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Sylvia Schenk lobt Hamburgs Olympia-Bewerbung
Sylvia Schenk fühlt sich "wie im Kindergarten" © dpa Picture Alliance

Für die Anti-Korruptions-Expertin steht die Privatfehde zwischen DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger der Aufklärung der Vorwürfe um die WM 2006 im Weg.

Die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk hat in der Affäre um ungeklärte Millionen-Zahlungen bei der Organisation der WM 2006 in Deutschland grundsätzlich das Krisenmanagement des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) begrüßt.

"Ich finde es gut, dass das DFB-Präsidium das Heft in die nimmt und dafür gesorgt wird, dass alle Beteiligten von damals ins Kreuzverhör genommen werden, damit man die Fakten auf dem Tisch hat", sagte Schenk im Interview mit Sky.

Die Juristin in Diensten von Transparency International sagte weiter: "Das DFB-Präsidium muss das Heft in die Hand nehmen mit einer externen Kanzlei. Die Frage ist, ob die FIFA-Ethikkommission noch ermitteln muss, die ja mit vielen Aufgaben jetzt eingedeckt ist. Das ist jetzt der richtige Weg. Es kann nicht sein, dass sich jeden Tag oder stündlich jemand anderes äußert und jedes Mal etwas anderes sagt. Bisher gibt es keine einzige in sich schlüssige Geschichte, die sich nachverfolgen lässt. Man braucht klare Fakten. Erst dann kann man anfangen, etwas zu beurteilen."

Die neuesten Äußerungen von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und seinem Intimfeind und Vorgänger Theo Zwanziger, der von schwarzen Kassen im Zusammenhang mit der WM-Bewerbung wissen will, habe sie nüchtern zur Kenntnis genommen.

"Inzwischen überrascht mich gar nichts mehr. Es kommt ja immer ein Thema nach dem anderen hoch, eine Behauptung nach der anderen. Ich komme mir vor wie im Kindergarten. So von wegen, der hat mit Sand geschmissen, nein, der war's und jener hat davon gewusst. Das muss jetzt endlich beendet werden."

Schenk hat zudem einen Rat für den DFB-Boss: "Das Beste wäre, wenn Wolfgang Niersbach erst einmal abwartet. Jetzt sollte von außen aufgeklärt werden. Selbst Herr Zwanziger sagt ja nicht, dass Niersbach an den schwarzen Kassen beteiligt war."

Unabhängig vom Ausgang der Untersuchungen habe der Verband aber schon jetzt erheblichen Schaden genommen: "Das Image des deutschen Fußballs hat mit Sicherheit gelitten, und das ist eigentlich auch das, was ich unverantwortlich finde, von denjenigen, die über lange Jahre für den deutschen Fußball, für den DFB Verantwortung getragen haben oder noch tragen. Sowohl Herr Dr. Zwanziger, als auch Horst R. Schmidt, als auch Franz Beckenbauer, die hätten viel schneller deutlich mit allem rauskommen müssen, und das Krisenmanagement von Niersbach war sicher auch nicht hilfreich."

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