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Vitaly Mutko (l.) hat ein Fehlverhalten auch an der Seite von FIFA-Präsident Gianni Infantino bestritten
Vitaly Mutko (l.) hat ein Fehlverhalten auch an der Seite von FIFA-Präsident Gianni Infantino bestritten © Getty Images

Der Präsident des russischen Fußballverbandes Vitali Mutko wird vom IOC für alle olympischen Funktionen gesperrt. Die FIFA bleibt zurückhaltend.

Der russische Vize-Premierminister Witali Mutko ist am Dienstag vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) lebenslang für alle olympischen Funktionen gesperrt worden.

Die Strafe, die die IOC-Exekutive zusammen mit zahlreichen weiteren Sanktionen wegen des Staatsdopingsystems gegen Russland verhängte, setzt auch den Fußball-Weltverband FIFA unter Druck: Mutko ist Vorsitzender des Organisationskomitees der WM-Endrunde 2018 und Präsident des russischen Fußballverbandes RFS.

Keine Stellungnahme der Ethikkomission

"Die FIFA hat die Entscheidung des IOC bezüglich der Teilnahme russischer Athleten an den kommenden Olympischen Winterspielen zur Kenntnis genommen", hieß es in einer FIFA-Stellungnahme am Dienstagabend. Die Entscheidung habe "keinen Einfluss auf die Vorbereitungen" der WM-Endrunde, "da wir weiterhin daran arbeiten, die bestmögliche Veranstaltung zu liefern".

Ob die FIFA-Ethikkommission noch eingreifen wird, ließ der Weltverband offen. "In Bezug auf mögliche disziplinarische oder ethische Angelegenheiten, die bestimmte Personen betreffen, obliegt es den jeweiligen FIFA-Organen, diese zu bewerten." Die Ethikkommission meldete sich zunächst nicht zu Wort.

Das IOC lässt russische Athleten bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) nur unter neutraler Flagge starten. Der Ringeorden sieht es als erwiesen an, dass Mutko als Sportminister verantwortlich für das Betrugssystem war, das während der Winterspiele in Sotschi 2014 seinen Höhepunkt erreichte. Dort wurden mit Hilfe des Geheimdienstes FSB Dopingproben russischer Athleten und Medaillengewinner ausgetauscht und manipuliert.

Die Analyse der Beweise demonstriert, dass der WADA-Code unter der Verantwortung des russischen Sportministeriums nicht respektiert wurde. Der damalige russische Sportminister hatte die ultimative administrative Verantwortung für die verübten Handlungen in dieser Zeit", schreibt IOC-Ermittler Samuel Schmid in seinem Bericht, den das IOC am Dienstagabend veröffentlichte.

Mutko bestreitet Vorwürfe

Mutko, der bis März 2017 auch dem FIFA-Board angehörte, hatte in den vergangenen Wochen und Monaten jegliches Fehlverhalten vehement und andauernd bestritten - am vergangenen Freitag vor der Endrunden-Auslosung im Kreml auch an der Seite des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino.

"Es hat nie ein staatlich gelenktes Dopingsystem in Russland gegeben. Und es wird auch nie eins geben", hatte Mutko gesagt: "Das brauchen wir hier nicht. Diese ständigen Vorwürfe und Spekulationen zielen nur darauf ab, unser Land zu diskreditieren."

Im Report des Kanadiers Richard McLaren, Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, war Mutko erstmals als Drahtzieher genannt worden.

Der Whistleblower Gregorij Rodtschenkow hatte den Sportminister schwer belastet. In McLarens Bericht waren auch 34 russische Fußballer als dopingverdächtig genannt worden, darunter der gesamte WM-Kader von 2014. Die FIFA hat bislang nur fortwährend beteuert, den Fall weiter zu untersuchen. Sanktionen gegen Russland hat sie bislang nicht ergriffen.

"Wir sollten keine Entscheidungen treffen, bevor Entscheidungen getroffen sind", sagte Infantino am Freitag: "Wir müssen die Ergebnisse abwarten, sollten vorsichtig mit Vorverurteilung sein. Wir dürfen nicht alles schwarzmalen, was aus dem Osten kommt, und sagen: Bei uns gibt es keine Korruption, kein Doping."

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