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Raphael Honigstein (l.) glaubt nicht an einen einfachen Start für Pep Guardiola in Manchester © SPORT1-Montage: Marc Tirl / Getty Images

SPORT1-Kolumnist Raphael Honigstein prophezeit Manchester City und Bald-Coach Pep Guardiola eine dornenreiche Zukunft - während United wohl noch die Kurve kriegt.

Es war eine gute Woche für Ed Woodward. Manchester United und sein Geschäftsführer konnten am Mittwoch Gulf Oil (Motoröl und Tankstellen) als neuesten Werbepartner bekanntgeben.  

Der Konzern reiht sich ein in die Liste von 73 (!) hochkarätigen Vereinssponsoren, zu denen auch asiatische Fertiggerichte-Produzenten (Ottogi), nigerianische Fruchtsäfte-Hersteller (Chivita) und Pharma-Unternehmen aus Süd-Korea (Cho-A) gehören.

(SPORT1-Kolumnist Raphael Honigstein am Sonntag ab 11 Uhr Live im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM zu Gast im Volkswagen Doppelpass)

Darüberhinaus besiegten die nur auf Platz sechs liegenden Red Devils im Derby am Sonntag den verhassten Stadtrivalen Manchester City was den Druck auf Coach Louis van Gaal erheblich verringerte.

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Nach Citys fünfter Niederlage in den vergangenen zehn Spielen tobt die Krise nunmehr bei den himmelblauen Nachbarn.

Und anstelle von Woodward, der seit 2013 gut 400 Millionen Euro für neue, ausnahmslos überteuerte Spieler verballert hat, stehen jetzt wieder City-Manager Txiki Begiristain und Geschäftsführer Ferran Soriano als die größten Geldvernichter der Premier League da. 

Kreativität verzweifelt gesucht

Die Spanier haben es mit dem farblosen Coach Trainer Manuel Pellegrini in drei Jahren nicht geschafft, eine funktionierende Mannschaft zusammenzustellen - trotz eines Gehaltsvolumens von knapp 300 Millionen Euro.

City verfügt natürlich über famose Einzelkönner wie Kevin De Bruyne und Sergio Aguero im Sturm, hat aber auch ein gewaltiges Defizit an Esprit und gestalterischen Fähigkeiten in der Zentrale, wo die beiden braven Brasilianer Fernando und Fernandinho werkeln - und Yaya Toure mit dem Tempo eines Sonntagmorgen-Joggers in den mittleren Jahren zunehmend unmotiviert durch die Gegend trottet.

Katastrophale Abwehr

Und die Abwehr ist ohne den verletzten Kapitän Vincent Kompany, der seine Schwächen im Stellungsspiel immerhin mit permanentem Einsatz wettmacht, ebenfalls nur tauglich für die UEFA Europa League. Ex-Bayer Martin Demichelis lieferte gegen United die so ziemlich schlechteste Leistung eines Verteidigers in der laufenden Saison ab und wurde nach 53 Minuten zum eigenen Schutz ausgewechselt.

(Die UEFA Europa League: Das Viertelfinale am 7. und 14. April LIVE im TV auf SPORT1).

Wo zu den empfindlichen Verletzungen von Leistungsträgern wie Kompany, de Bruyne, Raheem Sterling und Joe Hart auch jenes Gefühl kommt, für das es auf der Insel den schönen Ausdruck de-mob happy gibt (zu deutsch: das Glück, bald aus der Armee entlassen zu werden), wird ersichtlich, wie wenig Struktur und Identifikation es bei City gibt.

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Die Mannschaft spielt unkonzentriert und lustlos, als sei sie sich bereits ihres eigenen Endes bewusst. Ein Vordringen ins Halbfinale der Champions League erwartet in Großbritannien ohnehin niemand mehr von dieser dysfunktionalen Truppe. 

Auf Pep Guardiola kommt also viel Arbeit zu. Und wenn er Pech hat, auch viel Häme, falls City tatsächlich den Sprung in die Königsklasse verpassen sollte.

Um der negativen Stimmung entgegenzuwirken, bemühten die City-Verantwortlichen in einem Kamingespräch mit Zeitungsreportern am Montag die Vision einer rosaroten Harmonie mit dem in München angeblich noch immer unverstandenen Pep.

Tenor: Im Etihad-Stadion bekäme er "viel Liebe und Geld" (Guardian) - und auch die Zeit, eine "Dynastie" (Independent) zu begründen. Sogar Lionel Messi könnte dem Ruf seines ehemaligen Lehrmeisters nach Manchester folgen, stellten die City-Macher in Aussicht.

Allerdings nur dann, wenn der Argentinier von Barcelona Abschied zu nehmen gedenke. Dafür gibt es momentan keine Anhaltspunkte. 

Mehr Einfluss für Guardiola

Guardiola wird sich - und insofern deckt sich die schöne PR-Botschaft mit der Realität - bei City tatsächlich ein Team nach Wunsch zusammenkaufen können; er wird weitaus mehr Einfluss auf Transfers haben als in Barcelona und München.

Das Problem ist nur, dass die Hellblauen ganz gewaltige Umbauten benötigen, um überhaupt in der Lage zu sein, Pep-Fußball zu spielen.

Der Spanier muss die City im Grunde völlig neu erfinden. Er kann weder auf ein funktionierendes Fundament zurückgreifen noch auf einen Stamm von einheimischen Kickern, die sich ganz dem Wohl des Vereins verschreiben und Neuankömmlinge in die spezielle Kultur einführen können.

Dazu wird aller Voraussicht nach gleich nebenan im Old Trafford Erzfeind Jose Mourinho die Geschicke führen. Falls Pep nach drei Jahren bei den intern anstrengenden, aber sportlich erstklassigen Bayern wirklich eine neue Herausforderung gesucht hat, wird er sie im Sommer bei City finden - weitaus größer und schwieriger als erwartet. 

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