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Theo Zwanziger sagt: Er wollte Reformen bei der FIFA durchsetzen
Könnte Theo Zwanziger Joseph Blatter beerben © Getty Images

Der Strafrechtsprofessor Mark Pieth macht einen Lösungsvorschlag im FIFA-Skandal. Er rügt das langsame Handeln des Weltverbands und zieht Vergleiche zur VW-Affäre.

Der Schweizer Strafrechtsprofessor und ehemalige FIFA-Reformer Mark Pieth hat sich nach dem Blatter-Beben für einen schnelle Übergangslösung an der Spitze des Fußball-Weltverbands ausgesprochen.

"Ideal wäre, einen Präsidenten zu haben, der nach zwei Jahren wieder geht, jetzt aber für Beruhigung und Reform sorgt und dann Platz macht für jemanden, der dann länger präsidiert", sagte Pieth im SRF.

Im Sonntagsblick schlug er den früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger (70) vor.

"Wählt man - was ich hoffe - Theo Zwanziger als Übergangspräsident für zwei Jahre, dann verhindert er Katar - aus arbeitsrechtlichen Gründen", sagte Pieth mit Blick auf die umstrittene Endrunde im Wüstenemirat 2022. Zwanziger saß lange im FIFA-Exekutivkomitee und wurde im vergangenen Mai von DFB-Chef Wolfgang Niersbach abgelöst. 

Der Übergangspräsident dürfe aber "nicht in diesem System groß geworden" sein und "nicht von diesem System profitiert" haben.

Die Veränderungen nach dem Bekanntwerden der Strafanzeige gegen FIFA-Boss Joseph S. Blatter seien "ein großes Problem", sagte Pieth: "In der Privatwirtschaft zieht man in einer solchen Situation sofort Konsequenzen. Wir haben es gerade bei Volkswagen gesehen, wo der Chef gegangen ist, obwohl der Nachweis bislang noch nicht wirklich erbracht ist. Im Fußball hat man da offenbar Schwierigkeiten, direkt zu reagieren."

Die FIFA sei eine "Organisation, die sich selbst über dem Recht gewähnt hat".

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte das Verfahren gegen den FIFA-Boss wegen des "Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie - eventualiter - wegen Veruntreuung" am Donnerstag eröffnet, Blatter wurde als Beschuldigter vernommen.

Auch die Ethikkommission der FIFA nahm Ermittlungen auf. Michel Platini, Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA), soll von Blatter eine "treuwidrige Zahlung" in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken erhalten haben soll und sprach als "Auskunftsperson" vor. Beide wiesen die Vorwürfe zurück.

Einen freiwilligen Rücktritt Blatters schloss dessen ehemaliger Berater Klaus J. Stöhlker indes aus.

"Der Präsident bleibt Präsident", sagte Stöhlker der Zeitung Schweiz am Sonntag: "Der Präsident hat nicht die geringsten Sorgen. Er ist guten Mutes." 

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