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München - Eine Europa-Superliga soll es sein für Karl-Heinz Rummenigge. Wie soll diese funktionieren? Wer kommt rein? Und woran kann alles scheitern? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Bereits 1998 schlug eine italienische Vermarktungsfirma eine eigene Liga der besten Vereine Europas vor. Eine Idee, die bis heute viele Funktionäre wach hält.

Seitdem erweiterte die UEFA die Champions League und überhäufte die Vereine mit Geld. Doch das reicht offenbar nicht: Mit Karl-Heinz Rummenigges jüngstem Vorstoß wird es ernst.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was würde eine Superliga für Europas Fußball bedeuten?

Es wäre ein klarer Schnitt. Die Champions League gäbe es nicht mehr, dafür spielten 20 Vereine aus den fünf Top-Ligen Europas gegeneinander. Vom Prinzip her wie in den großen Ligen des US-Sports.

Der FC Bayern etwa würde höchstens noch mit einer zweiten Mannschaft weiterhin an der Bundesliga teilnehmen. Wer nicht dabei ist, hat Pech gehabt.

Galatasarays damaliger Präsident Ünal Aysal schlug 2013 zwar Auf- und Abstieg bei einer solchen Liga vor; welche Vereine nach welchen Kriterien dann aber wechseln dürfen oder müssen, kann jetzt noch niemand sagen.

Hinzu kommt: Bei Rummenigges Vorschlag wäre der türkische Spitzenklub gar nicht dabei, genauso wenig wie zum Beispiel Schottlands Dauermeister Celtic, der die Idee ebenfalls schon mehrfach unterstützt hatte.

Wann wäre die Superliga frühestens zu realisieren?

Im März des vergangenen Jahres verlängerten UEFA und European Club Association (ECA) ihren Vertrag bis 2022. Bis dahin geht nichts.

In etwa drei Jahren steigt die nächste Verhandlungsrunde für die Zeit danach. Auf der einen Seite Europas Verband, auf der anderen die Spitzenvereine aller Mitgliedsverbände mit Rummenigge als Präsidenten an ihrer Spitze.

Vertraglich festgelegt sind etwa die Prämien und der Modus bei Champions League und Europa League oder auch die Frage, was die Vereine an der Europameisterschaft verdienen.

Gerade erst machte die UEFA große Zugeständnisse an die Vereine, um deren Alleingang zu verhindern: Sie erhöhte die jährliche Ausschüttung im Europapokal auf über 1,6 Milliarden Euro und gibt der ECA ab März zwei feste Sitze in ihrer Exekutive.

Wieso hat Rummenigge seine Meinung geändert?

Noch im Oktober 2013 sagte Rummenigge in seiner Funktion als ECA-Präsident: "Unsere europäische Superliga ist die Champions League. Wir sind sehr glücklich mit den aktuellen Wettbewerben und unserer extrem fruchtbaren Zusammenarbeit mit der UEFA."

Im Februar 2015 schloss die Premier League dann einen neuen TV-Vertrag ab, der ihr ab diesem Sommer für drei Jahre insgesamt fast zehn Milliarden Euro einbringt, die Auslandsvermarktung mit eingerechnet.

Das Transferfenster im vergangenen Sommer war bereits ein Ausblick auf das, was noch folgen wird. Bei einem ECA-Treffen im Dezember machten Italiener, Spanier und Franzosen unter Rummenigges Führung massiv Stimmung gegen die Premier League und für eine Superliga.

Das Kalkül: Mit dem aktuellen System ist England für den Rest Europas finanziell nicht mehr einzuholen – deshalb wollen die Topvereine der anderen Länder jetzt etwas abhaben von der englischen Übermacht.

Welche Vereine wären dabei?

Allein in den fünf großen Ligen hat die ECA 24 Vollmitglieder und 22 außerordentliche Mitglieder ohne Stimmrecht. Jeder hätte gern eine Eintrittskarte.

Bei Rummenigges Modell blieben bereits vier Vollmitglieder draußen.

SPORT1 hat ein Szenario auf die Europakarte gezeichnet, mit sechs Vereinen aus England, je vier aus Deutschland und Spanien sowie je drei aus Italien und Frankreich.

Welche Hindernisse gibt es auf dem Weg zu Rummenigges Traum?

An der Frage nach der Besetzung der Liga könnte sie bereits scheitern. Hannover 96 etwa ist Vollmitglied der ECA, wäre aber kaum dabei in einer Superliga. Lange gerichtliche Auseinandersetzungen würden wohl folgen.

Und: Geht es nach der Finanzkraft der Vereine, hätten die meisten Premier-League-Klubs einen Anspruch, dazuzugehören.

Andererseits haben die Engländer eine solche Liga mittlerweile gar nicht mehr nötig, und das ist Rummenigges Hauptproblem.

Ein namentlich nicht genannter Verantwortlicher bei Manchester United sagte dem Mirror: "Unser Fokus liegt zu 80 Prozent auf der Premier League und zu 20 Prozent auf der Champions League."

Durch die unglaublichen TV-Summen sind englische Vereine heute weitgehend unabhängig von europäischen Einnahmen. Der Anreiz, die eigene Liga für eine europäische Lösung abzuwerten, ist entsprechend gering.

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