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David Wagner (M.) hat mit ehemaligen Bundesliga-Profis Erfolg in England © SPORT1-Grafik Paul Haenel / getty Images

München - Der deutsche Trainer führt Huddersfield Town an die Spitze der englischen Zweiten Liga - mit Anleihen bei Klopp, vielen deutschen Legionären und ungewöhnlichen Methoden.

Er spielte vier Jahre lang zusammen mit Jürgen Klopp bei Mainz 05, war US-amerikanischer Nationalspieler und gehörte zu den Schalker Eurofightern, die 1997 den UEFA-Cup gewannen.

Dennoch ist David Wagner ein vergleichbar unbeschriebenes Blatt in den Geschichtsbüchern des Fußballs. Vielleicht passt er als Trainer gerade deswegen so gut zum Huddersfield Town Football Club.

FA-Cup-Sieger vor 94 Jahren

Auch den Verein aus der Grafschaft West Yorkshire verbindet man nicht unbedingt mit der großen Fußballwelt. Die Erfolge liegen bereits ein knappes Jahrhundert zurück. In den 1920er Jahren war Huddersfield drei Mal englischer Meister, 1922 gewann der Klub den FA Cup.

Im November letzten Jahres haben sich Wagner und Huddersfield gefunden - und mischen seitdem den englischen Fußball auf. Zum ersten Mal seit 1999 führen die "Terriers", wie der Verein genannt wird, die zweite Liga an. Manch ein Fan träumt bereits von der erstmaligen Teilnahme an der Premier League seit 1972.

Diesen Erfolg allein auf die Verpflichtung Wagners zurückzuführen, wäre vermessen. Seinen Anteil daran hat der 44-Jährige aber allemal. Anders ist es nicht zu erklären, dass Wagner derzeit zu den begehrtesten Trainern auf der Insel gehört.

Absage an Aston Villa

Zuletzt war das Interesse von Aston Villa öffentlich geworden. Der in der vergangenen Saison abgestiegene Traditionsklub aus Birmingham, einst Gewinner des Europapokals der Landesmeister, fing sich allerdings prompt eine Absage ein.

"David hat mir gesagt, dass er uns niemals wegen eines anderen Zweitligisten verlassen würde, egal wie der Klub heißt", wird Klub-Boss Dean Hoyle in der Daily Mail zitiert. Der Besitzer des Klubs, der es mit einer Ladenkette für Geschenkartikel zu Reichtum gebracht hat, weiß sehr genau, was er an Wagner hat.

Der war nicht nur Klopps Mitspieler in Mainz und trainierte die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund, als Klopp die Profis von Erfolg zu Erfolg führte. Wagner war auch dessen Trauzeuge und telefoniert heute noch regelmäßig mit dem Trainer des FC Liverpool.

Besuch bei Kumpel Klopp

Neulich war Wagner zu Besuch bei seinem Kumpel. "Wir tranken ein Bier und haben uns über Fußball unterhalten, was sonst", erzählte er der Daily Mail.

Wie Klopp bei den Reds lockte auch Wagner zu Beginn der Saison einige Spieler aus Deutschland nach Huddersfield. Chris Löwe, Christopher Schindler, Michael Hefele und Elias Kachunga spielen seit Sommer für Town und haben sich sehr gut eingefügt in ihre neue Mannschaft.

Der ehemalige Ingolstädter Kachunga führt nach elf Spielen die teaminternte Torjägerwertung mit drei Treffern an. Auch Löwe, Hefele und Schindler - allesamt Verteidiger - haben bereits einmal getroffen.

Schindler schießt Tor des Tages

Beim letzten Spiel vor der Länderspielpause bei Ipswich Town standen alle vier Legionäre auf dem Platz, das Tor zum 1:0-Sieg der Terrier besorgte Ex-Löwe Schindler.

Der Spitzname des Klubs ist für Wagner durchaus Programm. Wie ein Terrier treibt das Team die Gegner mit seinem Gegenpressing zu Fehlern. Auch das eine Parallele zur Kloppschen Philosophie. Nach Liverpool als Co-Trainer zu gehen, war dennoch nie eine Option für Wagner. "Ich bin mein eigener Herr, mein eigener Manager", wiegelt er ab.

Vorbereitung im Survival-Camp

Und so traf er auch in der Vorbereitung seine ganz eigene Entscheidung, als er im Juli mit der Mannschaft zu einigen unbewohnten Inseln vor der schwedischen Küste aufbrach.

"Das war ein Trip in die Wildnis. Wir fuhren mit dem Kanu von Insel zu Insel. Wir bauten Zelte auf, suchten nach Essen, gingen Angeln. Wir kochten ohne Elektrizität, hatten keine Toiletten und kein Handy", erklärte Wagner. "Das war das Training. Es gab keine Bälle. Es war ungemütlich."

Das alles aber war pure Absicht. "Denn in der Championship", so sagt es der Coach, "gibt es auch keine Komfortzone."

Seine Spieler haben die Ansage offensichtlich verinnerlicht. Die Überlebenskünstler aus Huddersfield sind auf dem besten Weg, sich im englischen Fußball wieder einen Namen zu machen.

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