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Gabriel Jesus gewann in Rio die Goldmedaille © Getty Images

Belo Horizonte - Gabriel Jesus ist der kommende Star in Brasilien. Für die Selecao ist er Hoffnungsträger gegen Argentinien. Bald stürmt er für Pep Guardiolas Manchester City.

Kann man bei einem Anruf von Pep Guardiola "Nein" sagen? Man kann es nicht.

Und genau deshalb wird Gabriel Jesus ab Januar bei Manchester City spielen.

Halb Europa war hinter dem Sturmtalent her, darunter auch der FC Bayern München und RB Leipzig, wie SPORT1 berichtete.

Doch die Möglichkeit mit dem Startrainer aus Katalonien zu arbeiten, gab beim Brasilianer den Ausschlag, zu Guardiolas Klub zu wechseln. Wie auch schon bei seinem Landsmann Douglas Costa bei dessen Wechsel zum FC Bayern.

Hoffnungsträger gegen Argentinien

Der Transfer nach England ist für Jesus der vorläufige Höhe- und Endpunkt unglaublicher 18 Monate, die hinter ihm liegen, seit er sein Debüt für Palmeiras aus Sao Paulo gab.

Der 19-Jährige ist mit Palmeiras dabei, den Titel in der brasilianischen Meisterschaft zu gewinnen, mit der brasilianischen Olympia-Auswahl holte er Gold bei den Spielen in Rio de Janeiro gegen Deutschland, seinen Einstand in der A-Nationalmannschaft feierte er mit drei Toren gegen Ecuador.

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Auch im Allzeit-Klassiker gegen Argentinien (ab 0.45 Uhr im LIVETICKER) soll er für die Selecao in der WM-Qualifikation auf Torejagd gehen.

Brasiliens Fans jubeln. Endlich gibt es wieder einen, der in die Fußstapfen der legendären Neuner treten könnte. Ronaldo, Held beim WM-Triumph 2002, erkennt sich in Jesus wieder: "Wenn ich Gabriel sehe, denke ich an meine eigene Vergangenheit. Er hat eine fantastische Reise vor sich", sagte er dem Sender TV Globo. Jesus wiederum nennt bei SPORT1 Ronaldo und Ronaldinho als seine Vorbilder.

Rückkehr zum Ort der größten Schande

Das Spiel gegen Argentinien ist für die Zukunftshoffnung des brasilianischen Fußballs zugleich die Begegnung mit dessen Vergangenheit. Zum ersten Mal kehrt die Selecao ins Estadio Mineirao von Belo Horizonte zurück, den Ort des 1:7-Debakels im WM-Halbfinale 2014 gegen Deutschland.

"Wir haben uns gefragt, was nötig ist, um dieses Ereignis auszulöschen", sagt Marcio McCulloch, Sprecher des Traditionsklubs Flamengo, zu SPORT1: "Nur ein 7:1 gegen Deutschland in Deutschland. Bei einer Weltmeisterschaft." Aber das wird so schnell nicht passieren.

Gegen Argentinien geht es eher darum, eine Schuld abzuarbeiten, die Nerven zu beruhigen, das Verhältnis zu den Fans wieder herzustellen, das durch das 1:7 "zerstört" worden ist, wie Mauricio Savarese, brasilianischer Reporter der US-Nachrichtenagentur AP in Rio sagt.

Bis zum Saisonende noch bei Palmeiras

Und Gabriel Jesus soll dazu einen Beitrag leisten. Doch bei der Selecao kam er am Sonntag angeschlagen an. Nicht körperlich, sondern moralisch, nachdem er zuletzt in sechs Spielen hintereinander für den "Verdao" nicht getroffen hatte. Interviews, die nicht langfristig ausgemacht waren, ließ der Klub nicht zu.

Zuvor hatte der 19-Jährige in 23 Spielen noch elf Mal getroffen und damit das Interesse fast aller großen europäischen Vereine geweckt. Seine Agenten witterten das Geschäft ihres Lebens. Für Cristiano Simoes und Fabian Caran war er der erste Spieler, den sie für viel Geld (33 Millionen) verkaufen konnten.

Sie hatten Angst, dass er plötzlich aufhört, gut zu spielen, zu treffen - oder sich verletzt. Sie waren verrückt danach, den Transfer so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen. Palmeiras bestand darauf, seine "Perle" bis zum Saisonende zu behalten. Schließlich könnte der Meistertitel für den Klub der erste seit 1994 sein.

Ze Roberto lobt Bodenständigkeit

Der entscheidende Unterschied zu Superstars wie Neymar, mit dem Jesus sich bei den Olympischen Spielen angefreundet hat, ist der Kopf. Der 19-Jährige sei trotz seines raketenhaften Aufstiegs am Boden geblieben, bestätigt Ze Roberto SPORT1, sein Teamkollege bei Palmeiras und früherer Star des FC Bayern.

Zu einem Gespräch erscheint Jesus nicht mit Sonnnebrille und Kopfhörern und auch kein Handy liegt auf dem Tisch, mit dem er herumspielt. "Ein Fußballspieler wird schneller erwachsen als andere Leute", sagt er.

Mit der Mutter nach Manchester

Jesus kommt aus einfachen Verhältnissen, seine Mutter zog ihn und seine drei Brüder nach dem Tod des Vaters alleine groß.

Dona Lucia ist es auch, die ihn nach England begleiten wird, um Nudeln für ihn zu kochen und weiter zu verhindern, dass er abhebt. Bei Manchester City wartet man schon sehnsüchtig auf ihn. "Wir sind sehr glücklich darüber, ihn verpflichtet zu haben und werden alles tun, damit er sich schnell eingewöhnt", sagte Guardiola jüngst.

Die Frage ist nur, wo er seinen neuen Wunschspieler in der ohnehin hochkarätig besetzten Offensive der Citizens einsetzt. Doch das kann er ihm ja bald persönlich erklären.

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