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Lukas Podolski-Per Mertesacker-FC Arsenal-Torjubel
Lukas Podolski und Per Mertesacker spielen seit 2012 gemeinsam beim FC Arsenal © getty

London - Per Mertesacker ist derzeit als einziger Deutscher in England Stammspieler. Bei SPORT1 erklärt er, warum das nicht so bleibt.

Von Marc Schäfer

Drei Siege in Folge. Drei Spiele ohne Gegentor. Beim FC Arsenal geht es langsam wieder aufwärts.

Maßgeblich beteiligt an diesem Aufschwung ist Per Mertesacker.

Im SPORT1-Interview spricht der Ex-Nationalspieler über die aktuelle Situation des Tabellensechsten, sein besonderes Verhältnis zum Franzosen Laurent Koscielny und erklärt, warum die "Gunners" Lukas Podolski unbedingt halten sollten.

SPORT1: Beim 1:0 gegen Southampton sind Sie mit Arsenal zum dritten Mal in Folge ohne Gegentor davongekommen.

Per Mertesacker: Ich glaube, wir sollten diese Ausrichtung jetzt beibehalten. Hinten sicher stehen und auch mal 1:0 gewinnen. Das war uns zwischenzeitlich etwas abhanden gekommen. Aber wir sollten wieder mehr darauf bauen, denn das ist vielleicht etwas erfolgreicher. Southampton hat in dieser Saison schon beeindruckende Leistungen gezeigt. Es war uns klar, dass es ein hartes Stück Arbeit wird. So etwas kann dann auch mal bis in die letzten fünf Minuten dauern.

SPORT1: Bei 13 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter FC Chelsea wird es höchste Zeit für eine Aufholjagd.

Mertesacker: Ja. Wir müssen jetzt unsere Spiele gewinnen. Ich glaube, wir haben nun den Weg gefunden, wie das für uns im Moment am besten machbar ist. Man sieht, dass wir mehr Tiefe im Kader haben. Gegen Southampton kam Olivier Giroud ins Spiel und hat sofort zwei, drei gute Chancen oder ist über Flanken gefährlich. Durch die Verletzungen fehlen uns noch einige kreative Spieler, daher ist uns auch die Kreativität abhanden gekommen. Jack Wilshere und Mesut Özil sind ja immer für unerwartete Dinge gut. Je schneller sie zurückkommen, desto besser wird das. Gegen Southampton haben wir einige Bälle verdaddelt und schwere Pässe gespielt, die dann nicht ankamen. Trotzdem wurden wir nicht unsicher und haben weiter versucht, defensiv stabil zu stehen. Das machen wir derzeit überdurchschnittlich gut.

SPORT1: Nach einer langen Verletzungspause haben Sie endlich Ihren Partner Laurent Koscielny in der Innenverteidigung wieder neben sich. Ein gutes Gefühl?

Mertesacker: Das ist doch klar. Wir beide haben ein ganz besonderes Verhältnis. Nacho Monreal ist eigentlich Außenverteidiger und musste Laurent ersetzen. Er hat das gut gemacht. Über einen gewissen Zeitraum ist das auch kein Problem, aber so im zehnten, elften Spiel, spielt man dann doch schon lieber mit seinem gewohnten Partner. Mit Laurent sind wir insgesamt natürlich noch besser aufgestellt.

SPORT1: Was macht diese Zusammenarbeit aus?

Mertesacker: Wir kennen uns lange und sind perfekt eingespielt. Es ist sehr wichtig, dass man die ganzen Abläufe drin hat. Das ist super abgestimmt. Wir ergänzen uns prima. Ich kann mich 100 Prozent auf ihn verlassen. Er kann natürlich andere Qualitäten in die Waagschale werfen als ich. Er ist super schnell. Ich kann mehr mit Auge Bälle ablaufen. Wir sind ein gutes Duo.

SPORT1: Sie sind derzeit der einzige deutsche Spieler, der in der Premier League gesetzt ist.

Mertesacker: Ich freue mich natürlich sehr darüber, dass ich das Vertrauen bekomme, obwohl ich aus der Nationalmannschaft zurückgetreten bin, und dass ich hier eine gute Rolle spiele. Aber auch ich muss in jedem Spiel Leistung bringen. Derzeit läuft es gut.

SPORT1: Lukas Podolski bei Arsenal, Andre Schürrle bei Chelsea und Emre Can bei Liverpool straucheln und kämpfen um den Anschluss an die erste Elf. Mesut Özil ist verletzt.

Mertesacker: Man sieht daran, dass die Liga physisch stark ist und einem alles abverlangt wird. Da sind Spieler öfter mal verletzt oder außen vor. Die Entwicklung geht aber dahin, dass immer mehr Deutsche im Ausland gefragt sind. Das ist das Entscheidende. Vor 15 Jahren gab es in England mit Lehmann, Babbel oder Hamann nur vereinzelt Profis aus Deutschland. Mit dem WM-Titel, Bayern München an der Spitze und Spielern, die im Ausland Akzente setzen, steht der deutsche Fußball sehr gut da. Für die Nationalmannschaft ist es gut, dass sich Spieler im Ausland zu Persönlichkeiten entwickelt haben. Auch Andre Schürrle ist in England gewachsen. Diese Stärke hat er in Brasilien eingebracht.

SPORT1: Dennoch sitzt er derzeit meist auf der Bank.

Mertesacker: Wir oder auch Chelsea sind vor allem in der Offensive einfach brutal gut besetzt, trotzdem sehe ich bei Andre und auch bei Lukas die Qualitäten, eine gute Rolle zu spielen. Ich habe Andre in dieser Saison bei Chelsea schon brillant gesehen. Man darf nicht vergessen, dass ein Wechsel ins Ausland ein kompletter Neuanfang ist. Es ist nicht einfach, sich den Respekt zu erarbeiten. Da muss man erst mal konstant über einem gewissen Level spielen. Der Maßstab ist hoch, aber trotzdem bin ich überzeugt, dass sie noch für Furore sorgen werden.

SPORT1: Lukas Podolski kokettiert allerdings schon seit einigen Wochen mit einem Wechsel.

Mertesacker: Ich würde ihn auf keinen Fall gehen lassen. Er bringt als Spieler und Person eine Qualität rein, die uns guttut. Er ist sofort da, wenn er ins Spiel kommt. Das sehe ich bei Andre ähnlich. Dank seiner Schnelligkeit und seiner Cleverness. Nach der WM ist es aber schwer für alle deutschen Nationalspieler, diese letzte Motivation zurückzubekommen und alles zu vergessen, was im Sommer war. Das ist eine große Aufgabe. Der Alltag fällt schwer nach so einem Triumph. Man konnte nicht richtig feiern, der Urlaub war so schnell vorbei. Eigentlich braucht man wahrscheinlich ein dreiviertel Jahr, aber dann ist die Saison fast schon wieder vorbei. Deswegen muss man sich sehr zusammenreißen. Vielleicht tut es Andre und Lukas auch ganz gut, dass sie jetzt eine kleine Pause haben. Es kommt jetzt die Zeit, in der wir alle drei, vier Tage ein Spiel haben. Da wird man sehen, dass alle wieder Fuß fassen.

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