München - Ob in der aktuellen Krise des FC Arsenal oder im Fall Lukas Podolski: Trainer Arsene Wenger hechelt nur noch hinterher.

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Je mehr man an seinen Schluckauf denkt, desto heftiger will er raus, nach oben, bis der ganze Oberkörper zuckt. "Jedesmal, wenn es so aussieht, als könnten wir eine Serie starten, bekommen wir Schluckauf", sagte Arsenals Trainer Arsene Wenger nach dem 0:2 seiner Mannschaft in Southampton.

Immerhin vier Spiele ohne Niederlage hatten die Londoner davor durchgehalten. Arsenal ist nur noch Sechster, jetzt auch hinter dem herzlich verhassten Tottenham, und droht Platz vier aus den Augen zu verlieren (DATENCENTER: Die Premier League). Platz vier, der in den letzten Jahren immer Arsenals Sehnsuchtsort war, das Versprechen auf ein weiteres Jahr Champions League. Und oft genug Arsene Wengers Rettung.

Lukas Podolski erlebte all das nur aus der Ferne. Kurzfristig strich Wenger ihn am Donnerstag aus dem Kader, offiziell wegen einer Oberschenkelverletzung. Wenger musste selbst grinsen, als er das verkündete. Am Freitag berichteten dann englische und italienische Medien übereinstimmend: Noch am Wochenende wird Podolskis Leihe zu Inter Mailand perfekt gemacht. Die 17 Minuten als Joker am 13. Dezember beim 4:1 gegen Newcastle waren also vermutlich Podolskis letztes Spiel für Arsenal in dieser Saison.

Özil schon am Sonntag im Kader?

Podolski ist also weg, Mesut Özil dagegen schon bald wieder da. Laut "Bild"-Zeitung ist er für das nächste Ligaspiel am 11. Januar gegen Stoke eingeplant und könnte sogar schon am Sonntag im FA Cup gegen Hull City wieder im Kader stehen.

Für beide ist die Saison bislang eine riesige Enttäuschung, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Özil dürfte bei voller Fitness sofort gesetzt sein, Podolski dagegen kratzte sich zuletzt seine Einsatzminuten einzeln zusammen.

Arsenal auf dem Weg nach unten

Fest steht aber: Arsenal bewegt sich nach Jahren der Stagnation aktuell nach unten. Dabei wird der Klub in England schon seit Jahren als derjenige wahrgenommen, bei dem Potenzial und Ergebnis am weitesten auseinander liegen. Wenger hat sich permanent zu rechtfertigen und kämpft mittlerweile vor allem um seinen Job.

Podolski hat zwar in London nie die Erwartungen voll erfüllt, sein Wechsel riecht nach Flucht. Die sportliche Krise macht ihm den Abschied aber leicht. Viele Fans haben sich abgewandt. In Southampton lief ein Zuschauer auf den Platz und bestürmte Wenger; zwar wohl ein Anhänger der Gastgeber, aber auch das ist ein Signal für Wengers geschmolzenes Ansehen. Nach dem 2:3 in Stoke am Nikolaustag hatten Fans den Trainer bereits auf einem Bahnsteig bepöbelt.

Endlich bei den ganz Großen

Die Kritik zielt vor allem auf Wengers Transfers. Oder besser: auf seine Nicht-Transfers. Vor eineinhalb Jahren flexten die Fans bereits die Muskeln, als Wenger zum ersten Mal überhaupt die eigene Geldbörse richtig rannahm und Özil für rund 50 Millionen Euro holte. Endlich schließt Arsenal zu den ganz Großen auf, so die Hoffnung. Das Geld ist schließlich da.

Seitdem gelang Wenger mit Alexis Sanchez zwar immerhin noch ein Top-Transfer - im Sommer weigerte er sich aber, in der Abwehr nachzubessern. In Southampton stand ihm seine erste Viererkette zur Verfügung, trotzdem krachte es hinten gewaltig.

Szczesny und Koscielny sehen schlecht aus

Torhüter Wojciech Szczesny patzte bei beiden Gegentreffern, Laurent Koscielny kam regelmäßig zu spät und auch Per Mertesacker hatte nichts mehr zu retten. Fällt auch nur einer der beiden Innenverteidiger aus, muss Wenger schon improvisieren, denn dahinter wartet kein etatmäßiger Ersatz.

Die Mannschaft ist aus dem Gleichgewicht. In so einem Umfeld funktioniert Podolski nicht. Er braucht Kollegen, die ihn auf dem Platz tragen und ihm den Raum für seine Sprints schaffen. Auch deshalb ist ein Wechsel wohl unausweichlich.

Plötzliche Wende

Hier macht Wenger ebenfalls keine überzeugende Figur: Erst bezeichnete er ein angebliches Angebot von Inter als "Witz", pochte wochenlang darauf, dass Podolski bleibe - nur um dann bei Vollgas plötzlich zu wenden. Wie bei seinen sportlichen Entscheidungen hechelt er hinterher.

Bei Inter erwartet Podolski eine deutlich mauere sportliche Aussicht. Ihm sind aber regelmäßige Einsätze aktuell deutlich wichtiger als etwa die Champions League.

Kritik auch für Mertesacker

Özil auf der anderen Seite kehrt in eine verunsicherte Mannschaft zurück. Selbstvertrauen muss sich Arsenal erst wieder erspielen. Mertesacker ist als Ersatzkapitän für Miguel Arteta weiterhin Stammspieler, doch auch bei ihm gab es zuletzt häufiger kritische Stimmen.

Neue Konkurrenz braucht er aber erst einmal nicht zu fürchten. Denn statt in der Abwehr nachzubessern, kündigte Wenger aufgrund diverser Ausfälle nur Winter-Neuzugänge fürs Mittelfeld an.

Wieder einmal ist der Pokal Arsenals beste Chance auf einen Titel. Trotz einer sehr gesunden finanziellen Lage ist die Spitze in England sehr weit entfernt. Aktuell wäre es für Podolski daher auf dem Rasen kaum besser als auf der Bank.

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