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Sylvia Schenk
Sylvia Schenk wünscht sich, dass alles "auf den Tisch gelegt" wird © Getty Images

Aufgrund wiederholter Andeutungen von angeblichen Unregelmäßigkeiten bei der WM-Vergabe 2006 rät die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu vollkommener Offenheit.

Die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency International reagierte damit auf die abermalige Zurückweisung entsprechender Verdächtigungen im Offenen Brief von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

"Um das zu beenden, würde ich alles auf den Tisch legen. Wenn dazu vertrauliche Unterlagen zählen, könnte man auch eine unabhängige Untersuchungskommission mit der Überprüfung der damaligen Vorgänge betrauen.

Auf jeden Fall ginge davon das Signal aus, dass man nichts zu verbergen hat", sagte Schenk.

Zuvor hatte Niersbach am vergangenen Mittwoch in seinem Positionspapier zur FIFA-Krise die Bewerbung ausdrücklich vor unterstellten Manipulationen verwahrt.

"Es ist traurig zu sehen, wie Gier und fehlende Moral einiger Weniger den gesamten Fußball unter einen Generalverdacht stellen, bis hin zu unserem wunderbaren 'Sommermärchen', für das sich so viele Menschen mit großem Idealismus eingesetzt haben. Wir haben bei unserer Bewerbung nicht mit unlauteren Methoden agiert, vielmehr bekam Deutschland nach acht Jahren akribischer Arbeit 2000 in einem sauberen Verfahren den Zuschlag", schrieb Niersbach.

Aus Schenks Sicht jedoch ist eine Aufarbeitung der Vergabe der WM vor neun Jahren geboten.

"Wenn Anhaltspunkte gegeben sind, kann man nicht nur von einem Generalverdacht sprechen. Wenn unmittelbar vor der entscheidenden Abstimmung ein stimmberechtigtes Mitglied scheinbar einfach so aus dem Raum geht und die Abstimmung danach mit einer Stimme Unterschied ausgeht, ist das mehr als ein Generalverdacht und kann gesundes Misstrauen durchaus angebracht sein", meinte die 63-Jährige.

Vor 15 Jahren hatte der DFB den Zuschlag für 2006 durch einen 12: 11-Erfolg bei der Abstimmung im Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA erhalten.

Kurz danach schon war bekannt geworden, dass der mit einem Votum für den DFB-Rivalen Südafrika beauftragte Ozeanien-Vertreter Jack Dempsey (Neuseeland) den Saal vor der Wahl aus unbekannten Gründen verlassen hatte.

Darüber hinaus ranken sich auch aufgrund verschiedener Millionen-Deals sowohl privatwirtschaftlicher Unternehmen aus Deutschland als auch der Bundesregierung mit Heimatländern von damaligen Mitgliedern der FIFA-Exekutive Spekulationen um Geschäfte auf Gegenseitigkeit.

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