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Hauptfiguren des Märchens von Leicester: Stürmer Jamie Vardy und Trainer Claudio Ranieri
Hauptfiguren des Märchens von Leicester: Stürmer Jamie Vardy und Trainer Claudio Ranieri © Getty Images

Leicester spielt am Samstag gegen ManCity und dann gegen Arsenal. Sollten Huth und Co. dann noch Erster sein, müsste sich Trainer Ranieri mit dem Titel beschäftigen.

Der ebenso unwahrscheinliche wie immer noch unwirklich scheinende Aufstieg von Leicester City ist schon jetzt die Cinderella-Story des Jahrzehnts im englischen Fußballs. In den nächsten Tagen könnte das Märchen aber noch ein Stückchen realer werden. Oder eben noch unwirklicher, je nach Sichtweise.

Sollte Leicester nach den zwei Spitzenspielen bei Verfolger Manchester City am Samstag (13.45 Uhr LIVETICKER) und eine Woche drauf in London beim aktuellen Tabellenvierten FC Arsenal noch immer Tabellenführer sein, müsste man sich in Leicester langsam ernsthaft Gedanken machen, wo am Ende der Saison die Meisterparty steigen soll für Jamie Vardy, Robert Huth, Shinji Okazaki und Co.

Ranieri will nicht Obama sein

In Hollywood sollte man sich zudem überlegen, ob der geplante Film über Goalgetter Vardy wirklich reichen würde – oder ob man nicht jedem Spieler des Klubs aus den Midlands ein filmisches Denkmal setzen müsste. Und natürlich auch Trainer Claudio Ranieri.

Der 64-Jährige, in England bisher eigentlich vor allem für seinen Spitznamen "der Bastler" und seinem putzigen Italo-Englisch bekannt, glaubt zwar noch nicht wirklich an eine Titelchance für seine Jungs, gibt aber mittlerweile jede Woche launigere Pressekonferenzen.

"Ich würde jetzt gerne sagen: ‘Yes we can!’ Aber ich bin nicht Obama", sagte er nun etwa vor dem Spiel gegen die Citizens. Und weil er eben nur der Bastler und nicht Obama wäre, "ist es schwer für mich zu sagen, dass wir es schaffen können. Ich glaube, wenn ich noch ein bisschen die Spannung hochhalte, ist es besser für euch", sagte er in die Lacher der Reporter hinein.

Ranieri bisher der ewige Zweite

Ranieri hat während seiner Karriere schon beim FC Chelsea, Juventus, Rom, Valencia oder Monaco gearbeitet. Einen wichtigen Titel in einer ersten Liga hat er aber noch nie gewonnen. In Italien hat er das Image des ewigen Zweiten, in England galt er vor seinem Engagement in Leicester als Mann, der bei Chelsea einst Klublegende John Terry und Robert Huth, der vielleicht bald eine Leicester-Legende sein könnte, entdeckte; gleichzeitig aber in seinem letzten Jahr in London, das gleichzeitig das erste unter Roman Abramowitsch war, trotz Investitionen von 120 Millionen Pfund nicht den Meistertitel gewinnen konnte.

Nun könnte ihm dieses Kunststück mit Leicester gelingen. Ausgerechnet mit diesem Prototyp eines englischen Durchschnittsklubs, der erst seit 2014 wieder in der Premier League spielt. Mit einer Mannschaft voller williger Durchschnittskicker, die jedes Spiel so ackern und laufen, als ob es um ihr Leben ginge; mit ihrem Abwehrchef Robert Huth, dem es total egal ist, ob seine geklärten Bälle auf der Tribüne oder auf den Wiesen rund ums Stadion landen; mit Vardy, der seine kurze und erfolglose Karriere als Kleinkrimineller nicht vergessen kann, weil er immer wieder darüber reden muss, und mittlerweile nicht nur vom FC Liverpool gejagt wird.

Champions League möglich

Ranieri hält den Gedanken an den Titel für absurd. Gefragt, wen aus der Spitzengruppe er als Favoriten ansehen würde, sagte er: "Alle bis auf uns." Die Fans dürften träumen, "wir müssen auf dem Boden bleiben", kalauerte er noch.

Doch wenn schon nicht an die Meisterschaft, an die Champions League könne man schon mal einen Gedanken verschwenden. "Wenn wir Vierter werden und die Champions League erreichen am Ende. Das wäre schon unglaublich! Ich weiß nicht, weas die Zukunft bringt, aber ich weiß, dass wir den Fans schon sehr viel geschenkt haben", sagte er.

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