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Dunkle Wolken über dem Logo der FIFA
Die FIFA wurde 1904 gegründet © Getty Images

Der Fußball-Weltverband FIFA wird seit einer Woche vom größten Skandal seiner 111-jährigen Geschichte erschüttert. Präsident Joseph S. Blatter kündigte am Dienstag seinen Rücktritt an.

Hauptverantwortlich für die Krise sind die voneinander unabhängigen Ermittlungen der US- sowie der Schweizer Behörden. Eine Übersicht:

Schweizer Bundesanwaltschaft

Die Eidgenossen ermitteln wegen "Unregelmäßigkeiten" bei den WM-Vergaben nach Russland (2018) und Katar (2022) gegen Unbekannt.

Diese Untersuchung hatte die FIFA mit einer am 18. November 2014 gestellten Strafanzeige selbst in Gang gesetzt, ist also die Geschädigte. Am 10. März 2015 wurde ein Strafverfahren eröffnet. Am vergangenen Mittwoch waren die Ermittler im FIFA-Hauptquartier auf dem Zürichberg und sammelten Daten und Dokumente ein.

Zudem wurden bereits sieben der noch immer aktiven Exekutivkomitee-Mitglieder befragt (nicht verhört), die schon bei der Vergabe 2010 in der Regierung des Weltfußballs gesessen haben. Blatter gehörte wie auch FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke und UEFA-Präsident Michel Platini als Schweizer Bürger nicht dazu.

Nach Blatters Rücktrittsankündigung betonte die Schweizer Bundesanwaltschaft: Blatter ist "kein Beschuldigter". Bei ihren Ermittlungen stehen die Schweizer in engem Austausch mit den US-Behörden.

US-Behörden

Die US-Amerikaner (Bundesbehörde FBI und Staatsanwaltschaft New York Ost) ermitteln wegen Geldwäsche, der Annahme von Bestechungsgeldern und Bildung krimineller Organisationen sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten gegen FIFA-Funktionäre und gegen direkt mit dem Fußball beteiligte Personen.

In der veröffentlichten Anklageschrift werden 14 Personen schwer belastet.

Sieben hochrangige FIFA-Funktionäre waren in der vergangenen Mittwoch per Amtshilfegesuch von der Schweizer Polizei in Zürich festgenommen worden und sitzen in Auslieferungshaft.

Die prominentesten Namen: Die ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und Eduardo Li (Costa Rica), die in der Schweiz in der Zelle sitzen, und der frühere FIFA-Vize Jack Warner (Trinidad und Tobago), der in seiner Heimat nach einer Nacht in der Zelle gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde.

Protagonisten der US-Ermittlungen sind die neue US-Justizministerin Loretta Lynch, die jahrelang selbst die Untersuchung leitete, ihr Nachfolger Oberstaatsanwalt Kelly Currie, FBI-Boss James Comey - und "Whistleblower" Chuck Blazer, der früher im FIFA-Exko saß und jetzt, um selber nicht ins Gefängnis zu müssen, alles auspackt.

Noch steht weder Joseph S. Blatter noch FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke auf einer offiziellen Liste der Beschuldigten.

Die große Frage ist nun, welcher der Angeklagten belastendes Material besitzt und den US-Ermittlern auch preisgibt.

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