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Der Umgang mit minderjährigen Spielern in England stößt dem spanischen Fußball sauer auf © SPORT1-Montage Philipp Heinemann / Getty Images

München - Die in die Enge getriebenen spanischen Klubs zeigen in Sachen Minderjährigen-Transfers auf England. Dort wird offenbar besonders dreist getrickst.

Dem Erwischten wächst ein besonderer Sinn fürs Gerechte. Plötzlich sind ihm alle Schlupflochakrobaten ein persönlicher Hohn. Herr FIFA, die haben doch auch!, beginnt es aus Spanien zu rufen.

Gemeint ist die Premier League. Die unterfliegt den Radar des Weltverbands in Sachen Minderjährigen-Transfers. Fällt den Spaniern jetzt auf, einen Tag nach den Transferstrafen gegen Real und Atletico Madrid.

Nur Spanier erwischt

2009 verschärfte die FIFA ihre Regeln für internationale Transfers von Jugendlichen. Seitdem gab es Strafen gegen drei Vereine wegen eines Verstoßes gegen Artikel 19 des "Reglements bezüglich Status und Transfer von Spielern": FC Barcelona, Real Madrid und Atletico Madrid.

Gegen den FC Valencia und den FC Villarreal ermittelt der Weltverband zudem aus dem gleichen Grund. Spanien und die Jugend der Welt.

Alle blicken auf Europas Südwesten, derweil versucht Spanien, die Aufmerksamkeit abzulenken. Der Vorwurf: Minderjährige Ausländer gibt es dank eines Tricks offiziell gar nicht bei englischen Vereinen.

Englands Jugend gibt es gar nicht

"Sie trainieren nur und bestreiten Testspiele gegen andere Nachwuchsmannschaften. Wenn sie 18 werden, schließen sie sich den U18- und U21-Mannschaften ihres Klubs an", zitiert die spanische Zeitung Marca einen englischen Juniorentrainer.

Das ganze System ist also Mist und Spaniens Spitzenvereine leiden darunter, schreibt Reals Hofblatt. Solche Geschichten werden in Madrid gerne mal von Vereinsseite lanciert, um die Stimmung in die richtige Richtung zu lenken.

Tatsächlich gibt es bei Englands Profivereinen offiziell gar keine Spieler unter 16. Erst dann bekommen sie einen Vertrag. Von Fall zu Fall wird entschieden, wann ein Jugendspieler registriert werden kann, um nicht gegen die Regeln zu verstoßen.

FIFA umgangen

Zum Verein gehört er dann aber vielleicht schon länger, nur nicht unter Bedingungen, die unter die FIFA-Gerichtsbarkeit fallen.

Unter dem Dach der Professional Development League gibt es in England einen Wettbewerb für die Klasse unter 21 und einen unter 18. Mehr Jugendmannschaften gibt kein Klub der Premier League an.

Spieler zum Beispiel aus Afrika oder Asien lassen sich so schon im Jugendalter verpflichten.

Spanien legt früh los

In Spanien geht es mit sieben Jahren los, in der sogenannten "Prebenjamin"-Altersklasse. Allein der FC Barcelona hat 13 Mannschaften mit Spielern, die jünger als 16 sind.

Sind Spaniens Vereine also Opfer ihrer Ehrlichkeit? Betrügen alle anderen einfach geschickter? Das wünscht sich Reals Präsident Florentino Perez sicher genauso wie Spaniens Verbandspräsident Angel Maria Villar.

In Wirklichkeit handeln die Klubs der Primera Division besonders skrupellos mit Jugendspielern. Als die FIFA im April 2014 Barcelona für verbotene Minderjährigen-Transfers bestrafte, verhängte sie gleichzeitig eine Strafe von 500.000 Schweizer Franken gegen den spanischen Verband.

Betteln bei Blatter

Dieser bekam ein Jahr Zeit, um "sein Regelwerk und das bestehende System bezüglich des internationalen Transfers von Minderjährigen im Fußball zu legalisieren". Passiert ist seitdem nichts.

Stattdessen bettelten Villar und die Präsidenten der wichtigsten spanischen Vereine beim damaligen FIFA-Boss Sepp Blatter um Gnade: Das passt doch alles so, Sepp, jetzt hab dich nicht so!

Diese Allianz scheiterte, als Blatter über genau diese Art der Politik stürzte. Und jetzt ist mit Jerome Valcke auch der letzte Verbündete der Spanier in dieser Angelegenheit aus der FIFA entfernt.

Spaniens Liga wird sich also diesmal wirklich um das Problem kümmern müssen. Zu den Engländern kommt die FIFA dann hoffentlich auch noch.

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