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Real Madrid ist im Moment weit von altem Glanz entfernt © SPORT1

München - Aufstellungspanne, Erpressunsgsaffäre, Clasico-Debakel: Toni Kroos hat bei Real Madrid aktuell wenig zu lachen. SPORT1 fasst die Demütigungen der letzten Monate zusammen.

Das Lob für Toni Kroos kam von oberster Stelle. Zinedine Zidane, Teil der Galaktischen von einst, geriet ob der Qualitäten des ehemaligen Münchners ins Schwärmen.

"Wir lieben ihn. Er hat den spanischen Stil sofort adaptiert, man glaubt mittlerweile kaum noch, dass er ein Deutscher ist", lobte der Franzose. Und Zidane ging sogar noch weiter:  Kroos könne nicht weniger als "eine Ära prägen".

Doch will er das überhaupt? Will er eines der Gesichter sein, das für ein Real Madrid steht, das sich selten so desolat präsentierte wie in diesen Tagen? Während auf Kroos warme Legenden-Worte regnen, versinkt der Klub um ihn herum in einem alles andere als königlichen Chaos.

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SPORT1 fasst das Dilemma in dieser Hinrunde bei Real Madrid zusammen.

11.07.2015: Iker Casillas muss gehen

18 Titel, über 700 Pflichtspiele - am Ende war alles nichts wert. Nach 26 Jahren wird mit Iker Casillas einer der größten Spieler in der Geschichte der Madrilenen vom Hof gejagt. Unter Tränen verabschiedet er sich am Tag nach der Bekanntgabe seines Wechsels zum FC Porto. Systematisch wurde er zuvor vom Fanliebling und "heiligen Iker" in die Rolle des schwarzen Schafs gedrängt.

Vom damaligen Coach Jose Mourinho initiiert, von Präsident Florentino Perez wohlwollend geduldet. Nach dem unwürdigen Ende bei den Königlichen platzt Casillas' Mutter der Kragen. Perez habe "einige sehr dunkle Geheimnisse", giftet sie in Richtung des Klubbosses. Nicht wenige würden ihr zustimmen

30.08.2015: Peinliche Posse um De Geas Wechsel

Das mit dem Transferfenster ist ja so eine Sache. Kevin Großkreutz kann ein Lied davon singen. Und die Königlichen wären nicht der ruhmreichste Klub der Welt, wenn sie sich nicht auch in dieser Kategorie einen Platz in den Annalen sichern würden.

Am letzten Tag der Transferperiode sollen Real-Keeper Keylor Navas und sein Pendant bei Manchester United, David de Gea, ihre Arbeitgeber tauschen. Die Vereine sind sich einig. Doch was dann passiert, wird wohl nie endgültig geklärt werden. Fakt ist, dass die Transferunterlagen am 01.09.2015 um 0.28 Uhr beim spanischen Verband eintreffen - und damit 28 Minuten nach Ende der Transfer-Deadline.

Der Wechsel platzt. Später schieben sich beide Vereine gegenseitig den schwarzen Peter zu und liefern sich eine öffentliche Schlammschlacht über ihre jeweilige Inkompetenz. Zehn Tage später unterschreibt De Gea bei United einen Vertrag bis 2019.

04.11.2015: Benzema wird festgenommen

Anfang November wird bekannt, dass Karim Benzema - einer der Lieblingsspieler von Präsident Perez - in eine Erpressungsaffäre um ein Sextape seines Nationalmannschaftskollegen Mathieu Valbuena involviert ist. Ein Freund Benzemas versuchte, mit dessen Hilfe, Valbuena zu erpressen, ihn um ein Wochengehalt(!) des Real-Stars zu erleichtern.

Benzema behauptet es sein "alles ein großes Missverständnis". Er habe "nur helfen" wollen. Wem oder wie, wird aber sein Geheimnis bleiben. Benzema droht nun eine Haftstrafe und das Aus. Bei Madrid und in der französischen Nationalmannschaft.

21.11.2015: Blamage im Clasico

Der 231. Clasico wird für Real Madrid zu einem der bittersten der Geschichte. Nicht nur das deutliche 0:4, sondern vor allem die Art und Weise der Pleite sorgt für kollektives Entsetzen bei den Fans. Neymar, Luis Suarez und Rückkehrer Lionel Messi demütigen das ehemals weiße Ballett und zerlegen es in seine Einzelteile.

Schon in der Halbzeit schwenken die eigenen Anhänger weiße Taschentücher. "Gedemütigt, beschämend und der Lächerlichkeit preisgegeben. Madrid bleibt in Ruinen zurück": Die AS fasst treffend zusammen, was die Fußballwelt denkt.

02.12.2015: Aufstellungspanne im Pokal

Rafael Benitez hätte es wissen können. Schließlich ist er Wiederholungstäter. Zum zweiten Mal unterläuft dem Spanier ein fataler Wechselfehler, zum zweiten Mal im spanischen Pokal. Beim 3:1-Sieg im Viertrunden-Hinspiel beim Drittligisten FC Cadiz stellt Benitez Denis Cheryshev auf, der prompt ein Tor erzielt. Goldenes Händchen?

Nicht wirklich. Spaniens Verband hatte zuvor die Sperre des Stürmers offiziell verkündet. Real flog am Freitag am Grünen Tisch aus dem Pokal, Barca-Star Gerard Pique weinte via Twitter Tränen vor Lachen. Benitez selbst war weniger amüsiert, sein ohnehin schon angeknackstes Standing hat weiter Schaden genommen.

Real will gegen das Urteil vorgehen, den Imageschaden kann der Verein jedoch nicht mehr beheben.

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