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Reinhard Grindel ist ins Exekutivkomitee gewählt worden © Getty Images

Reinhard Grindel tritt die Nachfolge von Wolfgang Niersbach auch bei UEFA und FIFA an. Der Chef des DFB ist nun Teil der höchsten Entscheidungsebene des Fußballs.

Als sein wundersamer Aufstieg in die höchsten Machtzirkel des Weltfußballs perfekt war, stand Reinhard Grindel kurz auf und bedankte sich nickend für den warmen Applaus.

"Dieses Vertrauen ist bemerkenswert", sagte der DFB-Chef nach seiner Wahl ins Council des Weltverbandes FIFA und ins Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union, in dem er sogar direkt zu einem der fünf Vizepräsidenten ernannt wurde - der Weltmeister ist wieder wer in den krisengeplagten Verbänden.

Der 55-Jährige ersetzt Wolfgang Niersbach (66), der im vergangenen Sommer wegen des Sommermärchen-Skandals gesperrt worden und infolge dessen im Dezember von seinen internationalen Ämtern zurückgetreten war.

Grindels Amtszeit in der UEFA läuft vier, in der FIFA noch zwei Jahre.

"Es ist wichtig, dass wir als DFB die Möglichkeit bekommen, bei sportpolitischen Entscheidungen in der UEFA und FIFA unsere Position am Beratungstisch deutlich machen zu können", sagte Grindel, der erst knapp vor einem Jahr an die DFB-Spitze gewählt worden war.

Im September 2018 vergibt das UEFA-Exko die EM 2024, um die sich Deutschland und die Türkei bewerben. 

DFB hat im FIFA-Council Gewicht 

Die erste offizielle Dienstreise führt Grindel Anfang Mai zum FIFA-Kongress nach Bahrain. Erstmals nimmt dann ein deutscher Vertreter an einer Sitzung des neu formierten Council teil.

"Es gibt eine Menge Arbeit zu leisten, und wir werden sie in voller Stärke brauchen", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino in Richtung der "Neuen".

Neben Grindel, der bei der gesonderten Wahl für Niersbachs Mandat keinen Gegenkandidaten hatte, wurden drei weitere UEFA-Funktionäre in die FIFA entsandt (jeweils für vier Jahre).

"Die UEFA hat einen Meilenstein in Richtung von Reformen, Offenheit und Transparenz gesetzt", sagte Grindel, der als "Vize" künftig für den Bereich Governance verantwortlich ist: "Das halte ich für vorbildlich, und ich erwarte, dass das in der FIFA genauso stattfinden wird." Das hohe FIFA-Gehalt (mindestens 300.000 Euro pro Jahr) wird Grindel mit dem Verdienstausfall, den er als DFB-Präsident erhält (80.000 Euro), verrechnen.

"Ich habe sehr gute Kontakte nach Asien, auch nach Afrika und ich bin innerhalb Europas ganz gut vernetzt", sagte Grindel im ZDF-Interview: "Ich glaube schon, dass das Wort des DFB im FIFA-Council Gewicht hat." 

Üppiges Gehalt für neue Rolle

Die FIFA überweist nun jährlich mindestens 300.000 Euro an Grindel. "Ich werde den Verdienstausfall, den ich als DFB-Präsident erhalte (80.000 Euro pro Jahr, d. Red.), mit meinen internationalen Vergütungen verrechnen", kündigte Grindel an.

Zudem werde er sich "noch Gedanken" darüber machen, das Geld eventuell für wohltätige Zwecke zu spenden.

Der "Weltmeister-Präsident" erhielt die fünftmeisten Stimmen (44 von möglichen 55). Dafür war er in den vergangenen Wochen um die halbe Welt gereist, um Werbung in eigener Sache zu betreiben.

Der UEFA-Kongress segnete außerdem eine Reihe von Reformen ab, die der neue Verbands-Präsident Aleksander Ceferin auf den Weg gebracht hatte. Unter anderem greift nun eine Amtszeitbeschränkung (dreimal vier Jahre) für die Exko-Mitglieder und den Präsidenten. 

Zusatzmillionen für Verbände

Zudem dürfen nur noch "aktive" Funktionäre, also (Vize-)Präsidenten und Generalsekretäre der Nationalverbände, ins Exko gewählt werden.

Die mächtige Klub-Vereinigung ECA bekommt im Exekutivkomitee zwei Sitze (mit Stimmrecht) - einen davon wird wahrscheinlich Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge besetzen, der wie Andrea Agnelli (Juventus Turin) bislang nur kooptiertes Mitglied war.

Alle 55 UEFA-Verbände dürfen sich zudem jeweils auf eine zusätzliche Million Euro freuen, die sofort ausgeschüttet wird. "Die UEFA ist nicht dazu da, um Reichtümer anzuhäufen", sagte Ceferin.

Insgesamt setzte die UEFA im Finanzjahr 2015/16 (1. Juli bis 30 Juni) 4,58 Milliarden Euro um und machte 102,1 Millionen Euro Gewinn. 

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