vergrößern verkleinern
Johan Cruyff prägte als Trainer des FC Barcelona auch den Stil von Pep Guardiola (r.)
Johan Cruyff prägte als Trainer des FC Barcelona auch den Stil von Pep Guardiola (r.) © Imago

Johan Cruyff hat den Fußball verändert - als Spieler und als Trainer. Sein Vermächtnis wirkt nach, nicht zuletzt durch seinen Einfluss auf Pep Guardiola.

Es gibt Spieler, die muss man gar nicht mit Namen nennen. Bei manchen reicht schon eine Nummer - und jeder weiß, wer gemeint ist.

Die 14 ist die Nummer, die Johan Cruyff getragen hat. Bei Ajax Amsterdam, wo die Rückennummer seit Jahren nicht mehr vergeben wird. In der niederländischen Nationalelf, die ihr Länderspiel gegen Frankreich an diesem Freitag zu Cruyffs Ehren unterbrechen wird - in der 14. Minute.

Es sind nicht nur die Niederlande, die Cruyff zur Dankbarkeit verpflichtet sind, nicht nur Ajax und der FC Barcelona, bei dem Cruyff als Spieler und Trainer Maßstäbe setzte. Der gesamte Fußball muss dem Mann danken, der am Donnerstag mit 68 Jahren an Lungenkrebs verstarb.

Video

Radikaler Reformer

Bei Ajax, Barcelona und der niederländischen Elftal gab es eine Zeit vor Cruyff und es gab eine Zeit danach. Der schlaksige Stürmer brachte nicht nur den Erfolg zu seinen Mannschaften, er revolutionierte sie. (Die Reaktionen auf Cruyffs Tod)

Zusammen mit dem damaligen Trainer Rinus Michels veränderte er Ajax' Spielweise zu Beginn der 1970er Jahre radikal, auf dem Platz verkörperte er das völlig neue Konzept des "Voetbal Totaal". 

Bei diesem Ansatz, mit dem Ajax drei Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister gewann, verschwimmen die Grenzen zwischen Abwehr und Angriff. Die Spieler wurden aus ihren Positionszwängen herausgeholt und wirkten als Gesamtformation. Im Gegensatz zur bis dato geltenden Strategie strebte die Mannschaft nicht mehr die Kontrolle der gegnerischen Spielern an, sondern die des Raums.

"Pythagoras des Fußballs"

Wie ein Bienenschwarm wechselten die Spieler ihre Positionen, verschoben sich auf dem Platz als Gebilde, immer abhängig davon, wo sich der Ball befand. Die Spieler bildeten praktisch geometrische Figuren. Ein Journalist der Times bezeichnete Cruyff deshalb auch einmal als den "Pythagoras des Fußballs".

Zur Taktik-Revolution gehörte aber auch das konsequente Gegenpressing nach Ballverlust. Statt nach hinten zu laufen und das eigene Tor abzusichern, wurde der Gegner in solchen Fällen sofort wieder unter Druck gesetzt.

"Wenn wir den Ball haben, können die anderen kein Tor schießen". Mit diesem Ansatz prägte Cruyff auch als Trainer den Spielstil des FC Barcelona - und wirkte nach, bis weit über das Ende seiner Amtszeit hinaus.

Cruyff vertraute Guardiola

Die großen Stars seiner Mannschaft, die 1992 erstmals den Pokal der Landesmeister in die katalanische Metropole holte, hießen Ronald Koeman, Michael Laudrup und Hristo Stoichkov. Das Hirn aber war Pep Guardiola.

Mit ihm sprach Cruyff die taktischen Feinheiten ab, er besaß die Fähigkeit, auch während des Spiels kurzfristige Änderungen noch umzusetzen und seinen Mitspielern zu vermitteln.

1996 verließ der Niederländer den FC Barcelona als Trainer. Seine Philosophie aber lebt bis heute weiter. In Guardiola, der bei Barca und später bei den Bayern den dominanten Ballbesitzfußball spielen lässt, den Cruyff schon ihm beigebracht hatte.

Und sie lebt weiter in Barcelonas Jugendakademie La Masia. Sie wurde nach den Vorstellungen des Niederländers konzipiert. Bis heute verzichtet man dort auf Kraft- und Konditionstraining und legt den Fokus auf Ballbehandlung und Kreativität.

So wie Cruyff es Zeit seines Lebens als Spieler und Trainer propagierte - noch lange, nachdem er die legendäre "14" ausgezogen hatte.

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel