vergrößernverkleinern
Rudi Völler ist seit 2005 Sportdirektor bei Bayer Leverkusen
Rudi Völler und Wolfgang Niersbach sind gut befreundet © Getty Images

Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler ist sich sicher, dass der DFB die schweren Vorwürfe schnell aufklären wird. Ex-FIFA-Medienchef Tognoni fordert harte Konsequenzen. Die Reaktionen.

Die Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang der Vergabe der WM 2006 an Deutschland schlagen hohe Wellen.

Der DFB bestreitet die Anschuldigungen aus dem Bericht des Magazins Der Spiegel vehement, auch das einstige OK-Mitglied Horst Schmidt dementiert den Kauf von Stimmen.

SPORT1 fasst die Reaktionen zusammen:

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): "Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine 'schwarzen Kassen' beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat. Das kann ich allen Fußball-Fans versichern. Auch der Spiegel hat dafür keine Beweise genannt, sondern beruft sich letztlich auf ein angebliches, von einer anonymen Quelle kolportiertes Zitat von Günter Netzer, das der bereits im gleichen Artikel vehement bestritten hat. Nochmal: die WM war nicht gekauft."

Fedor Radmann (Vize-Präsident des WM-Organisationskomitees): "Das Bewerbungskomitee hat niemals irgendjemanden bestochen. Ich bin bereit, dies sogar zu beeiden. Wir haben keine Stimmen gekauft."

Otto Schily (Mitglied des Aufsichtrats des WM-OKs): "Ich habe keine Veranlassung, die Erklärung des DFB-Präsidiums in Zweifel zu ziehen. Als Mitglied des Organisationskomitees für die Fußball-WM habe ich zu keinem Zeitpunkt Informationen erhalten, die den Verdacht 'schwarzer Kassen' begründen. Alle Zahlungen des DFB einschließlich der gesamten Buchhaltung wurden seinerzeit von dem damaligen Schatzmeister des DFB, Dr. Theo Zwanziger, sorgfältig geprüft. Das gesamte Zahlenwerk müsste nach meiner Kenntnis auch nach Abschluss der Fußball-WM nochmals zu einem Zeitpunkt, in dem ich dem Organisationskomitee nicht mehr angehört habe, nochmals überprüft worden sein."

Rudi Völler (Sportdirektor bei Bayer Leverkusen) bei Sky: "Sicherlich wird das Telefon heute oft besetzt sein beim DFB oder Wolfgang Niersbach. Er ist ein sehr guter Freund von mir. Ich bin mir ganz sicher, dass der DFB und Wolfgang Niersbach als Präsident das sehr schnell aufklären werden."

Dagmar Freitag (Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses): "Persönlich habe ich schon seit langem Zweifel an den Selbstreinigungskräften des Sports, nicht nur in solchen Fragen, auch in Fragen des Dopings. Und ich vermute mal, dass sich auch die Staatsanwaltschaft für die Vorgänge interessieren könnte."

Willi Lemke (Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Sport) bei Sky: "Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass das so war. Man muss warten, was sind das für Fakten, und was sagt der DFB dazu? Dann soll man das bewerten, im Augenblick kann ich es mir überhaupt nicht vorstellen. Wenn so ein Schatten über unserer wunderbaren WM liegt, das würde mich sehr, sehr traurig machen. Das würde mit Sicherheit ein kleines Erdbeben in unserem Verband, dem DFB, auslösen."

Horst R. Schmidt (1. Vizepräsident und stellvertretende Präsident des WM-Komitees) bei Sky"Mir war von einer schwarzen Kasse nichts bekannt. Die Stimmen sind nicht gekauft worden." 

Deutscher-Fußball-Bund (DFB): "Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) tritt mit aller Entschiedenheit den völlig haltlosen Behauptungen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" entgegen, es habe im Zusammenhang mit der Bewerbung für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 beim DFB "Schwarze Kassen" gegeben. Ebenso deutlich weist der Verband die durch keinerlei Fakten belegten Schlussfolgerungen der Autoren zurück, es seien in diesem Kontext Stimmen für die WM-Vergabe gekauft worden.

Mit aller Konsequenz hält der DFB deshalb nochmal ausdrücklich fest, dass dementsprechend weder der DFB-Präsident noch die anderen Mitglieder des Organisationskomitees in derartige Vorgänge involviert sein oder davon Kenntnis haben konnten. Der DFB behält sich rechtliche Schritte gegen die Darstellung des Magazins "Der Spiegel" vor."

FIFA: "Das sind schwere Anschuldigungen. Die Vorwürfe werden als Teil der unabhängigen internen Untersuchungen begutachtet, die die FIFA derzeit durchführt."

Guido Tognoni (ehemaliger FIFA-Mediendirektor) in der ARD: "Die ganze Aktion ist etwas seltsam und die Situation ist für Wolfgang Niersbach nicht gut. Aber wir können immer noch hoffen, dass Wolfgang Niersbach in den nächsten Tagen eine sehr gute Erklärung findet für diese Millionenzahlung. Es ist schon die zweite Millionenzahlung innerhalb des internationalen Fußballs, was die Administration betrifft, die sehr erklärungsbedürftig ist. Ich hoffe für den deutschen Fußball, den DFB, den ich schon oft als den besten Verband bezeichnet habe, und für Wolfgang Niersbach, dass da eine gute Erklärung kommt und dass dann jeglicher Verdacht von ihm abfällt.

Ich möchte Deutschland nicht anprangern, aber man kann davon ausgehen, dass solche Zahlungen in vielen Fällen üblich waren. Wenn es nicht Barzahlungen waren, waren es andere Dienstleistungen, die den Bereich der Korruption ritzen oder ganz nahe daran liegen. Ich muss auch sagen, dass sich Deutschland sehr bemüht hat, um nicht allzu auffällige Aktionen zu machen."

Tognoni bei Sky: "Ich bin überrascht vom Zeitpunkt der Veröffentlichung. Ist es Zufall oder gibt es eine Person, die Wolfgang Niersbach beschädigen will? Wenn das alles stimmen sollte, stünde der DFB am Pranger. (...) Die neuen FIFA- und UEFA-Präsidenten müssen jeweils total sauber sein, um gewählt zu werden. Wenn da nur ein geringer Schatten auf der Person zurückbleibt, ist man nicht mehr wählbar. (...) Es wird interessant sein, wie der DFB die Zahlung an die FIFA begründet. (...) Wenn sich das bewahrheitet, was der Spiegel behauptet, dann müssen Köpfe rollen."

Philipp Lahm (ehemaliger DFB-Kapitän): "Das ist ganz bestimmt keine schöne Sache für den DFB. Wir werden jetzt sehen, was dabei herauskommt."

Klaus Allofs (Geschäftsführer VfL Wolfsburg): "Ich würde gerne abwarten, was in den nächsten Tagen passiert und hoffe natürlich, dass das alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Der deutsche Fußball kann das nicht gebrauchen."

Horst Heldt (Manager Schalke 04): "Grundsätzlich finde ich es schade, dass dieser desaströse FIFA-Skandal, der kein Ende zu nehmen scheint, ein Stück weit nach Deutschland rüberschwappt."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel