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Diego Costa (r.) saß gegen Tottenham erstmals nur auf der Bank © Getty Images

Nach dem Leibchenwurf auf Mourinho ist Diego Costas Zukunft bei Chelsea ungewiss. Der Trainer beschwichtigt, doch das Auftreten und die Zahlen sprechen gegen den Wahlspanier.

Jose Mourinho hatte alle Mühe, die Wogen zu glätten.

"Wenn er mir hätte wehtun wollen, hätte er sicher nicht mit einem Lätzchen nach mir geworfen", beschwichtigte der Portugiese nach dem Eklat um Starstürmer Diego Costa.

90 Minuten lang schmorte der Stürmer beim Londoner Derby zwischen Tottenham und dem FC Chelsea (0:0) auf der Bank. Zwar schickte Mourinho den spanischen Nationalspieler zum Aufwärmen, auf eine Einwechslung wartete Costa allerdings vergeblich. Seine Reaktion: Beim Marsch zurück auf die Bank warf er sein Leibchen auf den sitzenden Mourinho.

Zum ersten Mal überhaupt verzichtete der in diesen Tagen umstrittene Trainer auf die Dienste des Angreifers, und zeigte deshalb Unverständnis für seinen Schützling: "Diego ist privilegiert, denn er war der Letzte, der auf die Bank musste."

Diego Costa im Abseits

Tatsächlich versuchte Mourinho seit Wochen immer wieder, durch Umstellungen neue Impulse zu setzen. Von Chelsea-Ikone John Terry über Cesc Fabregas bis hin zum letzte Saison überragenden Eden Hazard setzte der Coach auch Leistungsträger auf die Bank. Ärger wie nun mit Costa gab es dabei allerdings nie.

Schon in der vergangenen Woche kritisierte Mourinho den 27-Jährigen für seine Spielweise. Am Wochenende legte er nach: "Die Nachricht an alle meine Spieler, nicht nur Diego ist, dass das Team viel besser ist, wenn wir als Team spielen und vor allem als Team verteidigen."

Ein Schlag ins Gesicht des gebürtigen Brasilianers, dessen Rolle im Mannschaftsgefüge mehr denn je auf der Kippe steht: Weder beim Aufwärmen, noch beim Auslaufen war er dabei. Seine Aktivitäten an der Seitenlinie während des Spiels beschränkten sich auf ein paar halbherzige Dehnübungen an der Eckfahne. Vor der Abreise war er der erste im Mannschaftsbus.

Zahlen sprechen gegen Costa

Nach der ordentlichen Leistung gegen die zuletzt fabelhaft aufspielenden Spurs sah sich Mourinho in seiner Maßnahme bestätigt: "Heute waren wir der Meinung, dass das die beste Strategie ist. Wir sind glücklich mit der Entscheidung und den Spielern."

So spricht wenig für eine schnelle Rückkehr Costas in die Startelf. Mit erst sieben Toren seit Januar steckt der Goalgetter des letzten Kalenderjahres in einer monatelangen Formkrise.

In elf Premier-League-Einsätzen in dieser Saison schoss er nur neunmal auf das gegnerische Tor und verwertete nur 17,1 Prozent seiner Chancen - ein katastrophaler Wert. Dazu erwies der Hitzkopf seinem Team mit seinem rüpelhaften Verhalten gegen Arsenal, als er die Rote Karte von Gabriel Paulista perovozierte, und der nachfolgenden Sperre im September einen Bärendienst.

Die Konkurrenz wird größer

Dabei wäre Einsatzzeit für den Wahlspanier nicht zuletzt im Hinblick auf die EM 2016 wichtig. Mit Paco Alcacer (FC Valencia) und dem unter anderem von Arsenal und Barcelona umworbenen Nolito (Celta Vigo) wächst in der Seleccion beträchtliche Konkurrenz heran.

Einen schlechteren Zeitpunkt könnte es also kaum geben, um bei Jose Mourinho in Ungnade zu fallen. Gut möglich, dass der Leibchenwurf letztlich für Costa selbst schmerzhaft wird.

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