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Radamel Falcao kehrt dem AS Monaco ebenso den Rücken wie James Rodriguez © Getty Images

München - Monaco plante den Großangriff auf Europa. Nun macht sich der Geldgeber rar: Stars müssen gehen, ein Titel ist in weiter Ferne.

Die Aufbruchsstimmung ist dahin.

"Ich glaube, dass der Klub großes Potenzial besitzt. Und ich hoffe, dieses Potenzial in Frankreich und in Europa wecken zu können", freute sich Dimitri Ribolowlew Ende 2011, nachdem er die Mehrheitsanteile bei der AS Monaco übernommen hat (Die Ligue 1 LIVE im TV auf SPORT1+).

Knapp drei Jahre später steht das ambitionierte Projekt vor dem Aus: Ribolowlew macht sich rar, die Stars flüchten und in der Liga stehen selbst die Aufsteiger Metz, Lens und Caen besser da.

Ribolowlew ließ Taten folgen

Dabei war der Düngemittelproduzent Ribolowlew der große Hoffnungsträger. Als er bei den Monegassen einstieg, war der Klub aus dem Fürstentum gerade in den Niederungen der zweiten französischen Liga angekommen. Der Glanz des siebenmaligen Meisters war längst verblasst. Ribolowlew versprach die Wende.

Der russische Milliardär wollte dreistellige Millionenbeträge investieren, und er hielt Wort. Allein in der Saison 2013/2014 investierte der Klub 178 Millionen Euro in neue Spieler - darunter Kracher wie Falcao und James Rodriguez. Einen Steuerstreit mit dem Ligaverband LFP legte der Klub mit der Einigung einer Zahlung von 50 Millionen Euro bei - zahlen musste der Klub letztlich nur die Hälfte.

Nach dem Geldsegen ließ der sportliche Erfolg nicht lange auf sich warten: Der Wiederaufstieg gelang unter Startrainer Claudio Ranieri souverän, und auf Anhieb waren die Monegassen hinter Paris St. Germain zweite Kraft in der Ligue 1. Von der zweiten Liga in die Champions League - Ribolowlews Vision wurde im Eiltempo Realität.

Druck von der UEFA

Doch während es sportlich lief, bröckelte es hinter den Kulissen bereits: Im Juli erhielt der Klub Post von der UEFA. Der Grund: Verstöße gegen das Financial Fairplay.

Laut "France Football" hätte der Verein in den vergangenen drei Jahren 45 Millionen Euro Verlust angehäuft, der lediglich durch Finanzspritzen von Ribolowlew aufgefangen wurde. Es drohten empfindliche Strafen bis hin zum Ausschluss aus der Champions League.

Und auch beim Selfmade-Milliardär drückte auf einmal der Schuh: Kolportierte vier Milliarden Franken kostete den Russen im Sommer die teuerste Scheidung der Welt. Zudem wird in seinem Heimatland wegen eines Grubenunglücks in einer seiner Kaliminen gegen ihn ermittelt.

Ribolowlew vor dem Ausstieg

Nun droht ihm auch noch die Einfrierung seiner europäischen Konten aufgrund der EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

Ribolowlew macht sich inzwischen rar: Im immer noch mäßig besuchten Stade Louis-II ließ er sich in der laufenden Saison nicht mehr sehen. Der Zeitung "Liberation" zufolge plane der Mäzen den kompletten Ausstieg aus dem Fußballgeschäft.

Monaco versucht derweil angesichts des Damoklesschwerts Financial Fairplay verzweifelt, die Bilanzen geradezubiegen.

Stars müssen gehen

Unlängst veräußerte der Klub seine Marketingrechte, und auch der Kader wurde zurechtgestutzt: Der Kolumbianer James Rodriguez wechselte für 80 Millionen Euro zu Real Madrid. Landsmann Falcao und damit 18 Millionen Euro Jahressalär sind mit einer Leihe zu Manchester United von der Gehaltsliste gestrichen.

Die Zeit der Stars ist in Monaco nach einer Saison Titelkampf schon wieder vorbei. Teuerster Neuzugang dieses Sommers war der in Bremen spektakulär gescheiterte Abwehrmann Aymen Abdennour.

"Es gibt einen Wandel in der Transferpolitik, aber er ist nicht brutal. Ich habe immer gesagt, dass wir nach den Verpflichtungen von Moutinho, Falcao und James weniger investieren werden", verteidigte Vizepräsident Wadim Wasiljew die Abgänge.

"Es ist ein neues Projekt"

"Ursprünglich waren die Ziele ambitionierter, als sie es heute sind. Die Zielsetzung wurde etwas zurückgefahren. Aber die Mannschaft ist immer noch ambitioniert", sagte der neue Trainer Leonardo Jardim: "Taktisch hat sich das Projekt auch verändert. Diese Mannschaft hat nicht mehr eine so große offensive Durchschlagskraft."

Der Aderlass hat Folgen: Mit vier Punkten und vier Toren aus vier Partien steht Monaco in der Liga auf Rang 15. Tabellenführer Girondins Bordeaux watschte den Champions-League-Finalisten von 2004 mit 4:1 ab.

"Unser Vizepräsident Wadim Wasiljew hat sich klar zu dem Projekt geäußert. Es hat sich etwas geändert, es ist ein neues Projekt", stellte Jardim klar.

Ziel ist nun, den Kopf über Wasser zu halten. Der Großangriff des Fürstentums währte nur kurz.

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