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Watford v Manchester United - Premier League
Bastian Schweinsteiger (r.) beim knappen Sieg in Watford © Getty Images

München - Manchester Uniteds Spielstil steht in der Kritik - und Bastian Schweinsteiger ist mittendrin. Bei SPORT1 verteidigt ihn Olaf Thon gegen Paul Scholes' harte Worte.

Man stelle sich vor, Oliver Kahn erzählt im Fernsehen nach jedem Spiel des FC Bayern, wie sehr ihm beim Anblick dieser Mannschaft und von Trainer Pep Guardiola die Langeweile durch die Synapsen schießt.

Hei, da wäre was los! Zum Glück (oder leider, je nach Präferenz) bleibt Fußballdeutschland das erspart. Fußballengland hingegen wird seit Monaten Zeuge einer ähnlichen Konstellation.

Scholes vs. van Gaal

Paul Scholes, Legende von Manchester United, hat in Louis van Gaal, Trainer von Manchester United, einen neuen Lieblingsfeind gefunden. Und Bastian Schweinsteiger bekommt jetzt auch etwas ab.

Eindimensional sei Uniteds Spiel, die Männer im Zentrum dödeln nach Scholes' Geschmack viel zu viel quer über den Platz, statt den Gegner zu überfallen.

Tatsächlich hat Schweinsteiger in bislang 13 Ligaspielen keinen einzigen Pass durch die Abwehr in den Strafraum zum Mitspieler gebracht und kommt in insgesamt 1400 Pflichtspielminuten für United auf gerade einmal zwei Torbeteiligungen.

Schweinsteiger unsichtbar?

"Ich kann mich nicht an einen Pass, einen Schuss oder irgendeine Offensivaktion von Schweinsteiger und Schneiderlin erinnern", spottete Scholes nach Manchesters 0:0 in Eindhoven am Mittwochabend.

SPORT1-Experte Olaf Thon widerspricht deutlich: "Wenn Scholes das ernst meint, sollte er sich mit Kritik zurückhalten. Schweinsteiger hat alles gewonnen, gibt immer 100 Prozent Einsatz. Dass er keine Rakete ist, ist klar. Man braucht Spieler wie ihn, die in die Breite spielen und den Ball behaupten. Wenn Scholes mal Weltmeister geworden wäre, dürfte er Schweinsteiger kritisieren. Aber das ist Blödsinn."

Vorgabe von van Gaal

Viermal hat Schweinsteiger überhaupt erst in der Premier League aufs Tor geschossen. Doch die Wahrheit ist: Van Gaal will es nicht anders. Vorne glänzen sollen andere.

Das Problem: Sie tun es nicht. Anthony Martial, Memphis Depay und Wayne Rooney stammeln seit Wochen über den Platz, auch bei ihnen haut die Kritikerkeule feste drauf.

"Rooney ist außer Form, mental und körperlich. Er ist der Kapitän, von ihm muss viel mehr kommen. Er sollte sich ernsthaft hinterfragen", findet etwa Roy Keane, noch so ein im Fernsehen gelandeter Ex-United-Star.

Tore fallen schwer

Schweinsteiger steht also stellvertretend für ein viel größeres Problem. Van Gaal gab vor der Saison fast 80 Millionen Euro für neue Offensivleute aus, und dennoch schmeckt jedes der wenigen Tore Uniteds nach purer Anstrengung.

Doch zurück zu unserer TV-Tratsche: Scholes arbeitet seit letztem Jahr für den britischen Sender BT Sport, will sich unbedingt schnell mit harten Ansagen ein vermarktbares Profil geben.

Aus Sendersicht klappt das hervorragend. Immer wieder sind Scholes' Auslassungen Topthema in England und auch darüber hinaus.

Scholes nervt United

Doch Scholes zieht immer mehr Kritik auf sich. Van Gaal ist genervt, und auch sonst sollen im Verein immer weniger Leute gut auf den einstigen Fanliebling zu sprechen sein.

United ist in der Liga Zweiter und kann mit einem Sieg in Wolfsburg eine wackelige Champions-League-Vorrunde mit dem Gruppensieg abschließen. Noch ist der Klub bis auf dem Aus im Ligapokal auf Kurs.

"Andere Mannschaften gewinnen nicht, wenn sie schlecht spielen. United kann hässlich gewinnen. Das ist ein unbezahlbares Gut", bemerkte Michael Owen.

Das Problem aus Sicht von Schweinsteiger und seinem Verein: Owen nehmen auf der Insel deutlich weniger Fans ernst als Scholes.

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