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Günter Netzer soll Klage gegen Theo Zwanziger eingereicht haben
Günter Netzer wurde mit Deutschland Welt- und Europameister © Getty Images

Die Vermutung, Günter Netzer habe vor der WM 2006 zum innersten Zirkel gehört, liegt nahe. Sein Anwalt sagt nun: Er war ein Vermittler für Robert Louis-Dreyfus.

Günter Netzer hatte immer eine zentrale Position. Als Gestalter, als Strippenzieher, als Spieleröffner.

Seitdem hat sich nicht viel verändert: Auch in der WM-Affäre scheint der frühere Botschafter für das Sommermärchen eine ganz zentrale Figur gewesen zu sein, die aber eher zwischen den Reihen spielte.

Anwalt meldet sich zu Wort

Bislang hat sich Netzer in Sachen Aufklärung stark zurückgehalten, er versteckte sich sozusagen - wie einst als Spieler - in der Tiefe des Raumes.

Das hat sich geändert: Erstmals gab es am Freitag öffentliche Angaben zu seiner Rolle im dichten Geflecht aus Millionen-Überweisungen, Gerüchten und Vermutungen. "Er war ein Mittler", sagte Netzers Anwalt Lucas Brost am Freitag.

"Nur" ein Mittler. Ausdrücklich. Allerdings einer in brisanter Position. Robert Louis-Dreyfus, in der Affäre durch sein mutmaßliches Millionendarlehen Ausgangs- und Endpunkt, hatte demnach seinen alten Freund Günter Netzer 2004 gebeten, einen Kontakt zu den WM-Machern herzustellen. Ein Dienst aus alter Verbundenheit? Oder mehr?

Netzer, so versichert sein Anwalt, sei trotz dieses Eingeständnisses kein Mitwisser der ersten Stunde gewesen.

Haupt- oder Nebendarsteller?

Von der Absicht des ehemaligen Adidas-Chefs Dreyfus, beim WM-Organisationskomitee sein Geld zurückzufordern, habe Netzer "nicht gewusst". Von der Vorgeschichte oder dem mutmaßlichen 6,7-Millionen-Euro-Darlehen ebensowenig.

Überhaupt: Obwohl die Vermutung naheliegt, der ehemalige Weltklasse-Spielmacher, Weltmeister und Europameister sei Teil des innersten Zirkels gewesen, eines Kreises der Eingeweihten, empfindet er sich als Nebendarsteller. "Er sieht sich nicht als Hauptprotagonisten an. In diese Rolle wurde er von Theo Zwanziger gedrängt", sagte Brost.

Das ist insofern richtig, als dass der ehemalige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Nachrichtenmagazin Der Spiegel von einem Treffen mit Netzer 2012 in Zürich berichtet hatte.

Netzer, behauptet Zwanziger, habe ihm erklärt, mit dem mutmaßlichen Millionendarlehen seien die vier asiatischen Stimmen für die WM-Vergabe im Juli 2000 gekauft worden. Mehr Brisanz geht kaum.

Klage gegen Zwanziger

Netzer bestreitet mit Vehemenz, dies auch nur im Ansatz gesagt zu haben, er hat deshalb Klage gegen Zwanziger angekündigt.

Bis zum Freitag war dies sein einziges öffentliches Handeln nach Bekanntwerden der Affäre.

Als Entlastung führt er an, seine Frau Elvira sei die ganze Zeit anwesend gewesen - Zwanziger lüge.

Dennoch lohnt sich ein intensiverer Blick auf Günter Netzer, denn er war immer ganz nah dran am Geschehen.

"Alles sauber abgewickelt"

Als Geschäftsführer des Sportrechtevermarkters CWL ab 1986, danach auch nach dem Weiterverkauf an Leo Kirch, der 2001 die weltweiten TV-Rechte an den WM-Turnieren 2002 und 2006 erwarb.

Diese waren durch den Bankrott der ISL nach dem Korruptionsskandal freigeworden.

Es gab damals kritisch hinterfragte TV-Verträge über Testspielreisen des FC Bayern, von Netzer als "ganz normale Agenturgeschäfte" bezeichnet: "Alles sauber abgewickelt."

Günter Netzer war auch am Ball, als die WM-TV-Rechte aus der insolventen Kirch-Gruppe gekauft wurden - an der Seite von Dreyfus, der mit Investoren zuschlug und die Infront Sports and Media gründete.

Business mit Blatter-Neffen

In diesem Unternehmen ist Netzer bis heute ein "Executive Director", Geschäftsführer mit zumeist repräsentativen Aufgaben. Firmenchef ist ein Neffe von Sepp Blatter.

Als WM-OK-Aufsichtsrat hatte Netzer (71) zudem eine Überwachungsfunktion im Zusammenhang mit der WM 2006. Es ist ein bisschen wie im "otelo"-Werbespot: Überall taucht Günter Netzer auf.

Was und wie viel er wirklich weiß, ist ungewiss. Er will "in Kürze reden" - mit den externen Prüfern, die der DFB bestellt hat. 

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