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Die Aufregung um Zlatan Ibrahimovic setzt umgehend Gerüchte in Gang, dass der Stürmer PSG verlassen könnte. Ein verlockendes Gedankenspiel - doch es gibt gewichtige Gründe dagegen.

Soll er doch das Land verlassen.

Wer hätte gedacht, dass Zlatan Ibrahimovic je so eine Aufforderung zu hören bekommen würde.

Gut, die Aufforderung kam von Marine Le Pen, der Parteichefin des rechtspopulistischen Front National, die die Aufregung um Ibrahimovic' Verfluchung des Landes Frankreich auf durchsichtige Weise für sich zu nutzen versuchte.

Trotzdem: Der schwedische Stürmerstar hat schon wirklich etwas angerichtet mit seinem Emotionsausbruch nach der Niederlage seines Klubs Paris St. Germain bei Girondins Bordeaux.

Attacken von links und rechts

"Dieses Land verdient PSG nicht", hatte er befunden, bei seinen auf schlechtem Englisch vorgetragenen Worten ließ sich gar so verstehen, dass er Frankreich als "Scheißland" bezeichnete.

Nicht nur Politiker aus der rechten Ecke wiesen ihn dafür zurecht. "Er soll Fußball spielen und die Klappe halten", empörte sich auch ein Parlamentsabgeordneter der sozialistischen Regierungspartei. Selbst der Sportminister schaltete sich ein, verlangte (und bekam) eine Entschuldigung Ibrahimovics.

Und noch eine Konsequenz hatte die Aufregung um Ibrahimovic' Entgleisung: Sie löste sofort Gerüchte aus, dass Ibrahimovic das Land wirklich verlassen könnte.

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Eine umstrittene Entscheidung von Schiedsrichter Lionel Jaffredo (r.) löste bei Zlatan Ibrahimovic den Unmut aus © Getty Images

Schnell geschürte Wechselgerüchte

Ein englischer Wettanbieter brachte am Montag die Behauptung in Umlauf, dass der FC Liverpool Ibrahimovic gewiss nehmen würde, wenn Ibrahimovic jetzt in Frankreich unten durch sei - Quote: 8:1.

Das Boulevardblatt Metro griff es begeistert auf - und schnell ging das bekannte Spiel los auf den Foren und den sozialen Medien. "Ibrahimovic is heavily linked with…" Und so weiter.

Verlockendes Gedankenspiel

Verlockend ist das Gedankenspiel ja: Ibrahimovic ist in seiner Karriere eher der Typ Wandervogel gewesen, spielte in 15 Profijahren für sieben Vereine, für keinen davon länger als drei Jahre.

Seine drei Jahre in Paris sind im Sommer um, der Vertrag läuft bis 2016, eine Ablösesumme könnte PSG also noch kassieren.

Und außerdem: In der Premier League hat Ibrahimovic ja noch nie gespielt - wäre das nicht noch mal eine Herausforderung, die Zlatan der Große, suchen kann? Suchen muss?

Ibrahimovic' Plan: PSG als letzter großer Klub

Bei genauerer Betrachtung gibt es dann aber doch ein paar Punkte, die dieser Logik widersprechen:

Da ist Zum Beispiel das, was Ibrahimovic PSG bei seiner Vertragsverlängerung im Herbst 2013 gesagt hat. "Mein Wunsch ist, dass PSG mein letzter großer Klub sein wird", hielt er damals fest.

Es dürfte mehr als eine Branchenfloskel gewesen sein: PSG bietet dem 33 Jahre alten Schweden die traumhafte Mischung aus absurd hohem Gehalt (15 Millionen Euro netto pro Jahr) und sportlich blendenden Aussichten.

Zur Erinnerung: PSG hat soeben den FC Chelsea aus der Champions League geworfen, den aussichtsreichsten Bewerber der englischen Liga.

Eine Verbindung zum Nutzen beider

Umgekehrt ist auch Ibrahimovic für PSG und seine katarischen Geldgeber von riesigem Wert, als Torjäger, Anführer und weltweit bekannter Imageträger.

Klubchef Nasser Al Khelaifi sprach im vergangenen Jahr gar davon, dass Ibrahimovic nach seinem Karriere-Ende Sportdirektor bei PSG werden könnte - der "beste Sportdirektor der Welt", versteht sich.

"Er ist ein wirklich harter Verhandler", hielt Al Khelaifi fest: "Ich weiß das, denn er hat mit uns verhandelt. Jeder respektiert ihn."

Schnell wegmoderiert

Es spricht wenig dafür, dass die jüngste Aufregung etwas daran geändert hat.

Das Tempo, mit dem PSG am Sonntagabend ein Entschuldigungs-Statement Ibrahimovics organisierte, zeigte im Gegenteil deutlich den Willen des Klubs, die Angelegenheit schnell wegzumoderieren.

Ein Abgang Ibrahimovics dürfte da wirklich erst im Sommer 2016 ein Thema werden, ein lukratives, sportlich weniger forderndes Gastspiel in den USA oder anderswo bietet sich an.

"Niemand wird meine Meldung ändern"

Im Moment dagegen gilt das, was Ibrahimovic am Montag hat verlauten lassen: "Ich habe eine fantastische Zeit hier in Paris, ich bereue nichts - und niemand wird meine Meinung ändern."

Marine Le Pen wohl am wenigsten von allen.

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