Video

München - Trotz des sportlichen Erfolgs gibt es bei PSG schon bemerkenswert viele Irritationen um Neymar. Real Madrid bringt sich offen als Alternative in Stellung.

Sergio Ramos hat die Gelegenheit, etwas Öl in dieses Feuer zu schütten, nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Neymar unglücklich bei Paris Saint-Germain? Und demnächst deshalb bei Real Madrid? Prima Sache, befand der Kapitän des Champions-League-Titelverteidigers.

"Von mir aus kann er schon im Dezember kommen", kommentierte der 31-Jährige beim Radiosender Cadena Ser: "Ich hätte gerne die Besten in Madrid, und Neymar ist einer von ihnen. Jetzt wäre es wohl etwas einfacher, als ihn direkt von Barcelona zu holen. Dafür öffne ich ihm gerne die Tür."

Im Sommer für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu PSG, dann im Winter weiter zu Real, vielleicht dann ja für 333 Millionen, mal sehen: Das wäre schon was.

Schon viele Irritationen um Neymar

Tatsächlich wird es so wohl nicht kommen (wobei: wer weiß?). Trotzdem fragen sich mittlerweile immer mehr Szenebeobachter, ob nicht die Neymar-PSG-Story als Missverständnis enden wird - obwohl sportlich bislang ja alles nach Plan läuft beim Gruppengegner des FC Bayern.

Trotz Platz eins in Liga und Champions League, trotz Torfestivals in Serie: Recht lang ist mittlerweile schon auch die Liste der Irritationen, über die aus Paris berichtet wird.

Die Teamkollegen seien angefressen wegen Neymars Allüren - Stichwort: Elfer-Zoff mit Edinson Cavani - und seiner vertraglichen Privilegien. Er selbst vermisse die sportliche Herausforderung in der Ligue 1 und Coach Unai Emery nehme er auch nicht richtig ernst.

Einen "Graben" zwischen Neymar und Emery diagnostizierte soeben die tonangebende Sportzeitschrift L'Equipe. Neymar hat jegliche Berichte über ein schlechtes Verhältnis mit Emery mittlerweile als Lüge zurückgewiesen, ob er sie damit zum Verstummen bringt, muss sich zeigen.

Eine heikle Verbindung

Tatsächlich gilt die Konstellation Neymar/Emery seit längerem als heikel: Emery hat sich beim Europa-League-Seriensieger FC Sevilla einen Ruf als tadelloser Fachmann erworben, als Dompteur launischer Super-Verdiener hat er sich aber noch nicht bewiesen.

Der Sonderstatus, den Neymar bei PSG ausgehandelt hat, soll dem baskischen Trainer eigentlich zuwider sein und seinen Überzeugungen widersprechen.

FBL-FRA-LIGUE1-PSG-TRAINING
Unai Emery (l.) trainiert PSG seit Sommer 2016 © Getty Images

Nach Emerys durchwachsener Debütsaison, in der er weder in der Liga noch in der Champions League das Saisonziel zu erreichen vermochte, ist er jedoch nicht in der Position, dem Neymar-Irrwitz Grenzen zu setzen.

Einen Machtkampf mit dem Prestige-Transfer würde Emery aller Wahrscheinlichkeit nach verlieren. Längst gibt es Gerüchte, dass PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi ihn mittelfristig durch einen Promi-Coach wie Jose Mourinho austauschen will.

Die Risiken bleiben

Das Problem, das bleiben wird, so oder so: Das vielbeschworene "Projekt PSG" ist trotz aller Katar-Millionen mit Risiken behaftet. Es steht und fällt damit, ob der neureiche Klub in der Königsklasse den nächsten Schritt macht.

Der unglamouröse Alltag in der Ligue 1 ist dabei noch immer ein Bremsklotz. Anders als die anderen europäischen Topklubs hat PSG keine großen nationalen Rivalen, das macht es schwerer, einen Spannungsabfall im Vergleich zur Champions League zu verhindern - und die Stars bei Laune zu halten.

Bei Neymar soll PSG das bereits spüren: Das katalanische Blatt Sport berichtete zuletzt, dass Neymar in der Ligue 1 den Reiz vermisst - und zuletzt das Duell mit SCO Angers sausen gelassen habe, um sich für die Nationalmannschaft zu schonen. Offiziell fehlte er wegen Muskelproblemen und Unwohlsein.

Gut möglich, dass sich all diese atmosphärischen Störungen in Wohlgefallen auflösen, wenn es sportlich weiterhin läuft. Möglich aber auch, dass sie dazu beitragen, dass es sportlich irgendwann nicht mehr läuft - und sich dann entladen.

Madrid als Alternative? Naheliegend

Madrid wäre in dem Fall ein naheliegender Fluchtweg für Neymar: Real ist als europäische Großmacht etabliert, zahlungskräftig und sucht mittelfristig einen Nachfolger für Cristiano Ronaldo.

Der 25-Jährige würde sowohl sportlich als auch vermarktungstechnisch in dessen Fußstapfen passen und das Faible von Boss Florentino Perez für teure Superstar-Transfers ist bekannt. Ein Sondierungsgespräch mit Neymar-Berater Wagner Ribeiro soll es bereits gegeben haben.

Neymar stand schon 2006, als Jugendspieler, kurz vor einem Engagement bei Real. Dass er jetzt davor zurückschrecken würde, als ehemaliger Barca-Spieler zum Erzrivalen zu wechseln: höchst unwahrscheinlich.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel