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Philipp Wollscheid Stoke City Applaus
Philipp Wollscheid ist von Bayer Leverkusen an Stoke City ausgeliehen © imago

München - Nach zwei schwierigen Jahren in Leverkusen und Mainz will Phillipp Wollscheid wieder durchstarten. Bei SPORT1 spricht der Verteidiger über die Erfüllung seines England-Traums.

Von Marc Schäfer

Philipp Wollscheid schuftet gerade unter der heißen Sonne von Dubai für seinen Neuanfang im kalten England. Die Nacht nach dem ersten Sieg mit seinem neuen Verein Stoke City hat der 25 Jahre alte Abwehrspieler nicht etwa in einem Club verbracht, sondern in einem Flugzeug.

Der Tabellenzehnte der englischen Premier League brach direkt nach dem 1:0 bei Schlusslicht Leicester City in die Vereinigten Arabischen Emirate auf. Am Persischen Golf nutzt Stoke die neuntägige Spielpause bis zum FA-Cup-Duell beim Drittligisten Rochdale AFC am 26. Januar für ein Trainingslager. Mitten in der Saison.

"Das mag ungewöhnlich sein, aber gerade für mich als neuer Spieler ist es eine gute Sache", sagt Wollscheid im Gespräch mit SPORT1. Nur zwölf Tage, nachdem der Saarländer dem Leihgeschäft zwischen seinem Klub Bayer Leverkusen und den "Potters" zustimmte, musste er schon wieder Koffer packen.

Über Nürnberg in die Nationalmannschaft

Mit dem Engagement auf der Insel, das zunächst bis zum Saisonende gilt, will der Innenverteidiger seine zuletzt ins Stocken geratene Entwicklung wieder vorantreiben.

"Ich hoffe, dass es jetzt wieder besser läuft, aber ich kann auch nur beeinflussen, was in meiner Macht steht. Ich werde alles geben, um der Mannschaft zu helfen", sagt er kämpferisch.

Und fügt an: "Es bringt außerdem nichts, darüber nachzudenken, was passiert, wenn es wieder nicht klappt. Wie immer werde ich in der täglichen Arbeit mein Bestes geben, dann werde ich auch Spielanteile bekommen."

Wollscheid DFB USA-Reise
Im Juni 2013 debütierte Philipp Wollscheid im DFB-Team © Getty Images

Wollscheid war 2009 ablösefrei vom Fünftligisten 1. FC Saarbrücken zum 1. FC Nürnberg gewechselt. Der damalige Club-Coach Dieter Hecking hatte den Abwehrspieler, der nie ein DFB-Leistungszentrum von innen gesehen hatte, in den Bundesliga-Kader geholt.

Für die Franken absolvierte der 1,94 Meter große Hüne 52 Spiele im Oberhaus. 2012 wechselte Wollscheid für sieben Millionen Euro nach Leverkusen. Für die "Werkself" bestritt er in zwei Jahren 51 Bundesliga- und vier Champions-League-Spiele. 2013 debütierte er während der USA-Reise in der Nationalmannschaft.

"Manchmal passt es einfach nicht"

Dann stagnierte seine rasante Entwicklung. Wollscheid verlor seinen Stammplatz - auch aufgrund von Verletzungsproblemen. Zu Saisonbeginn ließ er sich an den FSV Mainz 05 verleihen, um mehr Spielanteile zu bekommen. Doch das Vorhaben scheiterte.

Bei den Rheinhessen stand Wollscheid wegen Oberschenkel-Blessuren ebenso nur fünf Mal auf dem Rasen. Der Frust war so groß, dass die bis zum Saisonende geplante Zusammenarbeit vorzeitig beendet wurde.

"Es ist äußerst schwer zu erklären. In meinen Augen ist auch die Verletzung keine hinreichende Begründung dafür, warum es so gelaufen ist. Ich kann bis heute nicht sagen, woran es gelegen haben könnte. Aber ich will auch nicht mehr darüber nachdenken. Manchmal passt es einfach nicht", sagt Wollscheid.

Gemeinsam mit Arnautovic und Diouf

Der Defensivspezialist schaute sich nach einem neuen Klub um. Von Stoke-Coach Mark Hughes war er gleich angetan: "Ich musste nicht lange überlegen. Es war schnell klar, dass ich diese Chance nutzen wollte."

Mit dem Engagement in der Premier League erfüllt sich für ihn ein "Kindheitstraum". In Stoke spielt Wollscheid nun gemeinsam mit den ehemaligen Bundesliga-Profis Mame Diouf und Marko Arnautovic.

Für den früheren Nationalspieler Robert Huth scheinen die Tage bei den "Potters" dagegen gezählt. Nach einer langwieriegen Knieverletzung und Problemen mit der Wade hat der Verteidiger den Anschluss verloren. Zuletzt stand er im November 2013 in einem Liga-Spiel in der Startformation. Er soll noch im Winter verliehen werden.

Gelungener Einstand bei Stoke City

Für Wollscheid läuft es indes gut. Schon beim ersten Duell beim FC Arsenal schaffte er es in die Startformation, allerdings verlor Stoke 0:3. Auch in Leicester stand er in der ersten Elf - und feierte seinen ersten Sieg.

Die in Stoke erscheinende Zeitung "The Sentinel" zeichnete ihn nach dem Auswärtsieg als "Man of the Match" aus. Auch von Hughes gab es positives Feedback.

"Ich habe rausgehört, dass er bisher mit mir zufrieden ist", sagt Wollscheid und stuft selbst eine Leistungen als "sehr ordentlich" ein.

Sollte es so weitergehen, hofft der zweimalige Nationalspieler, dass auch Bundestrainer Joachim Löw wieder auf ihn aufmerksam wird.

"Wenn man einmal dabei war, hat man die Nationalmannschaft immer im Hinterkopf. Natürlich ist es ein Ziel, dorthin zurückzukehren. So wie es zuletzt gelaufen ist, muss ich mir darüber aber keine Gedanken machen. Erst mal muss ich hier meinen Job so gut wie möglich erledigen", sagt Wollscheid, der gerne über den Sommer hinaus in Stoke bleiben würde.

Doch zunächst will er in Dubai die Grundlagen für den Neu-Start seiner Karriere legen.

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