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Lionel Messi
Lionel Messi muss sich im Frühjahr wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung verantworten © Getty Images

Brisante Dokumente rücken zahlreiche Sportler und Politiker in den Zusammenhang mit dubiosen Geschäften mit Briefkastenfirmen. Auch Messis Name taucht darin auf.

Superstar Lionel Messi droht offenbar neuer Ärger mit der Justiz.

In brisanten Dokumenten über Geschäfte mit Briefkastenfirmen, die der Süddeutschen Zeitung zugespielt wurden, taucht auch der Name des Offensivstars des FC Barcelona auf.

Messi, der sich im Frühjahr wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung in Spanien verantworten muss, wird in den Unterlagen offenbar als Begünstigter einer bislang unbekannten Briefkastenfirma geführt.

Messi kündigt rechtliche Schritte an

Die Dokumente stammen von der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca mit Sitz im Steuerparadies Panama. Unter dem Namen "Panama Papers" wurde dieser Datensatz der Süddeutschen Zeitung zugespielt. Ein internationales Journalistennetzwerk hat die Dokumente nun ausgewertet und veröffentlicht. 

In Spanien veröffentlichte die Zeitung El Confidencial die Enthüllungen im Zusammenhang mit Messi. Als Reaktion auf die Berichte haben Messi und seine Familie bereits rechtliche Schritte gegen die Zeitung wegen Diffamierung angekündigt.

Messi stritt am Montag eine Verwicklung in unerlaubte Geschäfte ab. "Die Familie Messi möchte klarstellen, dass Lionel Messi keine der Handlungen begangen hat, die ihm vorgeworfen werden. Die Vorwürfe der systematischen Steuerhinterziehung, wonach unter anderem ein Netzwerk zur Geldwäsche existiere, sind falsch und beleidigend", hieß es in einer Stellungnahme.

Bildrechte über Briefkastenfirmen verkauft

In dem schon anhängigen Verfahren gegen Messi geht es darum, dass er mit seiner Familie seine Bildrechte zum Schein an mehrere Offshore-Firmen übertragen haben sollen.

Unternehmen, die mit Messis Konterfei werben wollten, mussten dann mit diesen Briefkastenfirmen Verträge abschließen. Die spanischen Steuerbehörden gingen so leer aus.

In diese Praxis passt auch die Firma Mega Star Enterprises, die nun in den Panama Papers mit Messi in Verbindung gebracht wird.

Pikant: Sie wurde erst am 8. Februar 2012 gegründet. Lange nachdem die ersten Steuerhinterziehungsfälle der Familie Messi aktenkundig wurden.

Messi erscheint in den Verträgen zu Mega Star Enterprises namentlich und unterschrieb selbst.

Doch dies hat laut dem Barca-Star überhaupt nichts zu bedeuten. In seinem Verfahren in Spanien hatte er bereits erklärt: "Ich schaue nicht, was ich unterschreibe. Wenn mein Vater es sagt, unterschreibe ich mit geschlossenen Augen."

Auch Platini im Fokus

Auch der für sechs Jahre suspendierte UEFA-Präsident Michel Platini taucht in den Dokumenten auf.

Platini soll nach Angaben des Internationalen Konsortiums investigativer Journalisten im Jahr 2007 ebenfalls eine Offshore-Firma in Panama gegründet haben.

Der einstige französische Weltstar war wegen einer ominösen 1,8-Millionen-Euro-Zahlung durch den ehemaligen FIFA-Boss Joseph S. Blatter (Schweiz) im Jahr 2011 für sechs Jahre von der FIFA-Ethikkommission gesperrt worden. Die gleiche Sperre hatte auch der Walliser Blatter erhalten. 

Platini ließ der französischen Nachrichtenagentur AFP über seine Medienanwälte mitteilen, dass er seine gesamten finanziellen Einkünfte und Besitzverhältnisse den Schweizer Behörden seit 2007 zugänglich gemacht habe. Als UEFA-Chef hatte Platini seinen Wohnsitz in der Nähe der Zentrale der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Nyon.

Auch Putin und FIFA-Funktionär auf Liste

Zudem finden sich in den Panama Papers weitere prominente Namen von Politikern und Sportlern. So soll auch ein Mitglied der FIFA-Ethikkommission in die dubiosen Geschäfte verwickelt sein. Auch der Name Wladimir Putin fällt.

Bei dem FIFA-Funktionär soll es sich um Juan Pedro Damiani handeln. Er soll mutmaßlich Geschäftsverbindungen zu dem im Korruptionsskandal geständigen Eugenio Figueredo aus Uruguay gehabt haben.

Ein Sprecher der Ethikkommission bestätigte der dpa, "dass wir eine sogenannte Voruntersuchung in die Wege geleitet haben".

FIFA ermittelt wegen Verstoß gegen Ethik-Code

Nach den Enthüllungen verschiedener Medien überprüfe die Ermittlungskammer des Ethikkomitees, ob ein Verstoß gegen den Ethik-Code der FIFA vorliege und werde anschließend über weitere Schritte entscheiden.

Aus den "Panama Papers" soll zudem hervorgehen, dass der uruguayische Anwalt Damiani Kontakte zu den unter Hausarrest stehenden argentinischen TV-Rechtehändlern Hugo und Mariano Jinkis pflegte. Auch sie sind in den FIFA-Skandal verstrickt.

Demnach soll Damiani den drei Angeklagten möglicherweise geholfen haben, über Offshore-Firmen Millionen an Bestechungsgeldern an Fußball-Funktionäre fließen zu lassen. Damiani dementierte die Geschäftsverbindungen auf SZ-Anfrage nicht, er habe die Kommission sogar über sie unterrichtet - laut SZ-Informationen aber erst, nachdem die internen Ermittlungen gegen ihn bereits liefen.

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