vergrößernverkleinern
Matthias Ginter
Matthias Ginter erzielte gegen den FC Ingolstadt sein erstes Bundesliga-Tor für Borussia Dortmund © Getty Images

Dortmund - Matthias Ginter wurde von seinen Kritikern schon als Fehleinkauf abgestempelt. Vor dem Europa-League-Rückspiel gegen Odds BK besticht der Weltmeister durch seine Vielseitigkeit.

"Du bist entlassen", sagte Dortmunds Pressesprecher zu Matthias Ginter, nachdem der Weltmeister vor dem Playoff-Rückspiel der UEFA Europa League gegen Odds BK (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) den Journalisten am Mittwoch Rede und Antwort gestanden hatte.

Ginter musste ob der Aussage kurz schmunzeln, bedankte und verabschiedete sich höflich, ehe er den Platz auf dem Podium für seinen Trainer räumte.

Sportlich ist der 21-Jährige beim BVB noch lange nicht entlassen, sein Fünfjahresvertrag läuft ohnehin noch bis 2019.

Ginter hat in diesen Tagen alle Kritiker und Grantler Lügen gestraft, die den vor der vergangenen Saison für zehn Millionen Euro vom SC Freiburg verpflichteten Defensivspieler nach einem holprigen ersten Jahr in Dortmund schon als Fehleinkauf abgestempelt hatten.

Absagen für Gladbach und Stuttgart

Seine ernüchternden ersten Monate in Schwarzgelb im Schnelldurchlauf: Bei seinem Debüt gegen Leverkusen mit dem BVB nach neun Sekunden das schnellste Gegentor der Ligageschichte kassiert, in der Rückrunde nach einer Zerrung zur Reserve in die 3. Liga geschickt, bei 16 Einsätzen in der Liga über die Rolle des Bankdrückers nie hinausgekommen.

Von vorzeitiger Entlassung war deshalb im Sommer schon die Rede. Borussia Mönchengladbach meldete sein Interesse an dem Defensiv-Allrounder an, zuletzt auch der VfB Stuttgart.

Doch die Konkurrenz handelte sich Absagen von der Sportlichen Leitung des BVB ein. Die klare Botschaft: Ginter bleibt.

Entlassen? Nix da. "Er ist noch so jung und hat großes Potenzial. Ich glaube, dass er seinen Weg gehen wird, wenn man ihm die Zeit gibt", hatte SPORT1-Experte Thomas Berthold bereits im März prophezeit.

SPORT1-Spieler des Spieltags

Fünf Monate später steht Ginter auf dem Platz mehr denn je in der Pflicht. Tuchel hat den 1,90 Meter großen technisch versierten und kopfballstarken Schlacks ein Stück weit neu erfunden. Dabei war die Renaissance des Youngsters ein bisschen aus der Not geboren.

Nachdem Gonzalo Castro bei Odds BK in der ersten Halbzeit als Rechtsverteidiger einen Offenbarungseid geleistet hatte, rückte der Innenverteidiger Ginter nach rechts auf die Außenbahn.

Und er machte seine Sache bei seinem ersten Einsatz auf der rechten Defensivseite gut. So gut, dass Dortmunds Nummer 28 dort auch gegen den FC Ingolstadt auflief. Und nach anfänglichen Unsicherheiten prima ins Spiel fand, in seiner 85. Bundesligapartie sogar seine Torpremiere im BVB-Trikot feierte und auch noch das 4:0 vorbereitete.

Bei SPORT1 avancierte er mit seiner Leistung zum Spieler des Spieltags.

Umstellung fiel nicht schwer

Die Umstellung fiel dem Defensivspezialisten, der bislang in der Innenverteidigung oder auf der Sechs zum Einsatz gekommen war, nach eigenem Bekunden nicht allzu schwer.

"Vom Athletischen und Läuferischen sind es nicht so die weiten Strecken wie als Sechser, aber auch nicht die kurzen, schnellen Sachen wie als Innenverteidiger. Vom Spielerischen her ist es ähnlich wie als Innenverteidiger: man hat das ganze Spiel vor sich", beschrieb Ginter am Mittwoch auf SPORT1-Nachfrage die komplexen Anforderungen.

Gegen den Odds Ballklubb wird er am Abend erneut die Chance bekommen, sich hinten rechts zu beweisen. Lukasz Piszczek als Stammkraft auf dieser Position kehrte nach einer Zwangspause wegen erneuter Hüftbeschwerden erst am Mittwoch ins Mannschaftstraining zurück. Erik Durm befindet sich mit Knieproblemen zurzeit noch in Donaustauf.

Und Castro hat sich vermutlich ein für allemal für die von ihm ungeliebte Position disqualifiziert. Bleibt noch Kevin Großkreutz als Option, der momentan allerdings noch gar keine Rolle in Tuchels Planungen spielt.

Ginter: "Ich fühle mich wohl auf der Position"

In der Innenverteidigung und als Sechser dürfte Ginter angesichts namhafter Konkurrenz so schnell wohl nicht ins erste Glied rücken. Ob das Ausweichen vom Zentrum auf den Flügel eine dauerhafte Lösung sein kann?

"Wenn die beiden Rechtsverteidiger zurückkommen, wird man sehen wie es weitergeht - das muss dann der Trainer entscheiden", sagt Ginter gewohnt zurückhaltend.

Um dann noch hinzuzufügen: "Wie gesagt: Ich fühle mich wohl auf der Position und würde sie im Grunde gerne öfters spielen."

Das darf im Ginterschen Stil ausgeprägter Bescheidenheit schon fast als Kampfansage verstanden werden.

Tuchel lobt Vierfach-Ginter

Da Piszczek in der Vergangenheit spielerisch wie gesundheitlich nicht der Stabilste war, stehen Ginters Chancen für sein Ansinnen gar nicht so schlecht. Letztlich ist die Flexibilität seine große Stärke.

"Er ist in der Lage Innenverteidiger auf beiden Positionen zu spielen, er kann auf der Sechs vor der Abwehr und jetzt auch Rechtsverteidiger spielen", lobt Tuchel den Vierfach-Ginter.

Damit passt der abseits des Platzes wenig extrovertierte Profi genau in das vielseitige Profil, das sich der neue BVB-Coach von seinen Akteuren wünscht.

Der Perspektivspieler Ginter hat wieder eine Perspektive.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel