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FIFA
Die FIFA hat mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen © Getty Images

Der frühere FIFA-Chefreformer Mark Pieth (Schweiz) hofft in der Debatte über Reformen beim Fußball-Weltverband auf die Einführung von Organisationsformen wie bei einem Wirtschaftsunternehmen.

"Es wäre eine Struktur vergleichbar mit einem Unternehmen notwendig - auf der einen Seite mit einem Aufsichts- oder Verwaltungsrat und auf der anderen Seite mit einem echten Management, das die Geschäfte führt", sagte der Strafrechts-Professor von der Universität Basel am Mittwoch in einem Interview mit der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Pieth, der bis Ende 2013 im FIFA-Auftrag mehrere Reformpläne entwickelt hatte und danach zurückgetreten war, hält nach der Rückzugs-Ankündigung von FIFA-Boss Joseph S. Blatter (Schweiz) einen Übergangspräsidenten für die beste Lösung an der Verbandsspitze: "Ich würde begrüßen, wenn es jemanden gäbe, der sagt, nicht länger als zwei Jahre bleiben und in dieser Zeit Reformen durchführen zu wollen."

Zur Verhinderung künftiger Korruptionsfälle tritt Pieth weiterhin für die Beschränkung von Kompetenzen und Amtszeiten ein: "Man muss die Macht des Präsidenten und auch des Exekutivkomitees beschneiden. Außerdem sollte der Präsident nur zwei Mandate erhalten können."

Darüber hinaus plädierte der 62-Jährige für eine Überprüfung des FIFA-Prinzips "Ein Land - eine Stimme".

Nach Pieths Ansicht würde die Annahme seiner Vorschläge erhebliche Schwächen in der Führung und Steuerung der FIFA nachhaltig korrigieren können.

"Die FIFA hat eine quasi-diktatorische Führung, eine ultra-präsidiale ohne ausreichend Gegengewichte. Alle Leute sind zu sehr auf den Präsidenten fokussiert. Das war schon unter dem Präsidenten Joao Havelange so und noch mehr unter Blatter."

Ein wichtiges Element der künftigen FIFA-Struktur sollte aus Pieths Sicht eine Integritätsprüfung potenzieller Mandatsträger durch den Weltverband selbst und nicht mehr wie derzeit durch die jeweiligen Kontinentalverbände sein.

"Das bringt keine Garantie, ließe aber mögliche Probleme vorausahnen", äußerte der Jurist.

Im Umgang mit den Bestechungsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe der WM-Endrunden 2018 an Russland und 2022 an Katar monierte Pieth den geringen Stellenwert von möglichen Belastungszeugen.

"Ich verstehe nicht, warum man den Behauptungen einer Frau aus Katars Bewerbungskomitee, dass drei Mitglieder der Exekutive Geld für ihre Stimme für Katar angenommen hätten, nicht mehr Vertrauen entgegengebracht hat."

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