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Der Deutschbrasilianer Paulo Rink absolvierte zwischen 1998 und 2000 13 Partien für die Deutsche Nationalmannschaft © SPORT1-Grafik: Getty Images

Rio de Janeiro - Der gebürtige Brasilianer und deutsche Ex-Nationalspieler Paulo Rink zeigt sich bei SPORT1 bestürzt über den Flugzeugabsturz von Medellin - wegen persönlicher Gründe.

Paulo Rink hat der Flugzeugabsturz der Chapecoense-Delegation besonders getroffen. Der gebürtige Brasilianer, der zwischen 1998 und 2000 für den DFB 13 Länderspiele bestritt, ist heute Lokalpolitiker in Curitiba.

Genau dort sollte das Finalrückspiel der Copa Sudamericana stattfinden. Der langjährige Leverkusener Bundesligaprofi, der später auch noch für den 1.FC Nürnberg und Energie Cottbus auflief, war in die organisatorischen Planungen involviert.

Nicht nur daher kannte er die Vereinsvertreter aus Chapeco. Zwischen 1993 und 1995 hatte der ehemalige Angreifer dort auch selbst gespielt. 

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Bei SPORT1 spricht er über die Trägodie, bei der 71 Menschen ums Leben kamen.

SPORT1: Herr Rink, in ganz Brasilien herrscht nach dem größten Unglück in der Geschichte des brasilianischen Fußballs ein Klima des Entsetzens und der Trauer. Wie geht es Ihnen?

Rink: Ich bin auch sehr traurig. Ich kann immer noch nicht glauben, dass das wahr ist. Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Meine Solidarität gilt den Familien, Anhängern und der ganzen Stadt Chapecó. Das ist eine Katastrophe.

SPORT1: Chapecoense ist einer der ersten Vereine Ihrer Karriere gewesen. Was bedeutet der Klub für Sie?

Rink: Ich habe dort 1993 und 1995 gespielt, wir hatten eine gute Saison. Ich war Torschützenkönig der Staatsmeisterschaft von Santa Catarina (mit 23 Treffern, Anm. d. Red.). Durch die gute Leistung konnte ich zu Atlético Paranaense wechseln und zwei Jahre danach hatte ich die Chance, mit Leverkusen in Deutschland zu spielen. Nichts davon wäre passiert, wenn es Chapecoense nicht gegeben hätte.

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SPORT1: Wie ist heute noch Ihr Bezug? Chapecoense sollte in der kommenden Woche für das Finalrückspiel in der Copa Sudamericana nach Curitiba, in ihre Stadt, kommen.

Rink: Es schmerzt, Freunde wie Sandro Pallaoro (den Präsidenten, Anm. d. Red.) und viele andere zu verlieren. Ich war im Kontakt mit dem Klub, habe am vergangenen Sonntag das Spiel bei Palmeiras in Sao Paulo gesehen und mit dem Präsidenten über die Logistik gesprochen. Wir wollten die Leute mobilisieren, um Chapecoense einen starken Empfang zu bereiten.

SPORT1: Stattdessen reisen Familienangehörige sowie Vereins-und Verbandsvertreter nun nach Kolumbien, um dort die Leichen abzuholen.

Rink: Das ist unfassbar bitter. Ich kannte viele Spieler persönlich aus meiner Zeit als Manager von Atlético Paranaense wie Cleber Santana, Trainer Caio Junior war ein Freund aus Curitiba. Als ich Anrufe aus Deutschland und den Vereinigten Staaten bekommen habe, war es interessant zu sehen, dass die Arbeit Caios und aller von Chapecoense gelobt wird.

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SPORT1: Chapecoense ist mit kontinuierlicher Arbeit nach oben gekommen. Das Unglück ereignete sich in der besten Phase des Vereins. Wie lässt sich das verarbeiten?

Rink: Ich bin besonders schockiert, eben weil es ein so glücklicher Moment für den Klub war. Chapecoense hatte einen meteoritenhaften Aufstieg hinter sich, ist in sieben Jahren von der vierten in die erste Liga aufgestiegen und stand nun im Finale der Copa Sudamericana - der Höhepunkt der Vereinsgeschichte.

SPORT1: Und nun dieses Unglück. Sie haben bestätigt, dass es drei Tage Trauer in Curitiba geben wird. Wie soll es denn mit Chapecoense weitergehen?

Rink: Alles zu seiner Zeit. Jetzt ist der Moment, um sich mit Chapecoense zu solidarisieren. Und der des Klubs, um die Familienangehörigen zu stützen. Mit mehr emotionaler Stabilität kann Chapecoense dann planen, wenn es versucht, alles wieder aufzubauen.

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