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Einer der wertvollsten Spieler der Premier League, Eden Hazard © Getty Imagas

Eden Hazard beglückt die Fans auf der Insel und erntet höchste Meriten. Das hat er einer neuen Stärke zu verdanken und Chelsea-Trainer Jose Mourinho.

Von Raphael Honigstein

"Dabei zu sein ist 80 Prozent des Erfolges", sagte Woody Allen einst. Das gilt fürs Showgeschäft im Allgemeinen, aber auch für das Showgeschäft Premier League im Speziellen.

Eden Hazard, der Flügelstürmer des FC Chelsea, wurde am vergangenen Sonntag nicht zuletzt von der Profi-Fußballer-Gewerkschaft als Spieler des Jahres in England gekürt, weil er in der laufenden Saison keine einzige von (mittlerweile) 34 Ligapartien verpasste. Diese Wettkampfhärte gilt auf der Insel als hohes Gut; insbesondere, wenn sie erklärte Künstler wie der kleine Belgier an den Tag legen. 

Über 100 Mal wurde der 24-Jährige in dieser Spielzeit gefoult, über 100 Mal stand er wieder auf, ohne Allüren, Provokationen, Auseinandersetzungen.

"Er ist ein fantastischer Junge, ein goldener Junge", lobte ihn Trainer José Mourinho diese Woche. "Wie er sich benimmt, wie er andere respektiert, sogar die Gegenspieler. Ich glaube nicht, dass es einen Gegenspieler gibt, der sagen kann: ‘Er hat mich beleidigt, er hat mich verarscht, er hat mit seiner Schulter gespielt, als Chelsea vorne lag, er hat 20 Übersteiger vor meiner Nase gemacht.’ Er schummelt nicht, er macht keine Schwalben. Nichts".  

"Nichts" stimmt nicht ganz: im Januar 2013 trat er im Ligapokalspiel gegen Swansea City einem Balljungen (leicht) in den Bauch. (Der freche Kerl hatte das Spielgerät nicht hergeben.) Aber das ist ja schon eine Weile her.

In der Tat ist Hazard eine ganz andere Art von Star als der im Jahr zuvor als Bester ausgezeichnete Kollege Luis Suarez (Ex-Liverpool), der Stürmer mit kannibalistischen Neigungen und Problemen im Umgang mit schwarzen Kollegen. Hazard ist so sauber, so ruhig, dass er abseits des Platzes fast gar nicht da ist.

Er läuft Woche für Woche ohne Angst vor den Tritten mit dem Ball auf die Verteidiger zu.  Mal kommt er dabei vorbei, manchmal nicht. Oft spielt er den entscheidenden oder vor-entscheidenden Pass. Etwa in jedem dritten Spiel trifft er. Dazu kommt, in dieser Saison, große taktische Disziplin. 

Im Vorjahr, nach dem Champions-League-Aus im Halbfinale gegen Atletico Madrid hatte Mourinho sich noch öffentlich beschwert, dass Hazard "sich nicht 100 Prozent für die Mannschaft opfern" würde. Das kann niemand mehr behaupten.

Die "Freiheit", die er laut eigener Aussage bei den Blauen genießt, betrifft nur das Spiel mit Ball in der gegnerischen Hälfte. Allerdings profitiert Hazard auch davon, dass mit Diego Costa in diesem Jahr ein echter Stoßstürmer vor ihm operiert. Moruinho fordert nun nicht mehr von ihm, wie noch im Vorjahr, so viele Tore wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo zu erzielen. 

Der Vergleich mit den beiden Außerirdischen hat Hazard in der Vergangenheit nicht gut getan. Vor allem sieht man nun, dass er ein doch etwas anderer Spieler ist, mehr der Typ Franck Ribery: er dribbelt unerbittlich Gegner müde, sucht aber dabei nicht unbedingt den eigenen Abschluss, sondern den freien Mann.

Ein Solist, im Dienste des Kollektivs. Anders kann man bei Mourinho, dem Großmeister des Plan-Fußballs, auch nicht glücklich werden. 

"100 Millionen Pfund - für jedes Bein", müsste Real Madrid an Ablöse für Spieler zahlen, scherzte der Portugiese kürzlich. Ein mögliches, von britischen Revolverblättern immer wieder in Aussicht gestelltes Tauschgeschäft mit Gareth Bale ist an der Stamford Bridge kein Thema. Der Spieler selbst will, so hört man es aus seinem Umfeld, in der kommenden Saison auf jeden Fall an der Themse bleiben. 

Mittelfristig muss man sich bei den Blauen wohl trotzdem ein wenig Sorgen machen. Die jüngste Vergangenheit lehrt, dass es den größten Superstars auf der Insel mit der Zeit oft zu eng wird.

Thierry Henry, Cristiano Ronaldo, Gareth Bale und Suárez traten nach ihrer Wahl zum Spieler des Jahres allesamt die Reise nach Spanien an. In La Liga dabei zu sein, ist für die größten Stars der Show anscheinend irgendwie noch schöner. 

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