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Franz Beckenbauer droht eine Sperre durch die FIFA-Ethikkommission. Es geht um die WM-Vergaben an Russland und Katar. Ein fragwürdiger Deal belastet den Kaiser.

Franz Beckenbauer droht womöglich eine Sperre durch den Fußball-Weltverband.

Die Untersuchungskammer der FIFA-Ethikkommission hat Anklage gegen den 70-Jährigen erhoben. Beckenbauer soll im Rahmen der WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) als Stimmberechtigter gegen Ethikregeln verstoßen haben. 

Beide Länder stehen in Verdacht, den Zuschlag für die Endrunden nur eine manipulierte Abstimmung erhalten zu haben. Beckenbauer saß seinerzeit als Delegierter im FIFA-Exekutivkomitee, hatte somit direkt Einfluss auf die WM-Vergaben.

Fragwürdiger Gazprom-Deal

Besonders wegen der WM in Russland steht der frühere WM-Botschafter im Fokus. Kurze Zeit nach der Bekanntgabe der Austragung erhielt Beckenbauer einen Job als Repräsentant für den russischen Energierkonzern Gazprom. Diese Tätigkeit rief die FIFA auf den Plan. 

Die Ethikhüter des Weltverbands forderten Beckenbauer in einer schriftlichen Befragung zu einer Stellungnahme auf, die der Kaiser nicht beantwortete. Nach eigenen angaben, weil er den englischen Fragebogen nicht vollständig verstanden und keine deutsche Version erhalten hatte.

Beckenbauer wurde daraufhin im Juni 2014 für 90 Tage für alle Tätigkeiten im Fußball gesperrt worden und durfte deshalb auch nicht zur WM nach Brasilien reisen.

Nach Beckenbauers verspäteten Antworten Ende Juni 2014 war die Sperre ausgesetzt worden. Die Ermittlungen liefen aber weiter. Nun kommt offenbar neuer Schwung in die Sache.

Wie die Ethikkomission mitteilte, ist der Fall an die rechtssprechende Kammer weitergeleitet worden. Die wird ein Urteil gegen Beckenbauer fällen. Wann genau, ist noch unklar.

Der Münchner Richter Hans-Joachim Eckert als Chef der rechtsprechenden Kammer wird die Entscheidung aber als Landsmann Beckenbauers nicht treffen. Stattdessen wird der Australier Alan Sullivan das Urteil sprechen.

Entscheidung über Blatter steht bevor

Ob die FIFA-Fahnder wegen der Bestechungsvorwürfe gegen das Organisationskomitee der WM-Endrunde 2006 in Deutschkand weitere Untersuchungen gegen Beckenbauer und Präsident Wolfgang Niersbach vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) aufgenommen haben, teilte die ermittelnde Kammer nicht mit.  

Wie die Untersuchungen gegen Beckenbauer sind auch die Ermittlungen gegen den spanischen Verbandschef Angel Maria Villar Llona wegen seiner Rolle bei Spaniens Bewerbung um das WM-Turnier 2018 abgeschlossen worden. 

Die Kammer bestätigte außerdem am Mittwoch die Fortführung der Ermittlungen gegen den suspendierten FIFA-Chef Joseph S. Blatter (Schweiz), den gleichfalls vorläufig gesperrten UEFA-Boss Michel Platini (Frankreich) und den schon von der FIFA zuvor abgesetzten Generalsekretär Jerome Valcke (Frankreich).

"Die ermittelnde Kammer tut alles in ihrer Macht stehende, dass innerhalb der 90-tägigen Suspendierung von Herrn Blatter und Herrn Platini eine endgültige Entscheidung gefällt werden kann", teilte das Gremium mit.

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