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Horst R. Schmidt war DFB-Generalsekretär
Horst R. Schmidt weiß nicht, wer die Dreyfus-Millionen auf Seiten der FIFA empfangen hat - und widerspricht damit Theo Zwanziger © Getty Images

Nach Theo Zwanzigers schweren Vorwürfen in der WM-Affäre haben die Zweifel am früheren DFB-Präsidenten konkrete Formen angenommen.

Horst R. Schmidt, im Organisationskomitee (OK) der WM 2006 in Deutschland Vizepräsident für das operative Geschäft, widersprach auf Zwanzigers Erinnerungen basierenden Spiegel-Darstellungen, in einem Telefonat den Katarer Mohammed Bin Hammam als Empfänger der 2002 geflossenen Dreyfus-Millionen genannt zu haben.

"Der Name Bin Hammam ist möglicherweise gefallen. Aber ich werde nicht behaupten, dass er der Empfänger des Geldes ist. Ich weiß es einfach nicht", sagte Schmidt der Bild-Zeitung.Schmidt dementiert als Zweiter aus der Reihe der Mitarbeiter am WM-Projekt eine Version des ehemaligen OK-Vize für Finanzen.

Zuvor hatte schon der ehemalige WM-Botschafter Günter Netzer Aussagen des 70-Jährigen über ein angebliches "Geständnis" des Ex-Europameisters zu einem Stimmenkauf als auch im Ansatz nicht richtig bezeichnet.

Freitag stellt Niersbachs Zukunft in Frage

Ungeachtet Schmidts Widerspruch schließt die Bundestags-Sportausschussvorsitzende Dagmar Freitag Konsequenzen für den ehemaligen OK-Vize Niersbach, der inzwischen vom Sportausschuss für November zur Befragung eingeladen worden ist, für möglich. "Ungewiss ist Wolfgang Niersbachs Zukunft als Fußball-Funktionär im Moment auf jeden Fall. Es ist im Moment schwer vorstellbar, dass man aus solch einer Affäre, wenn es sich als solche herausstellt, unbeschadet herauskommen sollte."

Zwanzigers Lager stichelte unterdessen weiter gegen Beckenbauer, Schmidt und Niersbach.

Sein Anwalt Hans-Jörg Metz schrieb der Troika in einem Interview im Spiegel einen geradezu konspirativen Versuch zu, die ominöse und von Zwanziger angewiesene 6,7-Millionen-Euro-Überweisung an den Weltverband FIFA ohne Beteiligung seines Mandanten per Pressemitteilung erklären zu wollen.

"Herr Schmidt teilte mit", berichtete Metz in dem Interview unter Berufung auf Zwanzigers Gedächtnisprotokoll zum Telefonat mit Schmidt zu Wochenbeginn, "dass eine Erklärung von Beckenbauer käme, die zwar mit ihm, Schmidt, und Niersbach abgestimmt sei; auf eine Abstimmung mit Herrn Zwanziger werde aber kein Wert gelegt."

Schmidt empörte sich über Zwanzigers hinterlistige Vorgehensweise: "Es ist ungeheuerlich, dass Theo Zwanziger den Inhalt eines privaten Telefonates an die Öffentlichkeit bringt."

Metz prangert "Täuschungsmaschinerie" an

Metz wies zudem Vorwürfe gegen den in DFB-Kreisen weitgehend isolierten Zwanziger wegen angeblich persönlicher Motive für sein angebliches Aufklärungsbedürfnis zurück: "Rache, das passt nicht in seine Vorstellungswelt."

Vielmehr seien Zwanzigers jüngste Aussagen zu den ungeklärten Vorgängen wie der unbelegte "Schwarze Kasse"-Vorwurf zwangsläufig, "weil nur so die Wahrheit auf den Tisch kommen kann, die zum Schutz meines Mandanten unerlässlich ist".

Zuvor schon habe "die offenkundige Täuschungsmaschinerie bestimmter Herren ja ihren Lauf" genommen. Ohne Zwanziger und sein Gedächtnisprotokoll, die der Spiegel oft als Quelle für seinen aktuellen Bericht nutzte, würde laut Metz "die Legendenbildung gegen ihn immer weitergeführt und die Wahrheit, um die es hier ja geht, auf der Strecke" bleiben.

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