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Arsenal v Tottenham Hotspur - Carling Cup Semi Final 1st leg
Kevin-Prince Boateng wechselte 2007 zu Tottenham Hotspur © Getty Images

Der Ex-Schalker spricht über seine frustrierende Zeit bei Tottenham. Feier-Nächte und Frust-Shopping gehören zur Tagesordnung. Seine Frau verließ ihn wegen Frauengeschichten.

Die englische Premier League ist für viele Fußballer ein Traum, den sie sich in ihrer Karriere einmal erfüllen möchten.

Für Kevin-Prince Boateng wurde die Zeit bei den Tottenham Hotspur (2007 bis 2009) dagegen eher zum Albtraum.

"Ich war den Tränen nahe. Habe zu Hause angerufen und geweint. Ich war leer und orientierungslos", schreibt der ehemalige Schalker in seiner Biographie "Ich Prince Boateng. Mein Leben, Mein Spiel. Meine Abrechnung".

"Wunden, die nicht abheilen"

"Ich wünsche so etwas keinem Spieler. Es macht zwar hart, aber es hinterlässt auch Wunden, die nicht abheilen", zieht der ghanaische Nationalspieler ein Fazit über seine "dunkle Periode".

Als Bundesliga-Senkrechtstarter wechselte der damals 20-Jährige von Hertha BSC auf die Insel, erhielt vom damaligen Coach Martin Jol aber direkt einen moralischen Nackenschlag: "Einen Monat nach meiner Ankunft eröffnete er mir in einem Gespräch, dass er mich nicht braucht. Jols Ansage war der Anfang meines Untergangs", so Boateng.

In der Folge fand sich der Mittelfeldspieler meist in der Reserve wieder. Als Konsequenz ließ der immer mehr demoralisierte Boateng die Zügel nicht nur im Training schleifen.

Auto-Shopping, Affären und Alkohol-Exzesse

Auch sein Privatleben geriet immer mehr aus der Bahn: "Was mache ich heute? Vielleicht mal ein Auto anschauen. Das habe ich getan - und es wurde ein ausgiebiges Shopping". So ließ er sich einen Lamborghini rund 300.000 Euro kosten und erweiterte seinen Fuhrpark aus reiner Frustbewältigung in der Folge immer weiter.

Auch ausgiebige Alkohol-Exszesse gehörten zu Boatengs Alltag. "Ich habe manchmal zu viel getrunken. Es gab keinen Abend, an dem ich zuhause geblieben bin", eröffnet er und schildert erschreckende Details, die letztlich auch dazu führten, dass ihn seine schwangere Frau Jenny ("Ich habe ihr sehr wehgetan") nach nur wenigen Monaten Ehe zwischenzeitlich verließ: "Ich lebte wie in einem Paralleluniversum, kam oft erst frühmorgens nach Hause, hatte Affären. Es kam vor, dass ich in einer Nacht 10.000 Pfund auf den Kopf gehauen habe", bekannte Boateng, der nach durchzechten Nächten nicht selten mit einer Alkoholfahne im Training erschien.

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Boateng ist seit 2012 mit der Italienerin Melissa Satta verlobt © Getty Images

Ratschläge, unter anderem von Ex-Chelsea-Spieler Didier Drogba ("Er hat mich behandelt, als wäre ich sein klein Bruder), ließ Boateng an sich abprallen: "Konzentrier dich auf den Fußball! Es gibt 1000 Trainer und 999 davon mögen dich nicht. Ich musste, als ich aus Frankreich hierherkam, auch um meinen Platz kämpfen", sagte der Ivorer dem Neuankömmling. Aber Boateng "wollte das einfach nicht hören".

Erfolglose Therapie in Düsseldorf

Auf Drängen seiner Ehefrau ließ sich Boateng dann aber doch irgendwann darauf ein, sich helfen zu lassen. Zehn Tage in einer Privatklinik in Düsseldorf halfen ihm für seine Probleme aber nicht wirklich weiter.

"Dort habe ich interessante Menschen kennengelernt. Leute mit Burn-out, Superreiche, die nicht damit klarkamen, dass sie so viel Kohle hatten. Mit denen hat man sich ausgetauscht. Oder die Therapeutin sagte: "Male das, was du denkst oder fühlst!"

Für seine Probleme sah er sich dort allerdings fehl am Platze: "Wenn man wirklich krank ist, hilft eine solche Therapie vielleicht. Aber ich war ja nicht krank und schon gar nicht verrückt."

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