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FIFA-Boss Joseph S. Blatter bemüht sich im Machtkampf beim Weltverband nach dem Korruptionsskandal weiter um eine Stigmatisierung seiner Gegner aus Europa als machtgierig.

Vor der anstehenden Terminierung des außerordentlichen FIFA-Kongresses bei der Sitzung der Exekutive am 20. Juli in Zürich "gibt es in europäischen Kreisen nur ein Thema: die Wahl des Präsidenten", schrieb Blatter im Internetmagazin FIFA weekly in seiner "Präsidenten-Nachricht".

Zugleich suggerierte der 79-Jährige, dass bei den Verbänden vom Alten Kontinent weitgehendes Desinteresse an Reformen bei der FIFA bestehen würde: "Die Besetzung des Präsidenten-Büros ist nur eine Nebensache, auch wenn das Thema im Rampenlicht steht."

Umso mehr präsentierte sich der Schweizer selbst als Antreiber der für notwendig erachteten Veränderungen bei der FIFA: "Ich hoffe, dass sich der Kongress davon nicht blenden lässt, weil nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft der FIFA auf dem Spiel steht. Die Reformen, die wir bisher noch nicht verabschieden konnten, sind tatsächlich wichtiger."

Konsequenterweise äußerte sich der angezählte FIFA-Boss anders als in den vergangenen Tagen nicht erneut zu den Spekulationen über seine persönlichen Pläne.

Zuletzt hatte der Walliser durch nebulöse Aussagen immer wieder Platz für Vermutungen geschaffen, dass die Anfang Juni in seiner Erklärung angekündigte Niederlegung seines Mandats trotz der Ansetzung des Wahl-Kongresses nicht wie allgemein angenommen auch seinen endgültigen Abgang als FIFA-Präsident bedeuten könnte.

"Mein Entschluss wurde falsch verstanden", hatte Blatter erst am Donnerstag in einem Interview sibyllinisch erklärt und gleichzeitig dem Europa-Verband UEFA und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wegen fehlender Ethik-Kommissionen "unerträgliche Heuchelei" vorgeworfen.

Seine abermaligen Attacke auf die Europäer lässt mithin eine kühne Strategie des FIFA-Chefs zunehmend realistischer erscheinen: Gelingt Blatter, Europa gegen die als Sicherung seiner Macht geltenden Kontinentalverbände aus Afrika und Asien auszuspielen, könnte eine Mehrheit beim Kongress letztlich für eine Fortsetzung seiner Amtszeit stimmen.

Szenarien, in denen ein Präsident Blatter auch künftig an der Spitze stehen könnte, hat der Verbandschef jüngst auch ausdrücklich nicht kategorisch ausgeschlossen.

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