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München - Der Wechsel von Leroy Sane zu ManCity sorgt für Euphorie - aber kann sich der Youngster gegen die zahlreichen hochkarätigen Konkurrenten in der Offensive durchsetzen?

"What time is it...?", fragte Manchester City am Dienstagmorgen auf Twitter.

Die Antwort folgte drei Minuten später - und lautete wenig überraschend nicht: 10.57 Uhr.

"Es ist Zeit, Leroy bei City willkommen zu heißen", schrieben die Skyblues um Punkt 11 Uhr deutscher Zeit. Der Dramaturgie angemessen gab es dazu in einem mit Rockmusik unterlegten Video noch einen Blick auf Sanes neues Trikot mit der Nummer 19.

Und - natürlich - einen eigenen Hashtag: #WelcomeLeroy.

Überangebot im offensiven Mittelfeld

Wenig später häuften sich die ersten euphorischen Fan-Tweets, ein User malte sich schon die neue Offensive der Citizens aus: "Sane, Nolito, Silva, De Bruyne, Sterling. Alle hinter Agüero nächste Saison. Unglaublich."

Schwer zu glauben ist das alles tatsächlich. Vor allem, dass Pep Guardiola in seiner ersten Premier-League-Saison sechs Offensivkünstler auf einmal in die Startelf stellt.

Ob da Platz ist für Sane? Der in seinem ersten Interview mit CityTV selbst eingestand, dass die Premier League "eine andere Liga mit einem anderen Spielstil" sei und er "vielleicht ein bisschen Zeit brauche, mich daran zu gewöhnen."

In den sozialen Netzwerken erklärte Sane zwar auch, er fühle sich "schon jetzt dazu bereit, diesen Schritt zu gehen" - aber die Konkurrenz in Nordengland ist eine andere, als sie es auf Schalke war.

De Bruyne, Sterling, Nasri...

Neben den bereits aufgezählten Nolito, David Silva, Kevin De Bruyne, Raheem Sterling und Sergio Agüero tummeln sich in der City-Offensive weitere Hochkaräter wie Samir Nasri, Jesus Navas, Wilfried Bony und der vereinseigene Shootingstar Kelechi Iheanacho.

In der eher dürftig besetzten Hintermannschaft hätte Sane sicher weniger Konkurrenz, umschulen wird ihn Guardiola deswegen aber wohl kaum. Wo also hin mit dem Schalker Eigengewächs?

Sein Pluspunkt: die Flexibilität.

"Ich fühle mich sehr wohl auf der Außenposition", erklärte Sane, "aber Pep hat auch zu mir gesagt, dass ich eigentlich flexibel bin. Dass ich in der Mitte spielen kann oder außen."

Guardiolas Vorgänger Manuel Pellegrini ließ in der Vorsaison meist im 4-2-3-1 spielen - ein System, in dem Sane alle vier offensiven Positionen ausfüllen könnte.

Könnte, aber nicht zwangsläufig muss, wie ein genauerer Blick auf die Konkurrenz beweist.

Viele Möglichkeiten für Guardiola

Da wären im Sturmzentrum: Sergio Agüero, 102 Tore in 150 Premier-League-Spielen. Iheanacho, 19 Jahre jung, allein in den letzten vier Spielen seiner Premierensaison mit fünf Toren. Und Wilfried Bony, 32,5-Millionen-Mann, aber möglicher Streichkandidat.

Auf den Flügelpositionen: Der lange auch von Barca umworbene Neuzugang Nolito. Welt- und Europameister Jesus Navas. 62,5-Millionen-Transfer Raheem Sterling. Das ewige Talent und leichte Problemkind Samir Nasri.

Dazu im offensiven Mittelfeld: Bundesliga-Rekordtransfer Kevin De Bruyne. Der dribbelstarke, technisch brillante Welt- und Europameister David Silva. Das ebenfalls gerade erst verpflichtete 19 Jahre junge ukrainische Top-Talent Oleksandr Zinchenko.

Und die große Krux: Die sieben Letztgenannten sind in der Offensive allesamt flexibel einsetzbar.

Sane weiß, was auf ihn zu kommt

Immerhin weiß Sane, worauf er sich einstellen muss. "Es sind auf jeden Fall großartige Spieler, auch Stürmer", sagte der 20-Jährige über die neuen Kollegen und Konkurrenten, sieht sich aber ohne Einschränkungen bereits als fester Bestandteil des Teams: "Wenn wir alle gut harmonieren und gut zusammenspielen, können wir auf jeden Fall sehr viel erreichen."

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Und in Guardiola hat Sane einen entscheidenden Fürsprecher. Der ehemalige Bayern-Coach habe bei seinem Wechsel "eine sehr große Rolle" gespielt, weil er in Barcelona und beim FC Bayern "sehr gut mit jungen Spielern gearbeitet hat".

Dass umgekehrt auch Guardiola für Sane schwärmt, ist schon seit den Duellen zwischen Bayern und Schalke in der Vorsaison bekannt.

Hrubesch: Sane "kann alles schaffen"

"Er wird mich auf jeden Fall sehr viel weiterbringen", sagt Sane über die bevorstehende Zusammenarbeit mit dem Trainergenie, das ihn nach eigener Aussage vor allem zu einem kompletteren Spieler machen soll.

Allein mit Training wird der ganz große Durchbruch in England aber nicht gelingen - das mussten auch schon Andre Schürrle und vor allem Marko Marin leidvoll erfahren.

Angesichts seiner Anlagen darf man Sane aber getrost zutrauen, dass er die beiden in der Premier League in den Schatten stellt.

"Schaffen kann der alles, wenn er gesund bleibt. Er hat ohne Frage die Qualität und zudem ein enormes Entwicklungspotenzial", schätzt sein ehemaliger Trainer bei der U21, Horst Hrubesch, Sanes Chancen ein: "Und da ist allemal noch Luft nach oben."

Die ist aber auch nötig.

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