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Wolfgang Niersbach war seit März 2012 DFB-Präsident
Wolfgang Niersbach war seit März 2012 DFB-Präsident © Getty Images

Zwei Tage nach seiner Demission als DFB-Präsident nimmt der 64-Jährige zu den Umständen seines Abschieds Stellung. Das Präsidium habe ihn dabei nicht unter Druck gesetzt.

Als Wolfgang Niersbach am frühen Nachmittag zum vielleicht letzten Mal sein zweites Zuhause verließ, hatte er bewegende Momente hinter sich.

"Das war hoch emotional und mit großer Wehmut", berichtete der zurückgetretene DFB-Präsident nach seinem Abschied aus der Verbandszentrale am Mittwoch.

Zur weiteren Aufklärung des Skandals um die Vergabe der WM 2006 konnte der 64-Jährige im ersten Fernsehinterview nach seiner Demission aber nicht beitragen.

Eine ihm zugeschriebene Handschrift auf einer brisanten Notiz vom November 2004 kann Niersbach, der sich von den DFB-Mitarbeitern verabschiedete, weiter nicht zuordnen.

Unterschrift weiter nicht zuzuordnen

"Ich bin dazu nicht in der Lage. Ich hatte gehofft, dass ich überhaupt den Vorgang erkenne. Ich habe es aber nicht zuordnen können", gab er bei Sky zu und wirkte dabei gezeichnet vom Stress der vergangenen Wochen.

Verständnis für den gewaltigen öffentlichen Druck in Bezug auf die Identifizierung der Handschrift hat Niersbach nicht.

"Das ist so eine Sache, wie selbstverständlich verlangt wird, einen Schmierzettel mit verschiedenen Handschriften darauf als denjenigen zu erkennen, auf den man 2004 etwas draufgeschrieben hat", sagte er: "Das war auch so ein Puzzlestück, das mich seit einigen Wochen begleitet."

Kein Druck aus DFB-Präsidium

Das Dokument soll belegen, dass Niersbach bereits weit früher als von ihm eingeräumt von der Rückzahlung eines Millionen-Darlehens via FIFA an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus erfahren hat.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte das Schreiben am Freitag erstmals ungeschwärzt veröffentlicht und mit einer anderen Schriftprobe abgeglichen. Niersbach kann sich offensichtlich nicht erinnern.

Er betonte stattdessen mit Stolz in der Stimme, dass er am Montag nicht auf Druck aus dem DFB zurückgetreten sei: "Ich fand es toll, dass kein einziges Präsidiumsmitglied mich zum Rücktritt aufgefordert hat, dass der Rücktritt nicht erzwungen wurde", sagte er.

Niersbach "erleichtert und befreit"

"Am Morgen war ich noch bereit zu kämpfen, so groß der Druck auf mich und meine Familie auch war", erklärte er: "Dann habe ich weitere Informationen erhalten und den Entschluss gefasst."

Das DFB-Präsidium war unterrichtet worden, dass ein Vertragsentwurf mit den Unterschriften des damaligen WM-OK-Chefs Franz Beckenbauer und des wegen Korruption mittlerweile lebenslang gesperrten Ex-FIFA-Funktionärs Jack Warner aufgetaucht war. Der Inhalt legt den Verdacht eines versuchten Stimmenkaufs nahe.

Als Bauernopfer sieht sich Niersbach nicht. "So schmerzhaft es auch ist: Ich will nicht den Märtyrer spielen. Ich habe mich am Montag ein Stück weit erleichtert und befreit gefühlt."

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