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Ron-Robert Zieler absolvierte vor dem Sprung in die Premier League insgesamt 185 Bundesligaspiele © SPORT1-Montage: Paul Haenel/Getty Images

München - Ron-Robert Zieler muss sich bei Leicester City wohl mit einem großen Namen messen. Zielers England-Erfahrung und Marc-Andre ter Stegen machen Hoffnung.

Wenn man so will, unternimmt Ron-Robert Zieler gerade den Versuch, besser als Lionel Messi zu sein.

Am Freitag gab Leicester City bekannt, dass der Torwart aus Hannover auf die Insel wechselt - und bestätigte damit, was 96 schon am Sonntag angekündigt hatte.

Vom Bundesliga-Absteiger zum englischen Meister? Champions League statt Zweite Liga? Klingt nach einer vernünftigen Entscheidung des 27-Jährigen. Bleibt die Frage, ob Zieler bei den Foxes eine Chance hat, sich als Stammtorwart durchzusetzen. Und damit zurück zum Thema Messi.

Schmeichel macht seinem Namen alle Ehre

Die Nummer 1 trägt in Leicester derzeit Kasper Schmeichel. Und der Sohn der dänischen Torwart-Legende Peter Schmeichel machte in der abgelaufenen Meistersaison nicht nur seiner Rückennummer, sondern auch seinem großen Namen alle Ehre.

Chelsea v Leicester City - Premier League
Kasper Schmeichel (l.) spielte in Leicesters Meistersaison 15 Mal zu Null © Getty Images

In sämtlichen Premier-League- und FA-Cup-Spielen stand der 29-Jährige zwischen den Pfosten, verpasste dabei keine einzige Minute. Auch dank Schmeichel stellte der Sensationsmeister (36 Gegentore) mit nur einem Tor Rückstand auf Tottenham und ManUnited (jeweils 35) die drittbeste Abwehr Englands, 15 Mal hielt er seinen Kasten sauber.

Im Player Performance Index der Premier League belegt der Leicester-Keeper unter allen Torhütern mit Abstand den ersten Platz.

Ranieri bietet FC Barcelona Tausch mit Messi an

Das weckt natürlich Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz - und an dieser Stelle kommt der Name Messi ins Spiel. Angeblich soll nämlich der FC Barcelona Interesse an einer Verpflichtung von Schmeichel gezeigt haben.

Darauf angesprochen, reagierte Leicester-Coach Claudio Ranieri in seiner ihm eigenen, kultigen Art.

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"Barcelona will Kasper Schmeichel? Wie viel sind sie denn bereit zu zahlen?", fragte der Italiener, um kurz darauf einen seiner Meinung nach angemessenen Vorschlag zu unterbreiten: "Wir könnten auch einen Tausch machen: Schmeichel gegen Messi."

Das war natürlich nicht ganz ernst gemeint - zeigt aber doch die Wertschätzung, die Ranieri seinem aktuellen Keeper entgegenbringt. Und verdeutlicht die Schwere der Aufgabe, der sich Zieler stellen wird.

Zieler: Weltmeister, aber nicht im EM-Kader

Mit Hannover aus der Bundesliga abgestiegen, bei Bundestrainer Joachim Löw in Sachen EM-Kader außen vor: Der gebürtige Kölner kommt aktuell nicht gerade mit den besten Erfahrungen und Empfehlungen daher.

Aber es spricht auch einiges für Zieler: Zum einen wurde er 2014 - wenn auch nur als Ersatzmann - in Brasilien Weltmeister. Zum anderen spielte er persönlich eine durchaus gelungene Bundesliga-Saison.

An Zieler lag es am wenigsten, dass Hannover den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste. Nicht ohne Grund wurde der Keeper von den 96-Fans mit Abstand zum Spieler der Saison gewählt.

Und dann wäre da noch ein weiterer Pluspunkt: Zielers England-Erfahrung.

Ausbildung unter Sir Alex Ferguson bei Manchester United

Was viele inzwischen vergessen haben: Der Schlussmann wurde einst bei Manchester United ausgebildet, arbeitete sich aus der U18 über die U21 zeitweise bis in den Profikader von Trainerlegende Sir Alex Ferguson nach oben.

Ron-Robert Zieler im Trikot von Manchester United
Ron-Robert Zieler wechselte 2005 als 16-Jähriger vom 1. FC Köln zu Manchester United © Imago

Seither genießt Zieler auf der Insel einen hervorragenden Ruf.

Als Ferguson 2011 von Zielers Nationalelfdebüt erfuhr, ließ er in einem Statement auf der Vereinshomepage wissen: "Das ist fantastisch. Ich freue mich, diese Neuigkeit zu hören. Er hat immer hart gearbeitet und ist ein ganz feiner Kerl."

Zieler bald wie ter Stegen bei Barca?

Ob sich der "feine Kerl" in Leicester jedoch ohne Murren auf die Bank setzt, darf getrost bezweifelt werden. Womöglich plant Ranieri angesichts der kommenden Mehrfachbelastung durch Premier League, zwei Pokal-Wettbewerbe und die Champions League aber auch eine Arbeitsteilung zwischen den Pfosten.

Womit wir wieder bei Messi wären. Dessen FC Barcelona praktiziert seit Jahren ein solches Modell: In der Liga hütet Claudio Bravo den Kasten, in Pokal und Champions League darf Zielers Nationalmannschaftskonkurrent Marc-Andre ter Stegen ran.

Dass ein Teilzeitjob zumindest die Chancen auf einen Platz bei Joachim Löw nicht zwangsläufig verschlechtert, hat ter Stegen gerade erst mit seiner Nominierung für die EM bewiesen.

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