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Die FIFA-Zentrale in Zürich
Die Schweizer Justiz will bis September über die Auslieferungsanträge der inhaftierten FIFA-Funktionäre entscheiden © Getty Images

Für September ist im Korruptionsskandal beim Fußball-Weltverband mit Entscheidungen der Schweizer Justiz über die US-Auslieferungsanträge für alle sechs inhaftierten FIFA-Funktionäre zu rechnen. Das teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz (BJ) am Montag auf Anfrage mit.

Im Fall von Nicaraguas Ex-Verbandschef Julio Rocha, für den neben dem US-Ersuchen auch ein Auslieferungsantrag aus seinem Heimatland vorliegt, könnte laut BJ das multilaterale Verfahren sogar schon bis Ende August abgeschlossen sein.

"In Sachen Julio Rocha warten wir auf eine Antwort aus den USA, ob der Auslieferung Rochas nach Nicaragua zugestimmt wird", beschrieb BJ-Sprecher Folco Galli die seit gut zwei Wochen unveränderte Situation um den 64-Jährigen.

Es gebe für die Reaktion der USA keine gesetzlich vorgeschriebene Frist, doch erscheine ein Abschluss gegen Monatsende nicht ausgeschlossen.

US-Justiz muss Rochas Auslieferung zustimmen

Nachdem Rocha der Überstellung an die Justiz seines Heimatlandes zugestimmt und die Schweizer Behörde daraufhin ihr Einverständnis für eine sogenannte vereinfachte Auslieferung signalisiert hatte, müsste die US-Justiz ebenfalls noch einwilligen.

Sollten die USA jedoch ihrerseits auf eine Auslieferung des Funktionärs beharren, müssen die Schweizer zwischen den Anträgen der USA und Nicaraguas entscheiden. Eine bedeutende Rolle kann neben anderen Kriterien spielen, dass die Schweiz mit den USA im Gegensatz zu Nicaragua ein Auslieferungsabkommen unterzeichnet hat.

Rocha und die fünf übrigen in Auslieferungshaft sitzenden FIFA-Funktionäre waren Ende Mai auf Antrag der US-Behörden von der Schweizer Polizei in Zürich kurz vor dem FIFA-Kongress festgenommen worden.

Webb auf Kaution frei

Der ebenfalls verhaftete Ex-FIFA-Vize Jeffrey Webb (Kaimaninseln) ist inzwischen an die USA ausgeliefert worden und befindet sich derzeit gegen einen Kaution von umgerechnet neun Millionen Euro auf freiem Fuß.

Insgesamt hat die US-Staatsanwalt außer gegen die sieben in der Schweiz festgenommenen Funktionäre gegen zwei weitere Fußball-Amtsträger und fünf Vermarktungsmanager Anklage wegen Betrugs, Bestechung, Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Verschwörung erhoben. Die zur Verhandlung stehenden Vorwürfe umfassen ein Volumen von über 100 Millionen Dollar.

Nach der Auslieferung von Webb, der in Personalunion auch Chef des Kontinentalverbandes CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik) war, sitzen neben Rocha seit Ende Mai auch der damalige FIFA-Vizepräsident Eugenio Figueredo (Uruguay), Costas Ricas Verbandschef Eduardo Li, der britische Ex-CONCACAF-Attache Costas Takkas, Venezuelas Verbandsboss Rafael Esquivel und Brasiliens früherer Verbandspräsidenten Jose Maria Marin in Schweizer Haft.

Laut Galli sind in ihren Auslieferungsverfahren alle notwendigen Vorgänge wie der Begründungsantrag sowie Anhörungen und Abgaben von anwaltlicher Stellungnahmen abgeschlossen.

Anders als Webb lehnen Rocha und seine fünf Funktionärskollegen eine Auslieferung in die USA bisher ab. Alle sechs hätten im Fall der Schweizer Zustimmung zum US-Antrag die Gelegenheit zu gerichtlichen Widersprüchen.

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