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Lionel Messin könnte vor einem Wechsel nach England stehen
Lionel Messi wurde vier Mal zum Weltfußballer gewählt © SPORT1

Raphael Honigstein beleuchtet einen möglichen Wechsel von Messi auf die Insel. Er sagt, welche Klubs in Frage kommen.

Die Frage ist nun schon mehr als drei Jahre alt, aber aktueller denn je. "Kann Lionel Messi sich auch an einem kalten Abend in Stoke durchsetzen?" Das wollte im Dezember 2011 der Sky-Kommentator Andy Gray wissen. Rein theoretisch, versteht sich.

In wieweit der Schotte tatsächlich Messis Nehmerqualitäten im herzhaft-ruppigen Britannia Stadium anzweifelte, oder nur so tat, ist schwer zu sagen.

Gray machte jedenfalls nie einen Hehl daraus, dass er in seinem Job als TV-Experte in erster Linie Werbe-Propaganda für die Premier League zu machen pflegte.

Im sonnigen Schönspieler-Land Spanien hätten es Tormaschinen wie Messi oder Cristiano Ronaldo naturgemäß leichter als in der stärkeren, härteren englischen Liga, argumentierte Gray damals. Stoke City, die erbarmungslose Hoch-Weit-Kampftruppe, kam ihm da als Beispiel gerade recht.

Nun könnte, mit etwas Verspätung, Messi es Gray und anderen britischen Kritikern endlich zeigen. Ganz Fußball-England ist in großer Aufregung, nach dem sich der Argentinier zuletzt eindeutig zweideutig ("Ich weiß nicht, was nächstes Jahr sein wird") über seinen Verbleib in Barcelona äußerte.

Kommt er bald in die Premier League, zum großen Show-down gegen Robert Huths und Philipp Wollscheids Stoke? Selbst der (relativ) seriöse Independent machte sich ausgiebig Gedanken, zu welchem englischen Klub der 27-Jährige am besten passen würde. (Einen Wechsel zu Real Madrid oder gar dem FC Bayern kann man sich hier nicht vorstellen).

Die zahlreichen Geschichten über eine angebliche 250-Millionen-Euro-Offerte von Chelsea (so hoch ist die Ausstiegsklausel in Messis Vertrag) und andere Gerüchte schmeckten zwar ein bisschen nach sauren Gurken - hier war wegen der ersten Runde des FA-Pokals zehn Tage lang nicht besonders viel los - aber wenn der beste, zweitbeste Spieler der Welt mit einem Engagement im Vereinigten Königreich kokettiert, darf man ja schon mal ein bisschen spekulieren.

Wäre Messi nicht der perfekte Mann, um Manchester United wieder zu Titeln zu führen oder um Pep Guardiola den Boden bei Manchester City zu bereiten? Gebrauchen könnte ihn wohl jeder ganz gut, irgendwie. Aber es wird wohl eher nichts daraus, zumindest nicht so schnell. Schuld daran sind sieben Buchstaben: FIFA & FFP.

Der Weltverband aus Zürich hat bekannterweise Sanktionen gegen die Katalanen wegen Verstößen gegen die Transferbestimmungen bei Minderjährigen ausgesprochen; der Sportgerichtshof in Lausanne (CAS) hat das Urteil kürzlich bestätigt.

Bis Januar 2016 darf Barca keine neuen Spieler kaufen. Messi gerade jetzt abzugeben, wäre also keine gute Idee - man hätte keine Gelegenheit, die vielen Millionen zu re-investieren.

Selbst wenn die Spanier bereit wären, das Geld ein Jahr lang zu bunkern, müsste sich erstmal ein englische Klub finden, der diesen gigantischen, mit Ablöse und Gehalt in Richtung von 500 Millionen Euro gehenden Deal zu stemmen, ohne dabei gegen das Financial Fairplay (FFP) der UEFA zu verstoßen.

Branchenkrösus Manchester United, das 2013/14 einen Umsatz von 536 Millionen Euro erzielte, könnte das vielleicht mit Ach und Krach schaffen; Manchester City auf keinen Fall, Chelsea auch nicht.

City, in Finanzfragen durchaus kreativ, würde auch der Umweg über Amerika nichts helfen. Nach dem mysteriösen Ausleihgeschäft zwischen ManCity und der amerikanischen Dependance New York City FC in Sachen Frank Lampard überlegten einige Experten, ob NYCFC Messi kaufen und dann gleich an ManCity weiter verleihen könne.

Doch dieses Konstrukt würde an den Bestimmungen von Major League Soccer und auch dem FFP-Kleingedruckten scheitern. Auch Ausleihgeschäfte unterliegen dem Kriterium "fairer Wert". Einen Spieler für 250 Millionen zu kaufen, um ihn für lau oder ein paar Millionen weiter zu verleihen, wäre kein marktgerechtes Verhalten.

Manuel Pellegrini droht Barcelona trotzdem, berichtet die Sun. "Wir können Messi holen", tönt es in seinem Namen am Donnerstag auf der Sportseite des Revolverblatts. City muss im Februar gegen Luis Enriques Truppe ran, da kann ein bisschen Wirbel ja nicht schaden.

Doof an dieser schönen Geschichte ist nur, dass der Chilene kein Wort gesagt hat, dass auch nur Ansatzweise den Tatbestand der "Stichelei" (Sun) erfüllt, ganz im Gegenteil.

"Es ist normal, dass finanzstarke Klubs mit den besten Spielern in Verbindung gebracht werden", winkte er ab, "oft werden diese Gerüchte aus persönlichen Interessen verbreitet, nicht von den Vereinen. Ich sage nicht, dass das hier der Fall war, aber es gibt hier überhaupt nichts Konkretes".

Also: bitte einstweilen das Ganze einstweilen unter "C" wie "cucumber" - zu deutsch: Gurke: abheften.

Raphael Honigstein, geboren 1973 in München, zog 1993 nach London. Dort lebt und arbeitet er als Journalist und Autor. Für SPORT1 berichtet er ab sofort in der wöchentlichen Rubrik "London Calling" über alle Themen rund um den englischen Fußball. Honigstein arbeitet unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", das Fußballmagazin "11 Freunde", die englische Tageszeitung "The Guardian", den Sportsender "ESPN" und ist in England und Deutschland als TV-Experte tätig.

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