vergrößernverkleinern
Die FIFA steht vor weitgreifenden Reformen
Um die FIFA ist es einer Studie zufolge besser bestellt, als ihr Ruf vermuten lässt © Getty Images

Eine belgische Universität sieht den Weltverband trotz des Korruptionsskandals in Governance-Fragen gut aufgestellt. Nur ein Sportverband schneidet besser ab.

Die strukturellen Probleme beim skandalgeplagten Fußball-Weltverband FIFA sind im internationalen Sport offenbar nur die Spitze des Eisberges. 

Einer Studie der Katholischen Universität im belgischen Löwen zu Leitungs- und Lenkungsformen bei 35 olympischen Fachverbänden zufolge ist die FIFA aufgrund ihrer seit 2011 beschlossenen und zuletzt auch verstärkt angewandten Reformen im Governance-Bereich trotz ihrer aufzuarbeitenden Korruptions-Affären überraschend sogar noch eine der führenden Organisationen.

Laut den Ergebnissen der von der dänischen Ethik-Organisation "Play the game" in Auftrag gegebenen Untersuchungen zu Kriterien wie Transparenz, Kontrolle, demokratische Abläufe, Kommunikation und Solidarität kommt die FIFA auf 67,8 von 100 Prozent. Besser aufgestellt sind nur die Fechter FEI mit 75,6 Prozent. Der Ski-Weltverband FIS erreichte mit 61,4 Prozent Rang drei.

Insgesamt liegen den Forschungsresultaten zufolge lediglich neun Verbände über der 50-Prozent-Marke. Durchschnittlich liegen die Fachorganisationen bei 45,4 Prozent. Die größten Defizite bescheinigen die Wissenschaftler der Internationalen Schießsport-Föderation (27,3 Prozent), dem Golf-Weltverband (27,8) und der Internationalen Triathlon-Union (30,4).

Große Schwierigkeiten bereiten den Verbänden laut der Studie der offene Umgang mit Finanzfragen und die zeitliche Begrenzung von Amtszeiten in Schlüsselfunktionen. Kein Verband veröffentlicht demnach Details zur finanziellen Entschädigung oder Honorierung von Führungspersonen. Nur sechs Organisationen legen jährlich elementare Auskünfte zu ihren Vermögen, Konten, Einnahmen, Sponsorenverträgen und Bilanzen von Großereignissen offen.

In keinem der befragten Verbände existiert eine Amtszeitbegrenzung für Präsidenten und andere Vorstände von zwei Wahlperioden zu jeweils vier Jahren. In elf Verbänden sind immerhin andere Regularien zu den Amtszeiten von Funktionsträgern vorhanden.

Gut ein Drittel der untersuchten Verbände (zwölf) verfügt über kein Ethik-Komitee. Allerdings haben in den übrigen 23 Organisationen lediglich fünf Ethik-Kommissionen auch die Befugnis zur unabhängigen Initiierung von Untersuchungen gegen Amtsträger ihrer Verbände. Auch nur in acht Verbänden können Entscheidungen von Gremien angefochten werden.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel