender der OPEC, der Organization of the Petroleum Exporting Countries.

Öl, Fußball, Olympia: Al-Fahad Al-Sabahs Reichtum wuchs genauso wie seine Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen.

An Universitäten in China, Korea und den USA erhielt er Ehrendoktortitel. Er scheiterte einzig als Trainer der Fußball-Nationalmannschaft Kuwaits.

Prägend - ja, prominent - nein

Heute ist Al-Fahad Al-Sabah eine der prägenden Figuren des Sports dieser Welt, prominent ist er, gerade in Europa, immer noch kaum. Auch wenn er sich gerne mondän, ohne Kopftuch und mit langen Locken zeigt.

ANOC Commission
Ahmad Al-Fahad Al-Sabah mit Thomas Bach, dem deutschen IOC-Präsidenten © Getty Images

Thomas Bach hat er vor der Präsidentenwahl des IOC den notwendigen Rückhalt verschafft, die Stimmen gerade in Afrika und Asien kontrolliert. Er gilt als durchaus fähiger Redner, meisterlich ist er darin, Menschen zu überzeugen.

Es besteht zumindest der Verdacht, dass er das nicht ausschließlich mit Worten tut.

Ali bin al-Hussein, Blatters Gegenkandidat bei der Präsidentschaftswahl der FIFA, war in Asien auch deshalb chancenlos, weil Al-Fahad Al Sabah sein Netzwerk auf Blatter trimmte.

Der Scheich steht Blatter nahe

Genau wie Blatter steht er auch im Ruf, selbst größte Entscheidungen nicht immer zum Wohle der Sache, sondern der Machterhaltung und des Profits wegen zu treffen.

Wenn bei einem außerordentlichen Kongress der FIFA nun wahrscheinlich Ende 2015 ein neuer Präsident gewählt wird, ist davon auszugehen, dass Al-Fahad Al-Sabah zuvor viele Gespräche führen und seine Puppen spielen lassen wird.

So gut seine Chancen auf das Amt allerdings stehen, so fragwürdig wäre die Außenwirkung eines FIFA-Präsidenten Ahmad Al-Fahad Al-Sabah.

Denn er steht Sepp Blatter nicht nur als Vertrauter nahe, sondern eben auch was Führungsstil und Geschäftsgebaren betrifft.

Der Reformator, den die FIFA so nötig hätte, ist er nicht.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel