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München und Liverpool - Jürgen Klopp beweist bei seiner Antrittspressekonferenz in Liverpool, dass der "Typ Klopp" auch in England funktioniert. An die Fans richtet er markige Worte.

Als Jürgen Klopp eine der wenigen Fragen auf Deutsch gestellt bekam, ging er plötzlich aus sich raus. Wurde lauter. Wurde energischer.

Er könne sich die Stadt ja gar nicht anschauen, da ihn die Pressevertreter auf Schritt und Tritt verfolgen würden.

Nicht einmal im Hotelzimmer habe er seine Ruhe.

In diesem Moment war zu merken, dass Klopp nichts von seinem Temperament verloren hat, das ihn in Dortmund ausgezeichnet und auch zu dem einen oder anderen Disput mit den Medienvertretern geführt hatte.

Doch abgesehen davon hielt sich Klopp auf seiner ersten Pressekonferenz für seinen neuen Verein FC Liverpool merklich zurück. Bescheiden gab er sich, beinahe demütig bei diesem "geilen Verein" arbeiten zu dürfen.

Klopp humorvoll

Gleich zu Beginn entschuldigte er sich für sein Englisch, dass er "bisher nur im Urlaub" gebraucht habe, sorgte damit für die ersten Lacher und brach innerhalb von Sekunden das Eis. (Die Pressekonferenz zum Nachlesen)

Es war dem ehemaligen BVB-Coach anzusehen, wie sehr er sich auf seine neue Aufgabe freut. Sein breites Lächeln schien beinahe festgefroren.

Ich bin "The Normal One"

Nur der Hype um seine Person ist ihm suspekt. "Lasst uns hier erst einmal in Ruhe arbeiten, und dann schauen wir, was passiert. Wir haben eine große Aufgabe vor der Brust und haben viel vor", sagte Klopp.

Auf die Frage, wie er sich in Anlehnung an "The Special One" Jose Mourinho bezeichnen würde, sagte er: "Maybe I'm The Normal One"! Ich komme aus dem Schwarzwald. Ich war ein durchschnittlicher Spieler, und in Mainz habe ich als durchschnittlicher Trainer angefangen. Ich habe jetzt einen guten Moment genutzt, um in Liverpool anzufangen."

Klopp als Menschenfänger

Doch bei aller Bescheidenheit vergaß Klopp nicht, jene Sätze auszusprechen, nach denen die Fans lechzen, mit denen er die Anhänger, die ihn ohnehin schon für den Heilsbringer halten, noch mehr hinter sich bringt.

"Emotionalen Fußball" wolle er spielen lassen, denn das "sei wichtig an der Anfield Road". Die Fans "sollen den Besuch im Stadion genießen". "

Wir werden den Teufel tun und sagen, dass wir erst in 20 Jahren einen Titel holen", so Klopp.

"Lasst uns all die Zweifel in Glaube umwandeln", schloss er voller Pathos.

Wie einst Pep Guardiola

Gleich bei seinem ersten Auftritt hat der 48-Jährige gezeigt, dass der "Typ Klopp" auch außerhalb seiner Muttersprache funktionieren kann - zumindest was den Umgang mit der Öffentlichkeit angeht. Er war authentisch, aber auch so gut vorbereitet, dass er wusste, welche Knöpfe er bei den Liverpoolern zu drücken hatte. Der Menschenfänger fischt wieder.

"Es hat schon ganz gut funktioniert", sagte er danach bei Sky Sport News HD. Das habe er aber nicht so gut gespürt, als hätte er deutsch gesprochen: "Da verstehe ich ja jedes Wort, das ich sage." Normalerweise mache er sich "über Pressekonferenzen keine vier Sekunden Gedanken" - das war diesmal anders.

Klopps erster Auftritt erinnerte auf seine Weise ein wenig an Pep Guardiola, der bei seiner Präsentation in München mit seinen Deutschkenntnissen überraschte - auch wenn die sich bis heute wenn überhaupt nur rudimentär verbessert haben. Drei Jahre später hat der Spanier den FC Bayern in den Top Drei der besten Vereinsmannschaften Europas etabliert.

Sollte Klopp mit den "Reds" Ähnliches gelingen, wird er zumindest an der Anfield Road nicht mehr als "The Normal One" durchgehen.

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